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Bühne frei – der Theaterplatz in Aachen wird neu gedacht!

Das Kölner Büro Club L94 Landschaftsarchitekten hat den zentralen Stadtplatz vor dem historischen Aachener Theater grundlegend umgestaltet. Entstanden ist ein autofreier, multifunktionaler Freiraum, der als Bühne für das Zusammenleben in der Stadt konzipiert wurde.

DAB Redaktion
16.03.2026 7min
Der neu gestaltete Theaterplatz fügt sich als multifunktionaler, autofreier Stadtplatz in die innerstädtische Freiraumstruktur Aachens ein. © club L94 Landschaftsarchitekten / A.Calitz Visual

Der Theaterplatz ist einer der zentralen Freiräume der Aachener Innenstadt und bildet das Scharnier zwischen Hauptbahnhof, Elisengarten und Dom. Das Theater selbst entstand in den Jahren 1822–1825 auf dem Gelände des ehemaligen Kapuzinerklosters. Ab 1826 folgte die Theaterstraße als repräsentative Flaniermeile. Ursprünglich war die Platzmitte als baumbestandenes Rondell gestaltet. Im frühen 20. Jahrhundert wurde sie von einem Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. geprägt. Über Jahrzehnte jedoch dominierte der motorisierte Individualverkehr den Platz zunehmend. Genau hier setzt das Entwurfskonzept an, das sein Leitbild unmittelbar aus dem Ort ableitet. Tragödie und Komödie, die Musen Melpomene und Thalia repräsentierte Motive des Giebelfelds an der Gebäudefront finden sich im Kontrast von dunklem Theaterbrunnen und hellem Granitbelag wieder. Der gesamte Platz erhält einen graubeigen Natursteinbelag in linearer Verlegung. Dieser erinnert an den Parkettboden einer Theaterbühne und macht den Platz zur Stadtbühne. Der Entwurf denkt dabei beide Seiten des Theaters konsequent mit. Sowohl der repräsentative Vorplatz als auch die rückwärtige Seite, die künftig als Probebühne der Hochschule für Musik und Tanz genutzt wird, werden gestalterisch gleichwertig behandelt. 

Der neue Theaterbrunnen nimmt die Form des historischen Baumrondells auf und wird zum Herzstück des Vorplatzes. Die Theatergärten auf der Nord- und Südseite schaffen ein abwechslungsreiches Nutzungsangebot und ein angenehmes Mikroklima unmittelbar am Platz. © club L94 Landschaftsarchitekten / A.Calitz Visual

Zentrales Gestaltungselement des Vorplatzes ist ein neuer Brunnen, dessen Form und Lage an das ursprüngliche Baumrondell des historischen Theaterplatzes erinnern. Damit knüpft er an die über 2.000-jährige Tradition Aachens als Heilbad an und reiht sich in eine Folge von Brunnenanlagen ein. Durch wechselnde Wasserbilder – vom stillen Wasserspiegel bis zum Fontänenfeld – erhält der Brunnen eine eigene Choreografie. Seine Fläche lässt sich vollständig entleeren und für verschiedene Veranstaltungen nutzen, beispielsweise für Freiluftkonzerte oder temporäre Events. Die Raumkanten des Platzes werden durch die sogenannten Theatergärten gefasst. Baumreihen aus klimaresistenten Arten – darunter Rot-Esche, Japanischer Schnurbaum oder Gleditschie – bilden auf der Nord- und Südseite grüne Raumkanten und schaffen schattige Aufenthaltszonen. In einem codeartigen Band aus Baumscheiben, Sitzmöbeln, Hochbeeten, Spielbereichen und Außengastronomie ermöglichen die Theatergärten ein breites Nutzungsangebot. Die Baumgruben sind als Rigolen ausgebildet. Niederschlagswasser von gering belasteten Flächen wird den Bäumen direkt zugeführt, während Überschusswasser verzögert in die Kanalisation abgegeben wird. Der helle Belag verstärkt den Albedo-Effekt und reduziert die sommerliche Aufheizung des Platzes.

Die Theaterstraße bildet den ersten Bauabschnitt des Gesamtprojekts und ist zugleich dessen Hebel: Durch die Sperrung für den Individualverkehr ab dem Kreuzungsbereich Borngasse wird hier die Voraussetzung für den autofreien Theaterplatz geschaffen. Die historisch als Allee angelegte Straße erhält beidseitig neue Baumpflanzungen aus Winter-Linden, einen durchgehenden Natursteingehweg sowie barrierefreie Bushaltestellen. So entsteht eine zusammenhängende Flaniermeile, die den Theaterplatz mit den Fußwegen vom Hauptbahnhof bis zum Domplatz verbindet. 

Bus, Rad und Fußgänger teilen sich die Verkehrsfläche; die Bündelung der Verkehrsarten schafft Raum für die Theaterstraße als Flaniermeile. © club L94 Landschaftsarchitekten / A.Calitz Visual

Dem Entwurf liegt ein partizipativer Prozess zugrunde, der 2020 mit einem Reallabor begann. Auf einer gesperrten Fahrspur wurden erste temporäre Theatergärten mit Pflanzenkübeln, Hochbeeten und Außengastronomie erprobt, die vom Publikum so positiv aufgenommen wurden, dass die Stadt die Spur dauerhaft sperrte. Es folgten ein offener Realisierungswettbewerb (2021/22), den das Büro Club L94 mit dem ersten Preis gewann, sowie Bürgerdialoge und Abstimmungsformate. Der Planungsbeschluss der Politik für die ersten beiden Bauabschnitte erfolgte Ende 2023, die Bauarbeiten begannen Anfang 2025. Der Fund bedeutender archäologischer Artefakte hat den Zeitplan jedoch verschoben, sodass die Fertigstellung der Theaterstraße nun für Ende 2027 geplant ist. Die Umgestaltung des Theaterplatzes soll bis Ende 2028 abgeschlossen sein. 

Umgestaltung Theaterplatz Aachen

Ort: Aachen  
Bauherr: Stadt Aachen 
Landschaftsarchitektur: Club L94 Landschaftsarchitekten 
Verkehrsplanung: Obermeyer Infrastruktur GmbH & Co. KG 
Wettbewerb: 2021, 1. Preis 
Realisierung: 2025–2028 

Weitere Informationen: theaterplatz-aachen.de 

DAB Redaktion

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