Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Suffizienz als Ressourcenstrategie: Beachhalle in Heidelberg

Nicht alles sanieren, sondern nur das, was wirklich nötig ist: Die Beachhalle in Heidelberg zeigt, wie eine denkmalgeschützte Halle mit minimalen Eingriffen eine neue Zukunft erhält.

DAB Redaktion
09.07.2026 3min
Weiterbauen Bestand Baden-Württemberg
Sandhalle mit Volleyballfeld unter Holzdachkonstruktion
Die Beachhalle ist Teil der Konversion des ehemaligen US-Hospital-Geländes. Der behutsame Umbau von AAG Architekten verbindet den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes mit einer neuen öffentlichen Nutzung als Sport- und Begegnungsort. © Thilo Ross

Auf dem ehemaligen Militärhospital im Heidelberger Süden wird seit Jahren gebaut. Wohnungen, Infrastruktur, öffentliche Einrichtungen – ein klassisches Konversionsareal, geprägt von großem Entwicklungsdruck. Inmitten des neuen Stadtteils steht eine alte Halle. Sie verfügt über einen hohen, gut belichteten Raum und eine robuste Konstruktion. Zunächst wurde sie als Reithalle genutzt, später als Sporthalle der US-Armee. Ein Gebäude, das nach heutigen Maßstäben vieles nicht erfüllt – und genau deshalb zum Exempel wird.

Denn hier geht es weniger darum, wie man diese Halle auf ein zeitgemäßes Niveau bringen könnte, als vielmehr darum, ob das überhaupt sinnvoll ist. Ein Abriss stand ebenso wenig zur Debatte wie eine energetische Vollsanierung. Auch die Anpassung an gängige Standards wird nicht angestrebt. Stattdessen bleibt der Raum in Zukunft, was er ist: eine Kalthalle. Sie wird künftig als Beachsporthalle genutzt – für Volleyball, Soccer und Handball. Ein Nutzungskonzept, das sich dem Bestand anpasst – und nicht umgekehrt. Nicht die Sportfunktion macht dieses Projekt exemplarisch, sondern die vorgelagerte Entscheidung: Fläche wird hier als Ressource verstanden, die begrenzt ist und deshalb nicht maximiert werden muss. Die notwendige Infrastruktur – Umkleiden, Duschen, Technik – wandert in eigens dafür angeschaffte Überseecontainer, damit der historische Baukörper mit dem besonderen Dachtragwerk weitgehend unberührt bleiben kann.

ANZEIGE
ANZEIGE
Große leere Sporthalle mit Holzboden und hohen Fenstern
Die denkmalgeschützte, ehemalige Reithalle vor ihrer Umnutzung. Erhalten wurden die historische Gebäudehülle und das prägende Holzbindertragwerk. © Thilo Ross
Symmetrische Ansicht einer Indoor-Sandhalle mit Volleyballnetz
Statt einer klassischen Sporthalle entstand eine multifunktionale Beachhalle mit mehreren Spielfeldern. Der auf dem bestehenden Hallenboden aufgebrachte Sand ermöglicht die Nutzung für verschiedene Sandsportarten. © Thilo Ross
Detailansicht der Hallendecke mit Holzbalken und Oberlichtern
Die historische Holzbinderkonstruktion wurde sorgfältig saniert und bleibt als prägendes Element des Raumerlebnisses sichtbar. Neue Oberlichter sorgen zusätzlich für Tageslicht in der Halle. © Thilo Ross
Große, helle Halle mit hohen Fenstern und Sandboden
Die historische Holzbinderkonstruktion wurde sorgfältig saniert und bleibt als prägendes Element des Raumerlebnisses sichtbar. Neue Oberlichter sorgen zusätzlich für Tageslicht in der Halle. © Thilo Ross
Innenraum einer umgebauten Industriehalle mit Containern und Treppe
Umkleiden, Sanitärbereiche und Aufenthaltsräume wurden in gestapelten Seecontainern untergebracht. Die reversiblen Einbauten erfüllen die Anforderungen des Denkmalschutzes und können bei Bedarf wieder entfernt werden. © Thilo Ross
Innenraum einer Sandhalle mit Barbereich und Volleyballfeld
Umkleiden, Sanitärbereiche und Aufenthaltsräume wurden in gestapelten Seecontainern untergebracht. Die reversiblen Einbauten erfüllen die Anforderungen des Denkmalschutzes und können bei Bedarf wieder entfernt werden. © Thilo Ross
Innenansicht entlang großer Fensterfront mit Sandboden
Historische Ziegelwände, Sprossenfenster und das Tragwerk prägen weiterhin den Charakter der ehemaligen Reithalle. Mobile Netzanlagen ermöglichen eine flexible Nutzung für Beachvolleyball und weitere Sandsportarten. © Thilo Ross

