Ein Ort zum Lernen – vom ersten Lebensjahr bis ins Seniorenalter
Bildung braucht Raum – und bekommt reichlich davon in Stuttgart: Auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs Bad Cannstatt widmet die Landeshauptstadt dieser Aufgabe einen ganzen Quartiersblock.
Das Bildungshaus Neckarpark, ein Holz-Hybrid-Bau der Gebäudeklasse 5, ist das erste seiner Art in der Landeshauptstadt. 2025 erhielt es den IWS Immobilien Award in der Kategorie Sondernutzung „Bildung und Sport“. Dazu schildert Architekt Martin Ritz, Glück + Partner GmbH, die große Herausforderung bei dem Projekt: „Eine Grundschule, eine Kita, eine Volkshochschule und eine Zweifeldsporthalle mit insgesamt 17.000 qm waren auf einem Grundstück mit knapp 8.000 qm unterzubringen.“ Das gelang durch Dreiteilung des u-förmigen Gebäudekomplexes:
Im nördlichen Grundstücksbereich beherbergt ein Viergeschosser die Ganztagsgrundschule für 446 Schülerinnen und Schüler sowie die Tagesstätte für 110 Kinder. Gegenüber befindet sich auf fünf Stockwerken die Volkshochschule (VHS) mit 21 Seminarräumen sowie einem Veranstaltungsaal für bis zu 300 Personen. Beide Gebäude sind baulich über die dazwischenliegende Sporthalle verbunden, die im Vergleich zum Eingangsniveau abgesenkt und somit nur eingeschossig ist. Umkleiden und Halle sind im Untergeschoss direkt von der Schule und von der Tiefgarage aus erreichbar. Das Dach der Sporthalle ist ein Pausenhof mit Ballspielfeld für die Grundschulkinder.
Alle drei Bauten gruppieren sich um den Quartiershof mit gemeinsam genutzten Freibereichen für die Kita- und Grundschulkinder sowie einer Terrasse für die Volkshochschule. Den Hof quert die sogenannte Bildungsmagistrale, die Kita/Grundschule, VHS und Sporthalle miteinander verbindet – nur eine Möglichkeit, von der Lenore-Volz-Straße zu den unterschiedlichen Nutzungsbereichen des Bildungshauses zu gelangen. Kontakt und Austausch zwischen den einzelnen Nutzergruppen zu ermöglichen – auch im Sinne eines lebenslangen Lernens –, ist Teil des architektonischen Konzepts. Jede Einrichtung hat darüber hinaus eine eigene Adresse: So ist die Volkshochschule über einen Vorplatz an der Benzstraße erschlossen, der Haupteingang von Schule und Kita befindet sich am Marga-von-Etzdorf-Platz und die Sporthalle, die auch von externen Vereinen genutzt wird, ist von der Hanna-Henning-Straße aus zugänglich – unabhängig von den Schulhoföffnungszeiten.
Pädagogisches Konzept der Lernhäuser
„Ein ganz wesentliches Element ist das innovative pädagogische Konzept, das eine sehr enge Verzahnung zwischen der Kindertagesstätte und der Schule vorsieht“, sagt Marco Tschöp im Projektvideo zum IWS Immobilien Award. Der Projektleiter des Stuttgarter Schulverwaltungsamts ist Referent im Seminar „Zukunftsraum Schule“ des kammereigenen Fortbildungsinstituts IFBau und stellte das Projekt dort vor. Die 7-gruppige Kita und die 4-zügige Grundschule teilen sich die vier Stockwerke des Nordgebäudes, das aus insgesamt sieben „Lernhäusern“ besteht: Mehrere Klassen- beziehungsweise Kita-Gruppenräume teilen sich eine gemeinsam genutzte Clustermitte, der auch ein Ganztagsraum zugeordnet ist. Alle Ganztagsräume sind wechselseitig von Schule und Kita nutzbar – ebenso wie der Musiksaal, das Atelier, die Kinderküche oder das Elterncafé.
