„Mitgestalten – das ist Kammer“
Kammerkommentar: Anschluss entsteht nicht von selbst. Juniorvertreter Marius Birnbreier erklärt, warum junge Architekt:innen Netzwerke brauchen – und Verantwortung übernehmen sollten.
Viele junge Planerinnen und Planer begegnen der Kammer zunächst als Institution. Dabei lebt sie von den Menschen, die sich einbringen, Verantwortung übernehmen und unterschiedliche Perspektiven zusammenführen. Nachwuchsarbeit bedeutet deshalb nicht nur Interessenvertretung für die nächste Generation, sondern auch die Frage, wie wir unsere Berufe gemeinsam weiterentwickeln wollen.
Wenn man Studierende oder Nachwuchskräfte fragt, was sie mit einer Kammer verbinden, fällt die Antwort oft zurückhaltend aus. Für viele bleibt sie ein abstrakter Begriff: eine Institution zwischen Eintragung, Berufsrecht und berufspolitischer Vertretung. Die Frage, was das mit dem eigenen Berufsweg zu tun hat, bleibt offen. Diese Wahrnehmung überrascht nicht. Bereits die studentische Selbstverwaltung kämpft mit ähnlichen Herausforderungen. Engagement ist nicht leicht zu vermitteln, obwohl dort wichtige Fragen verhandelt werden: Wie wollen wir lernen, arbeiten und unsere Zukunft gestalten? Es geht um faire Mitbestimmung.
Genau darin liegt die Stärke der Kammern. Sie sind keine anonyme Autorität, sondern leben von der Beteiligung ihrer Mitglieder. Deren Erfahrungen, Interessen und Perspektiven bilden die Grundlage gemeinsamer Positionen. Das unterscheidet die berufliche Selbstverwaltung von anderen Interessenvertretungen. Für junge Architekt:innen stehen konkrete Themen im Raum: die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, zeitgemäße Arbeitsmodelle, Chancen auf Selbstständigkeit und berufliche Selbstverwirklichung, Austausch über Ländergrenzen oder die Frage, wie wir die eigene Wirksamkeit im Berufsalltag erhalten können. Die Kammern bieten einen Raum, in dem diese Anliegen sichtbar werden und Gehör finden.
Als Wahl-Mecklenburger habe ich früh erlebt, wie wichtig solche Netzwerke in einem Flächenland sein können. Anschluss entsteht nicht von selbst. Er lebt vom Austausch vor Ort, von engagierten Kammergruppen und von Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Mecklenburg-Vorpommern geht dabei einen offenen Weg. Dass Nachwuchsinteressen durch einen Ausschuss vertreten werden und Juniormitglieder bis in die Vorstands- und Vertreterebene hinein Gehör finden, ist keineswegs selbstverständlich.
Die Herausforderungen unserer Zeit werden nicht kleiner. Umso wichtiger ist eine Kammer, die nahbar bleibt, unterschiedliche Lebens- und Berufsrealitäten abbildet und den Dialog zwischen Generationen, Tätigkeitsfeldern und Regionen fördert. Die gemeinsame Aufgabe bleibt dieselbe: die Zukunft unserer Berufe aktiv mitzugestalten. Aber je mehr Menschen ihre Erfahrungen, Ideen und Perspektiven einbringen, desto größer die Chance, etwas zu bewegen. Mein Wunsch ist, dass sich noch mehr Menschen nicht nur mit den Veränderungen unseres Berufs auseinandersetzen, sondern bereit sind, diese gemeinsam mitzugestalten.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Regionen Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.
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