Wie immer, aber mal anders
REAR Award: Zwei Kirchen, zwei unterschiedliche Grundideen. Diese beiden Projekte verdeutlichen, wie essenziell Licht in der Architektur sein kann, und sind damit aktueller denn je. Genau diese zeitlose Relevanz macht sie zu nominierten Projekten des REAR Awards.
Kirchen vereinen mehrere Grundfunktionen: Sie schaffen Gemeinschaft und bieten Schutz und einen Raum der Einkehr. Doch wie dieser Raum gestaltet wird, kann sehr unterschiedlich sein. Zwei nominierte Projekte des REAR Awards zeigen, wie derselbe Bautyp komplett gegensätzliche Wege gehen kann. Dennoch haben beide eine gewisse Aktualität inne. Licht wird bei beiden Projekten nicht nur als funktionales Element, sondern vielmehr als architektonisches Material verwendet.
Gegensätze, die verbinden
Die im Jahr 2000 fertiggestellte Herz-Jesu-Kirche ist ein außergewöhnliches Gebäude in der bayrischen Landeshauptstadt. Sie stellt die erste Kirche dar, die durch ihre Fassade mit einem überdimensionalen Kristall zu vergleichen ist.
Die Hülle des Sakralbaus aus Ahornlamellen wird ummantelt von einer Glasfassade. Damit ist ein „Raum im Raum“ und zwischen den beiden Schichten ein Übergangsraum entstanden, der Innen und Außen trotz ihres Materialkontrastes miteinander verbindet. Das prägende Gestaltungselement ist das Licht.
Wie Licht zum Erlebnis wird
Die großformatigen offenen Glastore verdeutlichen direkt am Eingang die architektonische Idee der Herz-Jesu-Kirche. Licht wurde grundlegend mitgedacht und gezielt als räumliches Gestaltungselement eingesetzt. Durch das Zusammenspiel der Elemente bleibt die Herkunft des Lichts unbestimmt und für Besucher wird Licht zu einer allumfänglichen Sinneserfahrung. Die Atmosphäre wird maßgeblich vom natürlichen Licht geprägt. Noch deutlicher wird das, wenn sich die Tore zu besonderen Feiertagen öffnen und damit die Kirche als offenen und einladenden Raum gestalten.
Projektinformationen
Herz-Jesu-Kirche
Projektinformationen
Herz-Jesu-Kirche
Ort: München
Bauherr: Katholische Pfarrkirchenstiftung Herz Jesu
Architektur: Allmann Sattler Wappner Architekten
Typologie: Sakralbau
Fertigstellung: 2000
Kategorie: REAR Award
Entzug von der Außenwelt
Beim Anblick der katholischen Kirche Zu Ehren des kostbaren Blutes von Werner Hessberger stellt sich hingegen die Frage: Gibt es auch in dieser Kirche Licht? Sie wirkt wie ein architektonisch grundsätzlicher Gegensatz zur Herz-Jesu-Kirche. Das Gebäude in der hessischen Gemeine Jossgrund im Main-Kinzig-Kreis, dessen Grundsteinlegung erfolgte, wirkt nahezu fensterlos. Statt Offenheit zu schaffen, soll dieser Raum bewusst von den Reizen der Umgebung abschirmen. Vielleicht macht es damit die Kirche noch so viel aktueller, als es bei der Grundsteinlegung gedacht war.
Dennoch spielt Licht hier eine entscheidende Rolle, die vom Architekten selbst gestaltet wurden: Licht fällt in dieser Kirche ganz gezielt in das Gebäude und beleuchtet unmittelbar den Altar. Die Architektur verzichtet auf gleichmäßige Ausleuchtung, sondern nutzt Licht als Mittel zu Orientierung. Dadurch soll die Fokussierung und Konzentration auf Gott erreicht werden. Atmosphäre wird durch Inszenierung geschaffen und weniger durch Transparenz.
Projektinformationen
Kirche Zu Ehren des kostbaren Blutes
Projektinformationen
Kirche Zu Ehren des kostbaren Blutes
Ort: Jossgrund (Mainz-Kinzig-Kreis)
Bauherr: Katholische Kirchengemeinde & Bistum Fulda
Architektur: Werner Hessberger
Typologie: Sakralbau
Fertigstellung: 1968
Kategorie: REAR Award
Die beiden nominierten Projekte des REAR Awards zeigen, wie zwei Kirchen zwei grundsätzliche Strategien verfolgen und damit dennoch das gleiche Element nutzen können. Sowohl die Herz-Jesu-Kirche in München als auch die Kirche Zu Ehren des kostbaren Blutes haben sich über die Jahre entwickelt und sind dennoch aktueller denn je.
Was beide Kirchen verbindet, geht über die Nutzung des Sakralbaus hinaus. Obwohl sie Jahrzehnte auseinanderliegen und ganz unterschiedliche architektonische Strategien verfolgen, beantworten sie viele Fragestellungen ganz natürlich: Wie beeinflusst Licht die Wahrnehmung von Räumen? Wie schafft man Atmosphäre und wie kann Architektur Identität schaffen? Beide Projekte könnten damit, trotz ihres Alters, nicht aktueller sein.
Über den REAR Award
Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren – angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg 5 besteht, , aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.
Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.
Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.
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