Flexibel muss man sein
REAR Award: Flexibilität zeigt sich in der Architektur auf ganz verschiedene Weisen – ob im Inneren, im Außenraum oder durch die Kombination von beidem. Diese zwei Projekte veranschaulichen, wie flexibel und individuell Architektur heutzutage sein kann und damit zeitlos bleibt.
Einmal gebaut, immer unveränderlich?
Diese Vorstellung gilt schon lange nicht mehr. Architektur muss heute nicht nur funktionieren, sondern sich an verändernde Bedürfnisse anpassen. Zwei nominierte Projekte des REAR Awards zeigen, wie unterschiedlich Flexibilität gedacht werden kann. Die Siedlung Thalmatt ermöglicht dabei individuelle Wohnwelten innerhalb einer einheitlich Gesamtstruktur, während die Weimarhalle, je nach Gebrauch, immer angepasst werden kann.
Individualität ohne Chaos
Die Siedlung Thalmatt, einem kleinen Ort im schweizerischen Kanton Bern zeigt, dass Flexibilität nicht zwangsläufig mit einer veränderte Gebäudehülle beginnt. Bei der Siedlung präsentiert sich Flexibilität und Individualität durch bunten Innenausbau. Was sich von außen wie eine einheitliche und schlichte Betonsiedlung darstellt, wird von innen durch unterschiedliche Raumstrukturen, Farben und Materialien aufgebrochen. Aber genau diese Kombination aus einheitlichem Außenbau und individuellem Innenraum scheint es zu brauchen, damit aus Individualität kein Chaos entsteht.
Einheit außen, Freiheit innen
Die architektonische Gestalt der Siedlung entsteht durch ein Spannungsverhältnis. Auch wenn innen Individualität dominiert, verschafft sich die Einheitlichkeit von außen auch ihren Platz. All das basiert auf dem Zusammenschluss von 18 nebeneinander entstandenen Häusern, die sich zu einer kohärenten Siedlung entwickelt haben. Neben den präsenten Betonwänden zeigt sich die Durchsetzungskraft der Einheitlichkeit in den Details. Alle Häuser sind mit fest verglasten, rahmenlosen Fenstern und massivem Dämmbeton ausgestattet. Die Begrenzungen der Häuser werden dadurch insgesamt uneindeutig. Hier entstand ein Konstrukt, was von einer archaischen Konstruktion und gleichzeitig einer Komplexität der Anlage geprägt ist.
Projektinformation
Siedlung Thalmatt 1
Projektinformation
Siedlung Thalmatt 1
Ort: Herrenschwanden
Bauherr: private Bauherren
Architektur: Atelier 5, Architektur und Planung AG
Typologie: Reihenhäuser/Siedlung
Fertigstellung: 1974
Kategorie: REAR Award - Auszeichnung
Auf und zu
Während die Siedlung Thalmatt nur individuelle Anpassungen ermöglicht, lässt sich die geschichtsträchtige Weimarhalle selbst räumlich verändern. Sie lässt sich für unterschiedliche Anlässe jeweils architektonisch anpassen. Ermöglicht wird das durch einen Saalbaukörper, der als eigenständiges Element frei angeordnet ist. Flexibel wird der Saal aber erst durch seine verschiebbaren Wände, die sich im Erd- und Obergeschoss individuell öffnen und schließen lassen. Das Ergebnis: ein heller Veranstaltungssaal und ein Baukörper, der sich als hölzernes „Haus im Haus“ beschreiben lässt.
Die Verbindung zwischen außen und innen
Ergänzt wird der Baukörper des Saals durch das großflächige Foyer mit raumhohen Glasfassaden. Sie schaffen fließende Übergänge zwischen dem Gebäude und der angrenzenden Parkanlage. Besucher können so die Parkflächen als Erweiterungen des Innenraums erleben und auch Passanten wird ein Blick in die Hallen ermöglicht. Damit bleibt die Weimarhalle nicht nur im Grundriss flexibel, sondern kreiert ein Zusammenspiel des Gebäudes mit seiner Umgebung.
Projektinformation
congress centrum neue weimarhalle, Weimar
Projektinformation
congress centrum neue weimarhalle, Weimar
Ort: Weimar
Bauherr: Stadt Weimar
Architektur: gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner
Typologie: Theater/ Veranstaltung
Fertigstellung: 1999
Kategorie: REAR Award
Über den REAR Award
Über den REAR Award
Der REAR Award zeichnet sich schon durch seine Namensgebung aus: der Reflect Architecture Award. Der REAR Award sucht die Architektur aus, die verschiedensten Bedingungen ausgesetzt waren.– angefangen beim Wetter, über die alltägliche Nutzung bis hin zur gewöhnlichen Alterung. Aber wie verändern sich die Gebäude wirklich? Genau das nimmt der Preis in den Blick und kürt die Architektur, die zwar schon über Generationen hinweg besteht, aber dennoch zu aktuellen Architekturdiskursen beitragen kann.
Bei der Kategorie REAR Transformation wird Architektur gesucht, die sich durch neue Perspektiven, Umbau und Erweiterung auszeichnen. Im Fokus steht die Frage, wie Architektur auf Veränderungen reagieren kann, ohne von Abriss oder Neubeginn zu sprechen. Es werden diejenigen Gebäude ausgewählt, die ihre Qualität, Präsenz und kulturelle Bedeutung bewahren konnten. Der Blick liegt darauf, was bleibt und was noch werden kann.
Die Initiatoren des Awards sind die Publizistin Katharina Benjamin, der Architekt Fabian Onneken und der Grafikdesigner Patrick Martin. Diese haben den Award 2025 in Leipzig ins Leben gerufen.
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