Giebelfassade eines Gebäudes mit symmetrischen Fenstern
Die schlichte Giebelfassade der ehemaligen Militärsporthalle blieb nahezu unverändert erhalten. © Thilo Ross

Suffizienz wurde als Entscheidung verstanden, nicht als Einschränkung. Voraussetzung dafür waren klare politische Rückendeckung und ein vorbereiteter Verwaltungsprozess. Die planerische Übersetzung blieb darauf bezogen. Die Stadt weicht von der Entscheidung nicht ab, obwohl sie dem üblichen Effizienzdenken widerspricht. Investiert wurde gezielt dort, wo es für den langfristigen Betrieb sinnvoll ist. Das denkmalgeschützte Dach wurde instandgesetzt und mit einer Photovoltaikanlage versehen, während der Hallenraum selbst unbeheizt und technisch zurückhaltend bleibt. Die Beachhalle macht sichtbar, was Ressourcenstrategie im Bestand heißen kann: nicht alles technisch aufzurüsten und stattdessen zuerst zu klären, was wirklich gebraucht wird. 

Umnutzung einer Reithalle zur Beachsporthalle

Ort: Heidelberg 
Bauherr: Stadt Heidelberg 
Architektur: AAg Architekten GmbH 
Fertigstellung: 2026

Weitere Informationen zum Architekturbüro: https://www.architekten-ag.de/

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Suffizienz als Ressourcenstrategie

Suffizienz wird im architektonischen Diskurs häufig als Verzicht gelesen. Im Gespräch mit Jürgen Odszuck, Architekt und Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg, zeigt sich Suffizienz als strategischer Umgang mit Ressourcen, der im Bestand ansetzt und bis in kommunale Entscheidungsprozesse hineinwirkt.

Baukultur Bundesweit
17.03.2026
Sechsgeschossiger Verwaltungsbau in hellem Putz; regelmäßige Fensterreihen, Rasen und Bäume davor; Eingang mit Flagge und Schild.

Nicht austauschen, ertüchtigen: Wie eine Innovationspartnerschaft neue Wege einer Re-Use-Lösung für Bestandsfenster eröffnet

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) erproben in Berlin ein ungewöhnliches Vergabeverfahren: Statt 500 Fenster auszutauschen, suchen sie per Innovationspartnerschaft nach Wegen, die vorhandene Substanz zu ertüchtigen. Ein Modell für andere Baumaßnahmen?

Bautechnik Bundesweit
24.02.2026
Fachwerkhäuser in der Altstadt von Oettingen, zwei Gebäude mit rotem Fachwerk und einem mittig beleuchteten Gebäude mit der Aufschrift ‚Krone‘.

Denk+mal+Architekten 2026

Die neue Staffel des beliebten Onlineformats aus Bayern startet

am 24. Februar. Immer dienstags von 17:00 bis 18:00 Uhr ohne Anmeldung kostenfrei reinschauen!

Meldungen Bayern
11.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.