Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

„Europa ist nicht das Problem – sondern Teil der Lösung.“

Macht die EU die Planungswettbewerbe kaputt? Der Hauptreferent der Architektenkammer Niedersachsen Andreas Rauterberg zieht Schlüsse aus einer Konferenz in Brüssel.

Poträt eines Mannes mit Brille
© Andrea Seifert

Andreas Rauterberg

Hauptreferent der Architektenkammer Niedersachsen

Andreas Rauterberg ist Architekt und verantwortet als Hauptreferent der Architektenkammer Niedersachsen unter anderem den Bereich Wettbewerb und Vergabe. Er hat in dieser Funktion in über 25 Jahren rund 700 Planungswettbewerbe beraten und begleitet.  

15.05.2026 5min

Gerne wird das Stichwort Europa mit dem Sargnagel für den deutschen Planungswettbewerb gleichgesetzt, ist doch seit Etablierung des europäischen Vergaberechts nichts mehr wie in den guten alten Zeiten: Verbot der regionalen Zulassungsbereiche und Gebot zur europaweiten Bekanntmachung haben den offenen Wettbewerb weitestgehend unmöglich gemacht, und in der Folge haben überzogene und mitunter absurde Auswahlkriterien bei nicht offenen Wettbewerben dazu geführt, dass der Kreis der Büros, die sich beteiligen können, enger und enger wird. All das ist vielfach beschrieben und bekannt.

Aber viel zu selten geht der Blick über die Grenzen zu unseren europäischen Nachbarn, und viel zu selten wird hinterfragt, welche Perspektiven und Probleme sich dort ergeben. Spannend war insofern eine große Konferenz zu Planungswettbewerben, die am 23. April 2026 in Brüssel stattgefunden hat und mit der zugleich der erfolgreiche Abschluss des europäischen ArchE-Projekts markiert wurde

Was ist das ArchE-Projekt?

Das ArchE-Projekt (Architecture Competitions in Europe) war ein dreijähriges europäisches Forschungs- und Austauschprojekt zu Planungswettbewerben. Es untersuchte nationale Wettbewerbssysteme in über 20 Ländern und verglich Strukturen, Verfahren und Rahmenbedingungen. Ziel war die Sammlung und Auswertung von Daten und Erfahrungen zur Weiterentwicklung des Wettbewerbswesens in Europa. Koordiniert wurde das Projekt vom Architects’ Council of Europe (ACE).

https://ace-cae.eu/de/

Die Konferenz, die vom ACE organisiert wurde, bot eine Plattform für die Präsentation von europaweiten Ergebnissen des dreijährigen ArchE-Projektes. Schon der Tagungsort war bewusst und geschickt gewählt: 200 Teilnehmende vor Ort konnten sich gleich als Erstes von Architekt John Caruso (Caruso St John Architects) in das Praxisbeispiel eines vorbildlichen Wettbewerbsprojektes im Bestand einführen lassen: Denn mit dem Brüsseler Konferenzzentrum „The Mix“ ist eine spektakuläre und nachhaltige Revitalisierung eines Bürogebäudes aus den späten 60er-Jahren gelungen. 

ANZEIGE
ANZEIGE
Großer moderner Bau mit rostfarbenem Fassadenraster über einem verglasten Sockel, umgeben von Wasser; Weg und Café‑Terrasse mit Schirmen.
Tagungsort „The Mix“ Brüssel: Die Transformation eines Bürogebäudes aus den späten 1960er-Jahren zeigt die behutsame Weiterentwicklung im Bestand durch Caruso St John Architects, die das Ensemble zu einem zeitgemäßen Ort für Arbeit und Austausch umgestaltet haben. © Tomix Pix 2025

Wie das Wettbewerbswesen europäisch gedacht werden kann

Das ArchE-Projekt hatte zum Ziel, die Qualität und Transparenz von Architekturwettbewerben in Europa zu verbessern und eine nachhaltige Wettbewerbslandschaft zu fördern. In den vergangenen Jahren wurden in diesem Rahmen die Wettbewerbslandschaften in mehreren beteiligten Ländern untersucht. Und siehe da, die Fragen des Zugangs für insbesondere kleinere und junge Büros, aber auch Gender- und Nachhaltigkeitsaspekte treiben unsere Nachbarn gleichermaßen um. Gleichzeitig wurde klar, dass für Büros in kleineren Ländern der Blick über die Grenzen essenziell ist, um über Krisensituationen hinwegzukommen, ohne Kompetenzen und Routinen der Wettbewerbsbearbeitung zu verlieren. Dies ist ein Aspekt, der durchaus für eine europaweite Öffnung der Verfahren spricht und auch für deutsche Büros relevant werden könnte. Ob deswegen die durchgängige Umstellung auf die Wettbewerbssprache Englisch Sinn macht, sei dahingestellt. Über 20 europäische Länder waren in das Projekt eingebunden, und die gesammelten Daten und Erfahrungsberichte liefern nun wertvolle Erkenntnisse und können dabei helfen, das System des Planungswettbewerbs für die Zukunft weiterzuentwickeln. 

