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Es war einmal

REAR Award: Neue Farbe und neue Möbel? Das reicht bei diesen Projekten des REAR Awards nicht. Sie sind geprägt von maximaler Transformation. Damit erhalten sie oft nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch komplett neue Funktionen. Aber wie genau kann das aussehen?

Laura Pollmann
20.08.2026 2min
Collage aus vier Bildern
Diese Projekte haben eins gemeinsam: Sie hatten mal eine andere Funktion. Heute sind sie mit neuem Leben gefüllt.
© 1. ohne Angabe/REAR Award; 2. Ruedi Walti Basel/REAR Award; 3. h.e.i.z. Haus Architektur. Stadtplanung PmbB/REAR Award; 4. Georg Aerni/REAR Award

Wenn man von „damals“ spricht, werden oft Erinnerungen hochgeholt und alte Geschichten erzählt. Genau so kann es auch bei Architektur sein. Denn oft steckt hinter der Fassade eine ganze Historie. 

Modernisiertes Gebäude mit geschwungenem Dach und vorgelagerter Terrasse.
Das Heizhaus, das nach seiner Transformation in neuem Aussehen erstrahlt
© Klaus Gigga/REAR Award

Ewig her, doch wie neu 

Begonnen hat bei dem h.e.i.z Haus alles vor fast 100 Jahren. Der Zweck von damals: die Wohnsiedlung mit Wärme zu versorgen. Genau dafür entstand inmitten einer Siedlung in Dresden ein Heizhaus. Dieses wurde über viele Jahrzehnte genutzt, bis es dann durch eine moderne Fernwärmestation im Keller ersetzt wurde. Das Erdgeschoss wurde frei. Die Suche nach einem neuen Mieter änderte dann die komplette Nutzung des Gebäudes.

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Architektur für Architektur

Das Gebäude sollte neu besetzt werden. Das Problem: hoher Sanierungsaufwand und Denkmalschutz. Aber manchmal braucht es Einschränkungen, um etwas Neues zu schaffen. Entstanden ist ein Umbauprojekt, das Alt und Neu gleichermaßen bedient. Und das in Form eines Architekturbüros. Der Charakter des Industriegebiets blieb durch Materialien wie Rohestrich, Stahlfenster und Schichtholz, erhalten. Ergänzt wurde das Gebäude mit neuen Schichten. Sichtbar wird das nur durch Fugen, die diesen Zusammenschluss markieren – den Zusammenschluss zwischen Denkmalschutz und nachhaltigem Weiterbauen.  

Heller Büroraum mit Arbeitsplätzen, Bücherregalen und großen Fenstern.
Das Architekturbüro, das im Heizhaus seinen Platz gefunden hat
© Klaus Gigga/REAR Award

Projektinformation

Umbau ehemaliges Heizhaus zum Architekturbüro

Ort: Dresden
Bauherr: h.e.i.z. Haus Architektur. Stadtplanung PmbB
Architektur: h.e.i.z. Haus Architektur. Stadtplanung PmbB
Typologie: Bürogebäude
Fertigstellung: 1994
Kategorie: REAR Award (Finalist) 

Historische Gebäudefassade bei Nacht mit beleuchteten Fenstern.
Das alte Gefängnis im Lohnhof bei Nacht
© Georg Aerni/REAR Award

Jederzeit Hofgang

In einem Strafvollzug übernachten und das freiwillig? Das hat der Umbau eines ehemaligen Gefängnisses im Basler Lohnhof zu einem Hotel möglich gemacht. Hier treffen jetzt die Strenge der Architektur mit einer neuen Offenheit zusammen. Geblieben von dem Strafvollzug sind die dicken Gemäuer, die niedrigen Türen mit massiven Blendrahmen und tiefgelegten Fenstern. Aber wie lässt sich daraus ein Ort des Wohlfühlens schaffen?

Schlafzimmer mit roter Wand, weißem Bett und kleiner Wandleuchte.
Das Farbkonzept der Hotelzimmer verleihen diesen eine ganz neue Stimmung und Lebendigkeit.
© Georg Aerni/REAR Award

Farbe ist die Lösung

Die Architektur des Gefängnisses wurde neu gedacht: mit intensiven Farben und Offenheit. Eingebaut wurden schmale Loggienfenster, die sich bis auf den Boden erstrecken. Mit der Transformation kam auch eine neue Farbfolge: von gelb bis rot und von grün bis blau: Die Farben sind gegenläufig gesetzt, sodass jedes Zimmer mit zwei Farbtönen ausgestattet ist und damit seine eigene Stimmung transportiert. So wird die negative Konnotation durch die ursprüngliche Nutzung als Gefängnis durch neue Strukturen positiv verknüpft.

