Forum am Domshof zeigt Transformation zum Bildungscampus
Mit dem Bremer Forum am Domshof hat eine erst wenige Jahre alte Bankzentrale eine neue Bestimmung erhalten. Der neu eingezogene Universitätscampus zeigt auf, wie sich junge Bestandsgebäude intelligent weiternutzen lassen.
2016 wurde die neue Zentrale der Bremer Landesbank fertiggestellt. Nach der 2017 erfolgten Fusion mit der Norddeutschen Landesbank (NORD/LB) und der Aufgabe des Standorts 2023 hatte das Gebäude jedoch bereits nach kurzer Zeit seine ursprüngliche Funktion verloren. Mittlerweile ist der vielfach ausgezeichnete Bau zu einem universitären City-Campus umgenutzt worden, der auf rund 18.000 qm Seminarräume, Hörsäle, Büros, eine Bibliothek und eine Mensa beherbergt. Die Transformation erfolgte im Zusammenspiel von NORD/FM, der Immobilien- und Facility-Management-Gesellschaft der NORD/LB, Caruso St John Architects und dem Bremer Büro Architekten FSB.
Die Zentrale der Bremer Landesbank war seinerzeit als langfristiger Unternehmensstandort mit hohem architektonischem Anspruch konzipiert worden. Charakteristisch für den nach einem Entwurf des Londoner Büros Caruso St John Architects realisierten Bau ist vor allem die dunkel verklinkerte, plastisch ausgearbeitete Fassade, die die norddeutsche Backsteinarchitektur auf zeitgenössische Weise interpretiert. Ins Auge fallen vor allem die handwerklich gefertigten Ziegel, die sorgfältige Detaillierung sowie die sensible Einfügung des Gebäudes in den historischen Stadtraum. Zusätzlich zu diesen architektonischen Qualitäten war schon im Architekturwettbewerb von 2011 eine mögliche Drittverwendungsfähigkeit berücksichtigt worden, um so flexibel auf sich verändernde Flächenbedarfe reagieren zu können und das Risiko einer Fehlinvestition zu minimieren.
Neue Nutzung, keine neue Handschrift
Schon kurz nach der Aufgabe des Standorts hatte der Bremer Senat entschieden, das ehemalige Bankgebäude als neuen Standort für den Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Bremen anzumieten und damit eine neue Nutzungsperspektive zu schaffen. Anders als bei vielen Bestandsumnutzungen ging es dabei aber nicht um die Erneuerung eines in die Jahre gekommenen Bauwerks, sondern um die Weiterentwicklung eines noch jungen, weitgehend intakten Gebäudes.
Die konkrete Transformation war im Zuge der Mietvertragsverhandlungen zunächst von der NORD/FM vorbereitet worden. Das Unternehmen erstellte eigenständig die Belegungsplanung und den daraus abgeleiteten Vorentwurf und stimmte die vorgesehenen Anpassungen frühzeitig mit dem ursprünglichen Entwurfsverfasser Peter St John ab. Eine besondere Rolle spielte dabei die ehemalige Kassenhalle, die als zentraler Innenraum des ursprünglichen Entwurfs erhalten und zugleich zum Innenhof geöffnet werden sollte. Für die Anpassung wurde Caruso St John Architects mit der Entwicklung eines entsprechenden Konzepts beauftragt. Die Umsetzung der neuen Belegungsplanung übernahm anschließend das Bremer Büro Architekten FSB, dessen Partner Michael Frenz die Bremer Landesbank bereits beim Architektenwettbewerb begleitet hatte und daher mit den planerischen Grundlagen des Gebäudes vertraut war.
Bestand als Ressource genutzt
Die Transformation des Gebäudes ist dementsprechend das Ergebnis eines Zusammenspiels verschiedener Akteure. Ziel war es, die architektonische Identität des Gebäudes mit seinen vorhandenen Qualitäten weitgehend zu bewahren und gleichzeitig die Anforderungen einer modernen Bildungsnutzung umzusetzen. Statt grundlegender Eingriffe ging es deshalb eher um eine behutsame Anpassung der bestehenden Strukturen. Vorhandene Baumaterialien wurden zu großen Teilen weiterverwendet beziehungsweise angepasst, wodurch der Materialeinsatz reduziert werden konnte.
Die räumliche Großzügigkeit, die hochwertige Ausstattung und die robuste Grundstruktur erwiesen sich dabei als wichtige Voraussetzungen für die neue Nutzung. Besonders deutlich wird dies in der ehemaligen Kassenhalle, die heute das Zentrum des neuen Campus bildet. Die Umgestaltung des zweigeschossigen Raumes erfolgte mit minimalen baulichen Eingriffen. Holzvertäfelungen, Natursteinböden und Einbauten sind erhalten geblieben und prägen weiterhin die Atmosphäre. Als Forum und Aufenthaltsbereich für Studierende steht die Halle zugleich für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung.
Auch die weiteren Geschosse wurden mit vergleichsweise geringen Eingriffen angepasst. Im ersten Obergeschoss befindet sich inzwischen das Juridicum, die juristische Bereichsbibliothek der Staats- und Universitätsbibliothek mit rund 100.000 Fachbüchern. Darüber liegen Seminar- und Vorlesungsräume unterschiedlicher Größe sowie Büros und Konferenzbereiche. Die ehemalige Kantine im sechsten Obergeschoss wurde zur Mensa.
Dauerhaftigkeit durch Wandlungsfähigkeit
Der Umbau der ehemaligen Bremer Landesbank am Domshof verweist auf eine Entwicklung, die künftig deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte: Gebäude müssen heute flexibel auf veränderte gesellschaftliche und wirtschaftliche Anforderungen reagieren können. Echte Nachhaltigkeit geht damit weit über Energieeffizienz oder das Recycling einzelner Baumaterialien hinaus. Sie fordert zusätzlich auch den Anspruch, bestehende Strukturen sowie ihre räumlichen und materiellen Qualitäten langfristig nutzbar zu halten. Beim Forum am Domshof wurde diese Drittverwendungsfähigkeit strategisch klug schon im ursprünglichen Architekturwettbewerb mitgedacht. Das Projekt steht damit beispielhaft für eine Architektur, deren Dauerhaftigkeit sich nicht allein aus der Beständigkeit ihrer Nutzung ergibt, sondern auch aus ihrer Fähigkeit zur Veränderung.
Projektdaten
Umbau der Bremer Landesbank zu einem Universitätscampus
Projektdaten
Umbau der Bremer Landesbank zu einem Universitätscampus
Ort: Bremen, Altstadt
Bauherr: BLB Immobilien Gruppe
Architektur: Architekten FSB
BGF: 24.790 qm
Realisierung: 2024
Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der Website des Architekturbüros.
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