Trotzdem funktionieren Kita und Grundschule autark. Im Erdgeschoss der Kita befinden sich die drei Gruppen-, Schlaf- und Wickelräume für unter Dreijährige. Vier weitere Gruppenräume für die Drei- bis Sechsjährigen auf den oberen Stockwerken sind über die südliche Treppenanlage erschlossen. Die Kinder der Grundschule erreichen die Obergeschosse über die nördliche Treppenanlage. Sogenannte pädagogische Türen trennen beziehungsweise verbinden beide Nutzungsbereiche nach Bedarf.
Die Cluster-Architektur bietet maximale Flexibilität. Außerdem lassen sich bei Bedarf Gruppen- und Schlafräume der Kita in Klassenzimmer umwandeln oder Klassenzimmer in Kita-Gruppenräume. Erleichtert wird dies durch die Skelettbauweise – im Fassadenbereich aus BauBuche – mit nur wenigen tragenden Wänden. Das macht den Grundriss anpassungsfähig für zukünftige Nutzungen.
Begrünte Laubengänge mit vielen Funktionen
Die Clustermitten auf den oberen Stockwerken orientieren sich zu umlaufenden Laubengängen. Da diese als Rettungswege dienen, ist die Nutzung der Innenräume nicht durch bauliche Brandschutzmaßnahmen eingeschränkt. Gleichzeitig schützen die Laubengänge die unbehandelte Holzfassade vor Witterung und Schlagregen. Im Sommer können die Fenster zur Nachtkühlung geöffnet bleiben.
Das vorgehängte Rankgerüst prägt das Erscheinungsbild von Kita/Grundschule wie auch der Volkshochschule und trägt mit seiner Begrünung zur Verbesserung der Luftqualität, des Mikroklimas und zur lokalen Kühlung des Stadtraums bei. Bewässert wird mit dem in zwei Zisternen gesammelten Niederschlagswasser der Dächer; Pflege und Instandhaltung sind über die umlaufenden Balkone ebenfalls leicht möglich.
Das Bildungshaus ist ein Plus-Energie-Gebäude. Verglichen mit einem ähnlichen Gebäude aus Stahlbeton konnten laut Architekturbüro circa 360 t CO2 eingespart werden – nicht nur in puncto lebenslanges Lernen ein nachhaltiges Gebäude.
Projektdaten
Neubau eines Bildungszentrums
Projektdaten
Neubau eines Bildungszentrums
Ort: Lenore-Volz-Straße 23, Stuttgart Bad Cannstatt
Bauherrschaft: Landeshauptstadt Stuttgart, vertreten durch das Schulverwaltungsamt im Referat Jugend und Bildung
Architektur: Glück + Partner GmbH Freie Architekten BDA, Stuttgart
Landschaftsarchitektur: Pfrommer + Roeder Freie Landschaftsarchitekten BDLA IFLA, Stuttgart
Generalübernehmer: Wolff & Müller Hoch- und Industriebau GmbH & Co. KG, Stuttgart
Bauvolumen: 50 bis 75 Mio. €
Nutzungsfläche (NUF) gesamt: 11.200 qm
NUF Grundschule und Kita: 4.000 qm
NUF Volkshochschule: 2.400 qm
NUF Sporthalle: 1.700 qm
NUF Tiefgarage: 2.100 qm
Bruttogrundfläche (gesamt): 17.000 qm
Bruttorauminhalt (gesamt): 78.000 cbm
Planungsbeginn: 2021 (Wettbewerb 07/2021)
Baubeginn: 2022
Fertigstellung: 2025
www.glueck-partner.com/projektdetails/bildungshaus-neckarpark-stuttgart-2/
Maren Kletzin
Kommunikationsteam Architektenkammer Baden-Württemberg DAB Redaktion Baden-WürttembergDas könnte Sie auch interessieren
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