Projektinformation

Umbau eines Untersuchungsgefängnisses zu einem Hotel

Ort: Basel
Bauherr: Stiftung Lohnhof 
Architektur: Buol & Zünd Architekten BSA 
Typologie: Hotel 
Fertigstellung: 1999 
Kategorie: REAR Award (Anerkennung)

Heller Innenraum mit Arbeitsplätzen und großen Fenstern mit Blick auf die Stadt.
Der Blick aus den Schulräumen hinaus zeigt Teile des alten Fernheizkraftwerkes.
© Ruedi Walti/REAR Award

Ungewöhnliche Aussicht

In dem Volta-Schulhaus gestaltet sich Schulunterricht etwas anders als gewöhnlich. Das liegt weniger an den Lerninhalten, sondern vielmehr an der Aussicht aus dem Fenster. Denn das Volta-Schulhaus befindet sich am Rand des Basler Industriegebiets, auf dem Areal des Fernheizkraftwerks. Um dieses in ein Schulhaus umzufunktionieren, wurde die vorhandene Baustruktur genutzt und daraus eine ganz spezifische Typologie entwickelt. So wurde die Kohlelagerhalle zur Turnhalle umfunktioniert. Die Schulräume fanden in den Räumlichkeiten des Fernheizkraftwerks ihren Platz. Beleuchtet werden die tiefgelegten Räumlichkeiten durch vier Innenhöfe, die durch Gassen und Plätze geprägt sind.

Großes, modernes Gebäude an einer Straße mit angrenzenden Wohnhäusern.
Das Schulhaus Volta als Teil des Industriegebiets
© Ruedi Walti/REAR Award

Gemütlich muss es werden

Damit das alte Fernheizkraftwerk tatsächlich als Schulhaus genutzt werden konnte, bedurfte es einer Vielzahl an Anpassungen. Um das Gebäude für den zeitgemäßen Schulbetrieb umzufunktionieren, wurde das Gebäude unter anderem mit IT-Infrastruktur und LED-Beleuchtung sowie mit Einrichtungen/Ausrüstungen für Brandschutz und Erdbebensicherheit Erdbebensicherheit, Brandschutz und Leuchtumrüstungen auf LED ausgestattet. Zudem haben Fenster mit integriertem Sonnenschutz, perlmuttschimmernde Wandverkleidungen und eine neue Tragstruktur ihren Platz im Schulhaus gefunden.

Projektinformation

Schulhaus Volta, Basel

Ort: Basel 
Bauherr: Baudepartment des Kantons Basel-Stadt 
Architektur: Miller & Maranta
Typologie: Schulhaus Fertigstellung: 2000
Kategorie: REAR Award Transformation

Historisches Gebäude mit neuer Erweiterung und sanierter Fassade.
Der Zusammenschluss der früheren Herfurth’sche Villa und die Erweiterung zur Galerie der Zeigenössischen Kunst
© Hans-Christian Schink/REAR Award

Wo Alt und Neu zusammentreffen

Das Projekt bringt auf elegante Art moderne Architektursprache mit altem Bestand zusammen. In Leipzig wurde eine gründerzeitliche Bürgervilla in eine Galerie für Zeitgenössische Kunst verwandelt. Räumlich mussten die benötigten Funktionsbereiche in die Herfurth’sche Villa integriert und die technischen Anforderungen an ein Museum erfüllt werden. Dabei wurde spezifisch darauf geachtet, das Gebäude so ursprünglich wie möglich beizubehalten. 

Heller Innenraum mit großem Fenster und minimalistischer Ausstattung.
Einer der Ausstellungsräume in der Leipziger Galerie für Zeitgenössische Kunst.
© Peter Kulka Architektur GmbH/REAR Award

Wie es sich fügte

Da wo sich früher im Eingangsbereich ein baufälliger Säulenportikus befand, wurde jetzt ein neues Foyer geschaffen. Auch Treppen wurden ersetzt, zweigeschossige Raumaufteilungen durch halbtransparente Elemente ausgetauscht und da, wo vorher ein Speisesaal war, wird jetzt ein Rundgang durch ganz Gebäude ermöglicht. Das Zentrum der Galerie bildet dafür das sogenannte Laboratorium. Alles fügt sich zusammen. Eine klare Aufspaltung erlebt man jedoch durch den Lichthof. Dieser stellt einen nicht betretbaren Außenraum in der Gebäudemitte dar, welcher einen eigenen Innenraum bildet.

Projektinformation

GfZK – Galerie für Zeitgenössische Kunst

Ort: Leipzig
Bauherr:  Förderkreis der Galerie für Zeitgenössische Kunst
Architektur: Peter Kulka Architektur GmbH
Typologie: Museum
Fertigstellung: 1998
Kategorie: REAR Award 

Über den REAR Award

Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren – angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg besteht, aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.  

Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.  

Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.  

 

"Lächelnde Frau mit schulterlangen braunen Haaren und Brille. Sie trägt einen beigen Blazer über einem hellblauen Hemd und hat ihre Arme verschränkt. Der Hintergrund ist neutral grau."
© Laura_Pollmann

Laura Pollmann

Volontärin

Nach ihrem absolvierten Bachelorstudium in Medien- und Kommunikationsmanagement in Heidelberg und Stationen im Corporate Publishing, befindet sie sich jetzt in der Ausbildung zur Redakteurin von der Axel Springer Academy. Dort ist sie Teil der Redaktion von Vogel Corporate Solutions (ehem. Axel Springer Corporate Solutions).  

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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