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Ein Ort zum Lernen – vom ersten Lebensjahr bis ins Seniorenalter

Bildung braucht Raum – und bekommt reichlich davon in Stuttgart: Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Bad Cannstatt widmet die Landeshauptstadt dieser Aufgabe einen ganzen Quartiersblock.

Maren Kletzin
12.10.2026 5min
Modernes mehrstöckiges Schulgebäude mit großen Fenstern und begrünten Balkonen bei Dämmerung
Stadtbildprägend: 40 % der Fassadenflächen am Bildungshaus sind begrünt; an Kita und Grundschule, aber auch an der Volkshochschule.
© Roland Halbe

Das Bildungshaus Neckarpark, ein Holz-Hybrid-Bau der Gebäudeklasse 5, ist das erste seiner Art in der Landeshauptstadt. 2025 erhielt es den IWS Immobilien Award in der Kategorie Sondernutzung „Bildung und Sport“. Dazu schildert Architekt Martin Ritz, Glück + Partner GmbH, die große Herausforderung bei dem Projekt: „Eine Grundschule, eine Kita, eine Volkshochschule und eine Zweifeldsporthalle mit insgesamt 17.000 qm waren auf einem Grundstück mit knapp 8.000 qm unterzubringen.“ Das gelang durch Dreiteilung des u-förmigen Gebäudekomplexes:

Im nördlichen Grundstücksbereich beherbergt ein Viergeschosser die Ganztagsgrundschule für 446 Schülerinnen und Schüler sowie die Tagesstätte für 110 Kinder. Gegenüber befindet sich auf fünf Stockwerken die Volkshochschule (VHS) mit 21 Seminarräumen sowie einem Veranstaltungsaal für bis zu 300 Personen. Beide Gebäude sind baulich über die dazwischenliegende Sporthalle verbunden, die im Vergleich zum Eingangsniveau abgesenkt und somit nur eingeschossig ist. Umkleiden und Halle sind im Untergeschoss direkt von der Schule und von der Tiefgarage aus erreichbar. Das Dach der Sporthalle ist ein Pausenhof mit Ballspielfeld für die Grundschulkinder. 

Luftaufnahme eines Stadtteils mit mehreren modernen Gebäuden, viele davon mit Solarpanelen auf den Dächern, umgeben von Straßen und weiteren Wohnhäusern
Die Photovoltaik-Anlage auf den beiden Hauptdächern mit 300 kWp versorgt unter anderem die Elektroladestation in der Tiefgarage.
© Roland Halbe
Leere Sporthalle mit Holzwänden, großen Fenstern und markiertem Spielfeldboden
Die Sporthalle ist gegenüber dem Eingangsniveau abgesenkt: Spielfeld und Halle sind im Untergeschoss, Tribüne, Gymnastik- und Mehrzweckraum im Erdgeschoss.
© Roland Halbe
Heller, großzügiger Foyerbereich mit breiter Treppe, Holzvertäfelungen, mehreren Tischen und Stühlen sowie großen Fenstern
Nicht nur Aufenthaltsbereich: Das VHS-Foyer lässt sich über eine mobile Trennwand dem Veranstaltungssaal zuschalten. Großzügige Sitzstufen dienen als Zuschauertribüne.
© Roland Halbe

Alle drei Bauten gruppieren sich um den Quartiershof mit gemeinsam genutzten Freibereichen für die Kita- und Grundschulkinder sowie einer Terrasse für die Volkshochschule. Den Hof quert die sogenannte Bildungsmagistrale, die Kita/Grundschule, VHS und Sporthalle miteinander verbindet – nur eine Möglichkeit, von der Lenore-Volz-Straße zu den unterschiedlichen Nutzungsbereichen des Bildungshauses zu gelangen. Kontakt und Austausch zwischen den einzelnen Nutzergruppen zu ermöglichen – auch im Sinne eines lebenslangen Lernens –, ist Teil des architektonischen Konzepts. Jede Einrichtung hat darüber hinaus eine eigene Adresse: So ist die Volkshochschule über einen Vorplatz an der Benzstraße erschlossen, der Haupteingang von Schule und Kita befindet sich am Marga-von-Etzdorf-Platz und die Sporthalle, die auch von externen Vereinen genutzt wird, ist von der Hanna-Henning-Straße aus zugänglich – unabhängig von den Schulhoföffnungszeiten. 

