„Junge Köpfe, junge Ideen …“
Kammerkommentar: Was kommt nach dem Studium, wenn der Berufsalltag kaum Zeit lässt? Joachim Rind, Präsident der Architektenkammer Rheinland-Pfalz, zeigt Wege in die Selbstverwaltung.
Die Zukunft der Architektur liegt in den Händen des Nachwuchses. Junge Architektinnen und Architekten bringen frische Ideen und Perspektiven, neue Entwurfsmethoden sowie ein ausgeprägtes Bewusstsein für Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung mit. Doch gute Ideen allein reichen nicht aus – sie brauchen Räume, in denen sie gehört, diskutiert und weiterentwickelt werden können.
Während des Studiums bieten Hochschulen und Universitäten hierfür wichtige Foren. Im engen Austausch mit Lehrenden entwickelt sich die Haltung des Nachwuchses. Doch was passiert danach? Der Einstieg ins Berufsleben fordert oft volle Aufmerksamkeit – für Engagement bleibt dann häufig wenig Zeit und Energie, obwohl gerade die großen Zukunftsfragen der Branche dringend nach Beteiligung verlangen. Wie und wo kann man sich einbringen – für unsere gebaute Umwelt, für Baukultur und Klimaschutz, für zukunftsfähige Lösungen, integrierte städtebauliche Konzepte sowie für gute Rahmenbedingungen und faire Honorare?
Hier kommen die berufsständischen Organisationen und insbesondere die Architektenkammern ins Spiel. Mit der Juniormitgliedschaft gelingt der unkomplizierte Einstieg in Mitbestimmung und berufspolitisches Engagement. Darüber hinaus können sich junge Planerinnen und Planer auch für die Vertreterversammlungen aufstellen lassen und die Zukunft des Berufsstands aktiv mitgestalten. Jede neue Stimme ist herzlich willkommen!
Im Herbst steht in Rheinland-Pfalz die Wahl zur XI. Vertreterversammlung an. Alle Architektinnen, Stadtplaner, Landschafts- und Innenarchitektinnen sind nicht nur aufgerufen, ihre Stimme abzugeben, sondern auch selbst zu kandidieren – ganz besonders der Nachwuchs.
Unser Berufsstand organisiert sich selbst: Wir entscheiden, wer die geschützte Berufsbezeichnung tragen darf, verhandeln mit dem Gesetzgeber über die Honorarordnung und setzen uns für Baukultur, nachhaltiges Bauen und die Förderung des Nachwuchses ein. Zudem definieren wir eigenständig den Umfang der Fortbildungspflichten. Mit der Bauvorlageberechtigung verfügt unsere Berufsgruppe über eine zentrale Vorbehaltsaufgabe – umso wichtiger ist es, Verantwortung aktiv zu übernehmen.
Für die kommende Legislatur wünschen wir uns in Rheinland-Pfalz mehr junge Stimmen in den Gremien und insbesondere im Vorstand. Der Architekturnachwuchs soll stärker gehört werden und mehr Einfluss gewinnen. Denn nur, wenn junge Köpfe ihre Ideen mit aktivem Engagement verbinden, bleibt Architektur als Disziplin lebendig und relevant. Die Einladung steht: mitmachen, mitdenken und mitgestalten.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland.
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