Es war einmal
REAR Award: Neue Farbe und neue Möbel? Das reicht bei diesen Projekten des REAR Awards nicht. Sie sind geprägt von maximaler Transformation. Damit erhalten sie oft nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch komplett neue Funktionen. Aber wie genau kann das aussehen?
Wenn man von „damals“ spricht, werden oft Erinnerungen hochgeholt und alte Geschichten erzählt. Genau so kann es auch bei Architektur sein. Denn oft steckt hinter der Fassade eine ganze Historie.
Ewig her, doch wie neu
Begonnen hat bei dem h.e.i.z Haus alles vor fast 100 Jahren. Der Zweck von damals: die Wohnsiedlung mit Wärme zu versorgen. Genau dafür entstand inmitten einer Siedlung in Dresden ein Heizhaus. Dieses wurde über viele Jahrzehnte genutzt, bis es dann durch eine moderne Fernwärmestation im Keller ersetzt wurde. Das Erdgeschoss wurde frei. Die Suche nach einem neuen Mieter änderte dann die komplette Nutzung des Gebäudes.
Architektur für Architektur
Das Gebäude sollte neu besetzt werden. Das Problem: hoher Sanierungsaufwand und Denkmalschutz. Aber manchmal braucht es Einschränkungen, um etwas Neues zu schaffen. Entstanden ist ein Umbauprojekt, das Alt und Neu gleichermaßen bedient. Und das in Form eines Architekturbüros. Der Charakter des Industriegebiets blieb durch Materialien wie Rohestrich, Stahlfenster und Schichtholz, erhalten. Ergänzt wurde das Gebäude mit neuen Schichten. Sichtbar wird das nur durch Fugen, die diesen Zusammenschluss markieren – den Zusammenschluss zwischen Denkmalschutz und nachhaltigem Weiterbauen.
Projektinformation
Umbau ehemaliges Heizhaus zum Architekturbüro
Projektinformation
Umbau ehemaliges Heizhaus zum Architekturbüro
Ort: Dresden
Bauherr: h.e.i.z. Haus Architektur. Stadtplanung PmbB
Architektur: h.e.i.z. Haus Architektur. Stadtplanung PmbB
Typologie: Bürogebäude
Fertigstellung: 1994
Kategorie: REAR Award (Finalist)
Jederzeit Hofgang
In einem Strafvollzug übernachten und das freiwillig? Das hat der Umbau eines ehemaligen Gefängnisses im Basler Lohnhof zu einem Hotel möglich gemacht. Hier treffen jetzt die Strenge der Architektur mit einer neuen Offenheit zusammen. Geblieben von dem Strafvollzug sind die dicken Gemäuer, die niedrigen Türen mit massiven Blendrahmen und tiefgelegten Fenstern. Aber wie lässt sich daraus ein Ort des Wohlfühlens schaffen?
Farbe ist die Lösung
Die Architektur des Gefängnisses wurde neu gedacht: mit intensiven Farben und Offenheit. Eingebaut wurden schmale Loggienfenster, die sich bis auf den Boden erstrecken. Mit der Transformation kam auch eine neue Farbfolge: von gelb bis rot und von grün bis blau: Die Farben sind gegenläufig gesetzt, sodass jedes Zimmer mit zwei Farbtönen ausgestattet ist und damit seine eigene Stimmung transportiert. So wird die negative Konnotation durch die ursprüngliche Nutzung als Gefängnis durch neue Strukturen positiv verknüpft.
Projektinformation
Umbau eines Untersuchungsgefängnisses zu einem Hotel
Projektinformation
Umbau eines Untersuchungsgefängnisses zu einem Hotel
Ort: Basel
Bauherr: Stiftung Lohnhof
Architektur: Buol & Zünd Architekten BSA
Typologie: Hotel
Fertigstellung: 1999
Kategorie: REAR Award (Anerkennung)
Ungewöhnliche Aussicht
In dem Volta-Schulhaus gestaltet sich Schulunterricht etwas anders als gewöhnlich. Das liegt weniger an den Lerninhalten, sondern vielmehr an der Aussicht aus dem Fenster. Denn das Volta-Schulhaus befindet sich am Rand des Basler Industriegebiets, auf dem Areal des Fernheizkraftwerks. Um dieses in ein Schulhaus umzufunktionieren, wurde die vorhandene Baustruktur genutzt und daraus eine ganz spezifische Typologie entwickelt. So wurde die Kohlelagerhalle zur Turnhalle umfunktioniert. Die Schulräume fanden in den Räumlichkeiten des Fernheizkraftwerks ihren Platz. Beleuchtet werden die tiefgelegten Räumlichkeiten durch vier Innenhöfe, die durch Gassen und Plätze geprägt sind.
Gemütlich muss es werden
Damit das alte Fernheizkraftwerk tatsächlich als Schulhaus genutzt werden konnte, bedurfte es einer Vielzahl an Anpassungen. Um das Gebäude für den zeitgemäßen Schulbetrieb umzufunktionieren, wurde das Gebäude unter anderem mit IT-Infrastruktur und LED-Beleuchtung sowie mit Einrichtungen/Ausrüstungen für Brandschutz und Erdbebensicherheit Erdbebensicherheit, Brandschutz und Leuchtumrüstungen auf LED ausgestattet. Zudem haben Fenster mit integriertem Sonnenschutz, perlmuttschimmernde Wandverkleidungen und eine neue Tragstruktur ihren Platz im Schulhaus gefunden.
Projektinformation
Schulhaus Volta, Basel
Projektinformation
Schulhaus Volta, Basel
Ort: Basel
Bauherr: Baudepartment des Kantons Basel-Stadt
Architektur: Miller & Maranta
Typologie: Schulhaus Fertigstellung: 2000
Kategorie: REAR Award Transformation
Wo Alt und Neu zusammentreffen
Das Projekt bringt auf elegante Art moderne Architektursprache mit altem Bestand zusammen. In Leipzig wurde eine gründerzeitliche Bürgervilla in eine Galerie für Zeitgenössische Kunst verwandelt. Räumlich mussten die benötigten Funktionsbereiche in die Herfurth’sche Villa integriert und die technischen Anforderungen an ein Museum erfüllt werden. Dabei wurde spezifisch darauf geachtet, das Gebäude so ursprünglich wie möglich beizubehalten.
Wie es sich fügte
Da wo sich früher im Eingangsbereich ein baufälliger Säulenportikus befand, wurde jetzt ein neues Foyer geschaffen. Auch Treppen wurden ersetzt, zweigeschossige Raumaufteilungen durch halbtransparente Elemente ausgetauscht und da, wo vorher ein Speisesaal war, wird jetzt ein Rundgang durch ganz Gebäude ermöglicht. Das Zentrum der Galerie bildet dafür das sogenannte Laboratorium. Alles fügt sich zusammen. Eine klare Aufspaltung erlebt man jedoch durch den Lichthof. Dieser stellt einen nicht betretbaren Außenraum in der Gebäudemitte dar, welcher einen eigenen Innenraum bildet.
Projektinformation
GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst
Projektinformation
GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst
Ort: Leipzig
Bauherr: Förderkreis der Galerie für Zeitgenössische Kunst
Architektur: Peter Kulka Architektur GmbH
Typologie: Museum
Fertigstellung: 1998
Kategorie: REAR Award
Über den REAR Award
Über den REAR Award
Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren – angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg besteht, aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.
Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.
Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.
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