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Pädagogisches Konzept der Lernhäuser

„Ein ganz wesentliches Element ist das innovative pädagogische Konzept, das eine sehr enge Verzahnung zwischen der Kindertagesstätte und der Schule vorsieht“, sagt Marco Tschöp im Projektvideo zum IWS Immobilien Award. Der Projektleiter des Stuttgarter Schulverwaltungsamts ist Referent im Seminar „Zukunftsraum Schule“ des kammereigenen Fortbildungsinstituts IFBau und stellte das Projekt dort vor. Die 7-gruppige Kita und die 4-zügige Grundschule teilen sich die vier Stockwerke des Nordgebäudes, das aus insgesamt sieben „Lernhäusern“ besteht: Mehrere Klassen- beziehungsweise Kita-Gruppenräume teilen sich eine gemeinsam genutzte Clustermitte, der auch ein Ganztagsraum zugeordnet ist. Alle Ganztagsräume sind wechselseitig von Schule und Kita nutzbar – ebenso wie der Musiksaal, das Atelier, die Kinderküche oder das Elterncafé. 

Seminar: „Zukunftsraum Schule“

Wie können zeitgemäße Bildungsbauten den Herausforderungen von Klimawandel, Integration, Inklusion und Ganztagsbetrieb begegnen? Das IFBau-Tagesseminar gibt Antworten und thematisiert aktuelle pädagogische Konzepte und ressourcenschonende Bauweisen ebenso wie kostengünstige Ansätze. Neben Impulsvorträgen zu Best-Practice-Beispielen finden interaktive Workshops statt. Durch unterschiedliche Blickwinkel aus Schulverwaltung und pädagogischer Architektur bietet das Seminar praxisnahe Empfehlungen und Raum für Erfahrungsaustausch.

Termin: 26. November 2026, 9:30–17 Uhr
Ort: Stuttgart, Haus der Architektinnen und Architekten
ESF-Plus-Fachkursförderung: Teilnehmende können – bei Erfüllung der Förderkriterien – eine Preisermäßigung von 45 % erhalten.
Weitere Infos + Anmeldung: www.ifbau.de 

Trotzdem funktionieren Kita und Grundschule autark. Im Erdgeschoss der Kita befinden sich die drei Gruppen-, Schlaf- und Wickelräume für unter Dreijährige. Vier weitere Gruppenräume für die Drei- bis Sechsjährigen auf den oberen Stockwerken sind über die südliche Treppenanlage erschlossen. Die Kinder der Grundschule erreichen die Obergeschosse über die nördliche Treppenanlage. Sogenannte pädagogische Türen trennen beziehungsweise verbinden beide Nutzungsbereiche nach Bedarf.

Die Cluster-Architektur bietet maximale Flexibilität. Außerdem lassen sich bei Bedarf Gruppen- und Schlafräume der Kita in Klassenzimmer umwandeln oder Klassenzimmer in Kita-Gruppenräume. Erleichtert wird dies durch die Skelettbauweise – im Fassadenbereich aus BauBuche – mit nur wenigen tragenden Wänden. Das macht den Grundriss anpassungsfähig für zukünftige Nutzungen. 

Leerer Klassenraum mit Reihen von Tischen und grünen sowie braunen Stühlen vor großen Fenstern und einer Tafel an der Wand
16 Klassenzimmer gibt es in der 4-zügigen Grundschule. Ergänzt wird das Raumprogramm durch Sonderräume und eine Mensa.
© Roland Halbe
Heller Garderobenraum mit Holzverkleidung, zwei Holzsäulen, Sitzbank und mehreren offenen Fächern an den Wänden
Der Innenausbau – wie hier im Kleinkindbereich der Kindertagesstätte – ist in Massivholz ausgeführt, es überwiegen heimische Eiche und Weißtanne.
© Roland Halbe

