„Nachwuchs ist kein Randthema!“
Kammerkommentar: Junge Planende entscheiden schon heute mit, wie gebaut wird. Katja Domschky, Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, holt sie in die Kammerarbeit.
Wer über Nachwuchs redet, denkt oft an die Zukunft. Falsch. Nachwuchs ist Gegenwart. Die jungen Kolleginnen und Kollegen, die heute an den Hochschulen studieren oder gerade ihr erstes Büro gründen, entscheiden schon jetzt mit, wie wir bauen, planen, denken. Wer sie nur als „die von morgen“ behandelt, hat sie heute schon verloren.Deshalb haben wir als Kammer nachgelegt. Auf der Klausurtagung unseres Kammervorstands im Frühjahr waren Mitgliedernähe und Nachwuchsförderung zwei Schwerpunkte; nicht als Randnotiz, sondern als strategische Priorität. Unser neuer Ausschuss „Junior-Mitglieder“ hat seine Arbeit aufgenommen. Unser Vorstand hat eine neue Veranstaltungsreihe „Digital Junior“ beschlossen, um künftig dort präsent zu sein, wo junge Kolleg:innen tatsächlich sind. Und die Stiftung Deutscher Architekten hat wieder Projekte zur Nachwuchsförderung auf den Weg gebracht. Das alles ist kein Zufall, sondern ein Gesamtkonzept zur Förderung und Motivierung des Nachwuchses. Es ist unsere Haltung.
Beim Bundestreffen von nexture+ in Wuppertal habe ich erlebt, wie viel Energie in dieser Generation steckt. Und wie wenig Geduld sie mit Strukturen hat, die – aus ihrer Sicht – eher verwalten als gestalten. Diese Ungeduld brauchen wir, um immer wieder frische Perspektiven einzubinden.
Gleichzeitig läuft eine überfällige Debatte: die über die Architektur-Curricula selbst. Wir führen sie mit den Hochschulen, in der Dekan:innenkonferenz, bei der „Summer School“ Mitte September an der Universität Siegen. Die Anforderungen an unseren Berufsstand wachsen. Wer nachhaltig bauen will, muss auch nachhaltig ausbilden. Die AKNW bringt sich aktiv in diese Diskurse ein, unter anderem mit ihrem „Dekan:innen-Dialog“. Gemeinsam müssen wir klären, was junge Planende heute lernen müssen, um in Zeiten multipler Krisen und des fortschreitenden Klimawandels angemessen und erfolgreich planen und bauen zu können.
Und noch etwas gehört zum Thema Nachwuchs, auch wenn es zunächst nicht danach klingt: der Anspruch, dass beim Planen und Bauen Teilhabe ermöglicht werden soll. Dass Architektur ein Beitrag zu einer demokratischen Gesellschaft ist, nicht nur zu ihrer Kulisse. Genau darum geht es bei KONTUR27. Unseren großen Architekturkongress, zu dem ich schon heute sehr herzlich für den 11.03.27 nach Düsseldorf einlade, kündigen wir in diesem Heft an. Wer die nächste Generation von Architektinnen und Architekten gewinnen will, muss ihr zeigen: Dieser Beruf gestaltet mit, wie wir zusammenleben.
Nachwuchsförderung heißt für mich nicht: Wir kümmern uns freundlich um die jungen Kolleg:innen. Es heißt: Wir nehmen sie ernst, ihre Fragen, ihre Ungeduld, ihren Anspruch. Das haben wir uns vorgenommen – und genau das machen wir: gemeinsam die Zukunft gestalten.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Nordrhein-Westfalen.
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