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Konstruktives Labor für einfacheres Bauen

Studiobesuch: Zu Besuch im Büro Aretz Dürr in Köln, das Konstruktion als Forschungsprozess versteht – und bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen hat.

Frank Maier-Solgk
04.03.2026 4min
Zwei Männer stehen nebeneinander vor einer Betonstütze in einem unfertigen Innenraum.
Sven Aretz und Jakob Dürr
© Ben Schumann

Das Büro sieht ein wenig so aus, wie man es sich im Fall eines jungen, avantgardistischen Architektenteams gemeinhin vorstellt: ein einziger schmaler, lang gestreckter Raum mit roher Betondecke und unverputzten Ziegelwänden, dessen Mobiliar im Wesentlichen aus einem langen Arbeitstisch und vielen offenen Buchregalen besteht. Das Büro liegt mitten in der belebten Severinstraße in der südlichen Kölner Altstadt. Bevor sie hier vor kurzem einzogen, war das hier, erzählen Sven Aretz und Jakob Dürr, ein Spielsalon. Jetzt hat sich das Spielerische in ein, wie sie selbst formulieren, „konstruktives Labor“ verwandelt, einen Ort, „an dem Lehre, Forschung und Praxis sich verbinden“. – Mit Erfolg, wie unter anderem der Gewinn des „Landeswettbewerbs 2024“ des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung mit der Architektenkammer NRW zeigt. 

Sven Aretz und Jakob Dürr hatten sich an der RWTH Aachen kennengelernt, 2019 gründeten sie an ihrem Wohnort Köln das gemeinsame Büro, das bisher unter anderem auf den Feldern Weiterbauen im Bestand und Wohnungsbau reüssieren konnte. Anfang 2025 konnten sie den „Landeswettbewerb 2024“ zum Thema „Einfach bauen“ gewinnen. Ausgezeichnet wurden sie für eine studentische Wohnanlage in Aachen, die sie als hofseitigen Annex eines Bestandsbaus in einer Wohnanlage mit Blockrandbebauung konzipierten. Einfachheit und Nachhaltigkeit waren die beiden Kriterien der Ausschreibung gewesen, die die Preisträger, wie Bauministerin Ina Scharrenbach bei der Preisverleihung betonte, „mit Bravour“ gelöst haben. Oft dienen, erzählen sie, kleinere Werkstudien als Test für die Übertragbarkeit in andere Maßstäbe. Eines der Projektbeispiele, die den Ansatz des Büros verdeutlichen, liegt direkt in der Nachbarschaft. Hier ging es – Thema Nachverdichtung in der Großstadt – um die zeitsparende, in nur zehn Tagen erfolgte Schließung einer Baulücke und die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum. Die Lösung bestand im Konzept eines dreistöckigen Wohnhauses, das aus vorgefertigten und wiederverwendbaren Holzmodulen besteht und als Fundament statt einer aufwendigen Betonbodenplatte pfahlgegründete Streifenfundamente aus Beton besitzt. „Wir suchen immer die sparsame und einfache konstruktive Lösung, die komplexe Haustechnik möglichst vermeidet“, so Jakob Dürr, „nicht die materialintensive.“ 

Holz spielt in ihren Entwürfen häufig eine Hauptrolle, nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeiten der Vorfertigung: Die Montage ist gewissermaßen Teil ihrer Entwürfe, doch sehen die beiden sich nicht als ideologisch festgelegte Vertreter der reinen Holzlehre. Ihre Entwurfslösungen sind, könnte man ergänzen, solche, die sich bewusst auch als Antwort auf aktuelle bau- bzw. architekturpolitische Probleme verstehen. 

Auch bei einem zweiten Beispiel handelte es sich um eine Art Nachverdichtung, die als Holzbau ausgeführt wurde. Bei dem Wohnhaus in Aachen ging es um die Erweiterung einer Doppelhaushälfte in der Variante einer „adaptiv-flexiblen Gebäudestruktur“, die für das „Altern“ gewappnet ist. Will sagen, auf der Rückseite des Bestandsbaus hebt nun ein Holzskelett eine autarke Wohneinheit über die Gartenebene. Barrierefrei, sowohl horizontal als auch vertikal teilbar, entstand ein separater, nicht gedämmter und insofern sparsamer Garten- oder Atelierraum für unterschiedliche Nutzungen. Dahinter stehen Überlegungen zu Wohnraumbedarfen, zu Nutzungsvarianten und zu Platzfragen. Überblickt man den Ansatz und die heutigen Notwendigkeiten eines kostengünstigen und einfachen Bauens, so dürften die Chancen für das Büro nicht schlecht sein. 

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Dreigeschossiger Anbau mit Balkonen und Holz-Stahl-Konstruktion in einem begrünten Innenhof
Die modulare Nachverdichtung in Köln wurde von der Architektenkammer NRW und dem NRW-Bauministerium als eines von 25 Objekten mit der „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in NRW 2025“ gewürdigt.
© Luca Claussen

Das Studio

Aretz Dürr Architektur wurde 2019 von Sven Aretz (* 1988) und Jakob Dürr (* 1980) in Köln gegründet. Das Büro wirkt als konstruktives Labor, in dem Impulse aus Praxis, Lehre und Forschung kontinuierlich miteinander verschmelzen. Einfachheit, Angemessenheit und Dauerhaftigkeit begegnen einem respektvollen Umgang mit Natur, Bestand und Baukultur. Seit 2025 leiten Sven Aretz und Jakob Dürr gemeinsam das Fachgebiet Entwerfen und industrielle Methoden der Hochbaukonstruktion an der TU Darmstadt. 

aretzduerr.de


Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für Nordrhein-Westfalen.

© privat

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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