Anerkannt in Brandenburg: Zirkuläres Bauen im Bestand
Zwei Anerkennungen im Brandenburgischen Baukulturpreis zeigen, wie ressourcenschonender Weiterbau gelingt – ein Feldsteinhaus und eine verbreiterte Stabbogenbrücke.
Zum Schwerpunktthema „Kreislaufwirtschaft – In Kreisläufen denken, nachhaltiger bauen“ stellt die Architektenkammer Brandenburg zwei Projekte vor, die im Rahmen des Brandenburgischen Baukulturpreises 2025 mit Anerkennungen ausgezeichnet wurden. Beide zeigen auf unterschiedliche Weise, welches Potenzial in der Weiterverwendung und intelligenten Transformation bestehender Bausubstanz steckt.
1. Vom verfallenen Kuhstall zum Wohnhaus: Das Feldsteinhaus Uckermark
Nicht jeder Stall in Brandenburg ist ein Denkmal und dennoch steckt in den meisten viel Potenzial für eine nachhaltige und respektvolle Weiternutzung. Das Wohngebäude „Feldsteinhaus Uckermark“ (Gerswalde) entstand aus der Überformung eines halb verfallenen Kuhstalls. Der verbliebene Feldsteinbestand der Außenmauern wurde durch recycelte Ziegel steinsichtig ergänzt. Dabei wurde bewusst vermieden, den sich ergebenden irregulären Materialmix der Außenhülle – insbesondere an den Giebelseiten – zu verbergen.
Selbstbewusst inszenieren die Architektinnen und Architekten das Bruchstückhafte des partiellen Wiederaufbaus. Das große Oberlicht auf dem First des neu errichteten Dachs macht neugierig auf das Innere. Hier zeigt sich das überraschend moderne Gesicht des Gebäudes. Ein zentraler, tragender Betonkern im Erdgeschoss erschließt und organisiert zusammen mit der abgesetzten Holzfachwerkkonstruktion des Obergeschosses den neu interpretierten Innenraum.
Ein zeitgemäßer Wärmeschutz wurde durch eine Innendämmung der Massivbauteile zusammen mit der hochgedämmten Dachkonstruktion erreicht. Flächenheizungen in Wand- und Bodenbereichen schaffen eine großzügige und ungestörte Optik der Innenoberflächen. Durch die funktionale Trennung von Alt und Neu konnten Zwangspunkte und etwaige statisch erforderliche Verbindungen zwischen dem restaurierten Feldsteinbestand und der Neukonstruktion vermieden werden.
Würdigung der Jury
Die Jury bezeichnete das Objekt als „Kleinod der Bauerhaltung“, denn die Eigentümer haben sich der herausfordernden Planungsaufgabe aus eigenem Antrieb gestellt und sie gemeinsam mit ihren Architektinnen und Architekten respektvoll und kreativ gelöst. Im Sinne der Wettbewerbsauslobung würdigt die Jury die Idee einer Umnutzung zur Bestandserhaltung des nicht denkmalgeschützten, aber landschaftsprägenden Baus, die gelungene Kombination von Bestand und modernen Zutaten sowie die geschickte Konstruktion und den nachhaltigen Materialeinsatz bei der Rekonstruktion der Gebäudehülle.
Projektteam – Feldsteinhaus Uckermark
Projektteam – Feldsteinhaus Uckermark
Anerkennung im Rahmen des Brandenburgischen Baukulturpreises 2025
Kategorie: Ländliches Bauen im Bestand
Ort: 17268, Gerswalde (Uckermark, Brandenburg)
Architektur: Katharina Löser (Löser Lott Architekten) und Daniel Groß, Berlin
Bauherr: privat
Fotografien: Katharina Löser und Daniel Groß
2. Ressourcenschonender Weiterbau statt Abriss: Die Kuhdammbrücke Wustermark
Weit mehr als erwartet und durchaus erfreulich hat sich das Güterverkehrszentrum Wustermark in den letzten Jahren entwickelt. Doch dass die erst 2015 errichtete Kuhdammbrücke über den Havelkanal dem rasch zunehmenden Lkw-Verkehr schon bald nicht mehr genügen würde – damit hatte man nicht gerechnet. Die Stabbogenbrücke war ursprünglich lediglich für eine Spur mit 4,50 m Breite ausgelegt. Nun war eine zweispurige Brücke mit einer Fahrbahnbreite von 8,00 m unausweichlich geworden.
Die übliche Antwort wäre ein Ersatzneubau gewesen. Nach intensiven Variantenstudien entschied sich die Gemeinde Wustermark stattdessen für eine zunächst als nicht realisierbar erscheinende Lösung: Die 78 m lange Fahrbahnkonstruktion wurde in der Mitte aufgetrennt und um einen 3,50 m breiten Hohlkasten erweitert. Ergänzend verstärkten die Ingenieure die nun höher beanspruchten Bögen durch aufgeschweißte Laschen.
Eine sorgfältige Planung des komplexen und mit zahlreichen Herausforderungen verbundenen Bauablaufs sicherte in enger Kooperation aller Projektbeteiligten die erfolgreiche Umsetzung. Nahezu vollständig ließ sich die vorhandene Bausubstanz weiterverwenden; lediglich 160 t Stahl und 520 cbm Beton für die Verbreiterung der Uferpfeiler kamen hinzu. Der Verzicht auf einen Neubau senkte nicht nur den Ressourcenverbrauch radikal, sondern erwies sich auch als die preiswerteste Variante.
Würdigung der Jury
Die Kuhdammbrücke demonstriert eindrücklich, wie sich das Konzept nachhaltigen Weiterbauens auch im Bereich des Brückenbaus und der Infrastruktur umsetzen lässt. Die Jury des Brandenburgischen Baukulturpreises 2025 würdigt diesen gleichermaßen mutigen wie engagierten Ansatz einer neuen, nachhaltigen Infrastrukturentwicklung mit einem Sonderpreis.
Projektteam – Umbau der Kuhdammbrücke
Projektteam – Umbau der Kuhdammbrücke
Anerkennung im Rahmen des Brandenburgischen Baukulturpreises 2025
Kategorie: Ländliches Bauen im Bestand
Ort: Kuhdammweg, 14641 Wustermark
Generalplanung: VIC Planen und Beraten GmbH, Potsdam
Prüfingenieur: Dr.-Ing. Andreas Arnold, Brandenburg an der Havel
Projektsteuerung: IPG Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft mbH, Potsdam
Bauherrin: Gemeinde Wustermark
Fotografien: VIC Planen und Beraten GmbH
Beide Projekte zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Weiterbauen besteht – im ländlichen Wohnungsbestand ebenso wie in der Infrastruktur. Statt Abriss und Neukonstruktion setzen sie auf die qualitätsvolle Transformation vorhandener Strukturen. Durch den respektvollen Umgang mit Materialien, die intelligente konstruktive Weiterentwicklung und die sorgfältige Planung entstehen Lösungen, die sowohl gestalterisch als auch ökologisch überzeugen. Das Feldsteinhaus Uckermark und der Umbau der Kuhdammbrücke verdeutlichen, dass Kreislaufwirtschaft im Bauwesen nicht nur möglich, sondern ein zukunftsweisender Weg ist, um Landschaft, Ressourcen und Identität zu bewahren.
Mehr Informationen über den Preis: https://www.ak-brandenburg.de/baukultur/brandenburgischer-baukulturpreis/2025