Modernes dreistöckiges Gebäude mit Holzfassade und hängenden Pflanzen vor einem Sitzbereich mit quadratischen Betonhockern und einer grünen Tafel
Angrenzend an den Schulgarten befindet sich auf dem Dach der Sporthalle ein grünes Klassenzimmer.
© Roland Halbe

Begrünte Laubengänge mit vielen Funktionen

Die Clustermitten auf den oberen Stockwerken orientieren sich zu umlaufenden Laubengängen. Da diese als Rettungswege dienen, ist die Nutzung der Innenräume nicht durch bauliche Brandschutzmaßnahmen eingeschränkt. Gleichzeitig schützen die Laubengänge die unbehandelte Holzfassade vor Witterung und Schlagregen. Im Sommer können die Fenster zur Nachtkühlung geöffnet bleiben.

Das vorgehängte Rankgerüst prägt das Erscheinungsbild von Kita/Grundschule wie auch der Volkshochschule und trägt mit seiner Begrünung zur Verbesserung der Luftqualität, des Mikroklimas und zur lokalen Kühlung des Stadtraums bei. Bewässert wird mit dem in zwei Zisternen gesammelten Niederschlagswasser der Dächer; Pflege und Instandhaltung sind über die umlaufenden Balkone ebenfalls leicht möglich.

Das Bildungshaus ist ein Plus-Energie-Gebäude. Verglichen mit einem ähnlichen Gebäude aus Stahlbeton konnten laut Architekturbüro circa 360 t CO2 eingespart werden – nicht nur in puncto lebenslanges Lernen ein nachhaltiges Gebäude.

Lageplan mit Gebäuden, Straßen, Grünflächen und Wegen in einer städtischen Umgebung
Lageplan Bildungshaus Neckarpark
© Glück + Partner
Farbige Grundrisszeichnung des Erdgeschosses einer Kita-Schule mit verschiedenen Räumen, Fluren und Außenbereichen, umgeben von Bäumen und Wegen
Grundriss: Erdgeschoss der Grundschule und Kindertagesstätte
© Glück + Partner
Grundriss eines Gebäudes mit mehreren Räumen, Fluren und Treppenhäusern, umgeben von Bäumen und Außenbereichen
Grundriss: 1. Obergeschoss der Grundschule und Kindertagesstätte
© Glück + Partner
Farbige Grundrisszeichnung des zweiten Obergeschosses einer Kita-Schule mit verschiedenen Räumen und Fluren in unregelmäßiger, trapezförmiger Form
Grundriss: 2. Obergeschoss der Grundschule und Kindertagesstätte
© Glück + Partner
Schwarz-weiße Linienzeichnung eines Grundrisses der dritten Etage eines Gebäudes mit verschiedenen Räumen und Fluren
Grundriss: 3. Obergeschoss der Grundschule und Kindertagesstätte
© Glück + Partner

Projektdaten

Neubau eines Bildungszentrums

Ort: Lenore-Volz-Straße 23, Stuttgart Bad Cannstatt
Bauherrschaft: Landeshauptstadt Stuttgart, vertreten durch das Schulverwaltungsamt im Referat Jugend und Bildung
Architektur: Glück + Partner GmbH Freie Architekten BDA, Stuttgart
Landschaftsarchitektur: Pfrommer + Roeder Freie Landschaftsarchitekten BDLA IFLA, Stuttgart
Generalübernehmer: Wolff & Müller Hoch- und Industriebau GmbH & Co. KG, Stuttgart
Bauvolumen: 50 bis 75 Mio. €
Nutzungsfläche (NUF) gesamt: 11.200 qm
NUF Grundschule und Kita: 4.000 qm
NUF Volkshochschule: 2.400 qm
NUF Sporthalle: 1.700 qm
NUF Tiefgarage: 2.100 qm
Bruttogrundfläche (gesamt): 17.000 qm
Bruttorauminhalt (gesamt): 78.000 cbm
Planungsbeginn: 2021 (Wettbewerb 07/2021)
Baubeginn: 2022
Fertigstellung: 2025

www.glueck-partner.com/projektdetails/bildungshaus-neckarpark-stuttgart-2/

Maren Kletzin

Kommunikationsteam Architektenkammer Baden-Württemberg DAB Redaktion Baden-Württemberg
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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