Die Vorstellung von Best-Practice-Beispielen aus verschiedenen Ländern zeigte indes wieder einmal, dass das Verständnis dessen, was einen guten Wettbewerb ausmacht, was überhaupt ein Wettbewerb ist, mitunter abweichen kann. Da wurden auch mal Totalübernehmerverfahren mit wettbewerbsähnlichen Elementen vorgestellt, die aus deutscher berufspolitischer Perspektive eher Stirnrunzeln hervorrufen würden. Die Vielfalt Europas zeigt sich eben auch auf dieser Ebene. Ob sie als gegeben hingenommen oder einer Harmonisierung unterworfen werden sollte, da beginnen die spannenden Diskussionen. 

Wettbewerbe zahlen sich aus – baukulturell und monetär.

Andreas Rauterberg

Hauptreferent der AKNDS

Grundsätze eines europäischen Wettbewerbswesens

Bemerkenswert insofern, dass der ACE Eckpunkte zu Wettbewerben formuliert hat, die sich weitgehend mit der deutschen Richtlinie für Planungswettbewerbe RPW decken. Die Empfehlungen gehen also durchaus in die Richtung, die Grundsätze und Standards für Wettbewerbe zu präzisieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass auch kleinere Architekturbüros und neue Talente Zugang zu Wettbewerben haben. Um in diesem Sinne überhaupt mehr Wettbewerbe zu generieren – eine Forderung, die sich durch die Statements aller Beteiligten zog –, ist die Angemessenheit des Verfahrensaufwands ein wichtiger Aspekt. Spannend waren in diesem Zusammenhang Beiträge über breit angelegte italienische und österreichische Studien zur Wirtschaftlichkeit von Planungswettbewerben, die eindrucksvoll belegen, dass das Klischee des langwierigen und teuren Verfahrens – einschließlich seiner gebauten Ergebnisse – nicht stimmt und dass sich im Gegenteil ein Wettbewerb nicht nur baukulturell, sondern auch monetär auszahlt. Ergebnisse, die im Übrigen methodisch direkt auf Deutschland übertragbar sein dürften. 

Das Schlusswort des EU-Kulturkommissars

Den Abschluss der Konferenz bildete das Schlusswort von EU-Kulturkommissar Glenn Micallef. Dass er im Kontext der Veranstaltung die Bedeutung von Wettbewerben als Instrumente für die kulturelle Entwicklung Europas betonte, mag nicht überraschen. Dass er mit einer Architektin verheiratet ist und über Insiderwissen des Berufsstandes verfügt, schon eher – und es lässt vielleicht hoffen, dass berufsständische Interessen auf EU-Ebene nicht auf völlig verlorenem Posten stehen. 

Mit der ACE-Wettbewerbskonferenz in Brüssel und dem Abschluss des ArchE-Projekts ist ein Akzent gesetzt worden. Die Entwicklung der Wettbewerbslandschaft in Europa bleibt ein Thema, der Wettbewerb ist keineswegs abgeschrieben. Das ArchE-Netzwerk und die Ergebnisse des Projektes werden auf die Website des ACE überführt und insofern verstetigt. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Europäische Union-Flagge mit gelben Sternen auf blauem Hintergrund.

Neues aus Brüssel: Erster EU-Plan für bezahlbaren Wohnraum

Die EU-Kommission will den Bau beschleunigen, Investitionen mobilisieren und die Kommunen stärker unterstützen.

Meldungen Bundesweit
05.01.2026
Nahaufnahme der wehenden Europaflagge; leuchtend blaues Tuch mit einem Kreis aus zwölf gelben fünfzackigen Sternen, Falten und Bewegung der Stoffbahn sichtbar, unscharfer Gebäudefronthintergrund.

Neues aus Brüssel: Europarechtlicher Hintergrund zum KI-Kodex

Der EU AI Act ermöglicht Berufsverbänden die Erstellung eigener KI-Verhaltenskodizes – die Bundesarchitektenkammer macht davon Gebrauch.

Berufspolitik Bundesweit
13.04.2026
Person präsentiert städtebauliche Entwürfe; zeigt auf große Wandpläne mit Lageplänen und Grundrissen, hält ein Heft; im Vordergrund ein weißes Architekturmodell mit gelben Bäumen auf einem Tisch.

Architekturwettbewerbe in Bayern: sinkende Zahlen, aber unverzichtbar

Die Attraktivität von Architekturwettbewerben nimmt ab. Das zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres. Ihre Relevanz steht jedoch außer Frage.  

26.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.