„Wenn man ins Machen kommt, lernt man mehr“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie schafft man es auf dem Markt? Der Architekt Felix Brinkhege aus Bremen kam über überarbeitete Vorplanungen und Stiftungsprojekte im Ausland zu ersten Aufträgen.
Wie schafft man es auf dem Markt? Der Schritt in die Selbstständigkeit ist mit Hürden verbunden.
Wer als junger Architekt nach spannender Arbeit sucht, wird schneller desillusioniert, als man „Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge“ und „nichtoffenes zweistufiges Vergabeverfahren“ sagen kann. Als ich mich bei den Auslobern eines Wettbewerbs für den Bau einer kleinen Feuerwache nach Details erkundigte, riet man mir: „Lassen Sie es lieber. Alle Registrierten sollten fünf oder mehr Wachen im Portfolio nachweisen.“ Ich bin überzeugt, dass wer immer seine sechste Wache baut, ohne sich junger energischer Konkurrenz auszusetzen, schnell in Versuchung gerät, alte Pläne zu recyceln. Wozu das führt, ist an vielen jüngeren öffentlichen Gebäuden zu besichtigen: Trotz aufwendiger Vergabeverfahren dominiert ein monotoner Industriestandard, der Sicherheit und Berechenbarkeit suggeriert.
Ich möchte junge Architekten ermutigen, frech zu sein und „über Bande zu spielen“. Die Aufträge für meine ersten beiden Projekte ergaben sich, weil ich den Kunden anbot, ihre bereits von etablierten Architekten ausgeführte Vorplanung innerhalb einer Woche zu überarbeiten und dann zu entscheiden, mit wem sie weitermachen wollen. Für die nächsten Projekte bin ich ins Ausland gegangen, wo es oft einfacher ist, an Aufträge mit einer gewissen Komplexität zu gelangen. Dort habe ich für Stiftungen gearbeitet, selbst Spenden gesammelt, die Logistik organisiert – alles mit dem Ziel, ein Portfolio aufzubauen, mit dem es irgendwann auch in Deutschland leichter ist, einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wenn man ins Machen kommt, lernt man mehr.
Fazit
Das Wissen über und die bloße Befriedigung von bestehenden Regeln wird bald so stark automatisiert werden, dass es immer schwerer sein wird, sie zu vermarkten. Die Kreativität, Projekte und deren Rahmenbedingungen initial mitzugestalten und damit teils erst zu ermöglichen, wird daher in der Zukunft vielleicht ebenso viel wert sein wie das Bauwerk selbst. Frei nach Hartmut Rosa: Ein bewusst irregulärer Karrierelauf mit außerplanmäßigen Situationen verleiht mehr Selbstwirksamkeit und letztlich Durchsetzungsvermögen als das reine Abarbeiten an starren Konstellationen des hiesigen Berufes.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Bremen, Niedersachsen.
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