Architekturwettbewerbe in Bayern: sinkende Zahlen, aber unverzichtbar
Die Attraktivität von Architekturwettbewerben nimmt ab. Das zeigt die Bilanz des vergangenen Jahres. Ihre Relevanz steht jedoch außer Frage.
Viele Büros beklagen den enormen Aufwand, der selbst bei einem ersten Preis oft nicht angemessen honoriert wird. Hunderte Stunden in einen Entwurf zu investieren, ohne zu wissen, ob er jemals zur Umsetzung kommt, erfordert Mut und großen Idealismus. Auch die Auslober:innen zögern. Wettbewerbe gelten als zeitaufwendig, die Entscheidungsgewalt liegt bei einer Jury, die Mitbestimmung ist mitunter begrenzt. Die Wirtschaftlichkeit solcher Projekte wird oft infrage gestellt. Dabei leisten Wettbewerbsprojekte nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Baukultur, sie sind häufig auch wirtschaftlicher als Vergleichsprojekte. Der Blick auf die Zahlen von 2025 lässt eine eindeutige Tendenz erkennen.
Zahlen und Fakten aus dem Jahr 2025
Im vergangenen Jahr wurden in Bayern 35 Wettbewerbe durchgeführt: 26 von öffentlichen, acht von privaten und einer von einem öffentlichprivaten Auslober. Sieben Verfahren lagen unterhalb der EU-Schwelle.
Auslobungsart: 25 nicht offen, neun Einladungswettbewerbe, einer offen.
Die Wettbewerbsinhalte:
Elf Verfahren: städtebauliche/grünordnerische Planung sowie Bauwerks- und Freianlagenplanung
Zehn Verfahren: Bauwerks- und Freianlagenplanung
Sieben Verfahren: rein städtebauliche/grünordnerische Aufgaben
Geografisch liegt Schwaben mit zehn Wettbewerben vorn. In der Oberpfalz gab es 2025 kein Verfahren, während München und Oberbayern zusammen zwölf Wettbewerbe verzeichneten. Der Großteil der Auslober waren Kommunen; der Freistaat selbst initiierte keine Wettbewerbsverfahren.
Wettbewerbe verbinden Baukultur und Wirtschaftlichkeit
Welche Alternativen gibt es, wenn Wettbewerbe nicht durchgeführt werden? Im Oberschwellenbereich ist eine Ausschreibung von Planungsleistungen gesetzlich vorgeschrieben. Ein Vergabeverfahren, das allein auf Referenzen und Leistungskonzepten basiert, birgt jedoch das Risiko, dass das Bauwerk nicht den Vorstellungen des Auftraggebers entspricht. Ein VgV-Verfahren mit Lösungsvorschlägen verursacht bei angemessener Honorierung höhere Kosten für die Auslobenden und bietet meist nur drei Entwurfslösungen – deutlich weniger als die zwölf bis 20 Entwürfe, die ein Architekturwettbewerb liefern kann. Trotz rückläufiger Zahlen bleiben Architekturwettbewerbe ein wichtiges Instrument. Sie fördern nicht nur kreative und vielfältige Lösungen, sondern sorgen auch dafür, dass Bauprojekte funktional und wirtschaftlich umgesetzt werden – ein Gewinn für Auftraggeber, Planungsbüros und die späteren Nutzer gleichermaßen.
Der Planungswettbewerb stellt nach wie vor die beste Lösung für viele Bauaufgaben dar. Er hat nur leider mit vielen Vorbehalten zu kämpfen, vor allem auf der Ausloberseite. Hier lohnen sich Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit, da Planungswettbewerbe einen wesentlichen Beitrag zur Qualität der Baukultur leisten.
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