Wie kommt der Diskurs in die Stadt? Über Reallabore als Motor der Transformation
Nachwuchs-Kolumne: Das Ringen um die Stadt von morgen braucht einen konkreten Ort. Ein Hannoveraner Reallabor suchte ihn ausgerechnet dort, wo bislang nur Leerstand wartete.
Welche Potenziale bietet der Bestand? Wie können vorhandene Ressourcen weitergedacht, aktiviert und im Kreislauf gehalten werden? Und welche Räume braucht es zur Aushandlung der Stadt von morgen? Diesen Fragestellungen widmete sich das CiD LAB im Rahmen des Forschungsprojektes Circular Design (CiD) Innovation Alliance Anfang Mai in Hannover. Initiiert vom Lehrstuhl Territorial Design and Urban Planning der Leibniz Universität Hannover und in Kooperation mit dem PLATZprojekt e.V. entstand in einem zweitägigen Design & Build Workshop ein temporärer Diskursraum – als Ort für Austausch, Diskussion und gemeinsame Visionen.
Im Mittelpunkt des LABs stand die praktische Auseinandersetzung mit dem „Deichhaus“ – einem konkreten, leer stehenden Gebäude in Hannover, das auf seine Reaktivierung wartet. Es steht stellvertretend für eine Vielzahl weiterer Orte in Deutschland, deren Potenzial aktuell unausgeschöpft bleibt. Erklärtes Ziel des LABs war es, dieses Potenzial durch experimentelle und künstlerische Ansätze aufzudecken und neue Werkzeuge zu erproben, die über rein architektonische Lösungen hinausgehen. Die zwei im Rahmen des Workshops angeeigneten Überseecontainer auf dem urbanen Experimentierfeld „PLATZprojekt“ dienten als alternativer „Resonanzraum“ für das eigentliche Objekt, das derzeit nicht zugänglich ist.
Das Reallabor als Testraum, die Stadt als erweitertes Experimentierfeld
Unter dem Motto: „How can we bring circularity into city-making?“ wurde (um)gebaut, experimentiert und diskutiert. Dabei brachte das LAB unterschiedliche Akteurinnen und Akteure aus Hochschullehre, Forschung, Praxis und Stadtgesellschaft zusammen und gab damit den Anstoß für neue multidisziplinäre Kooperationen.
Zentrales Gestaltungs- und Bauprinzip: die Wiederverwendung von Räumen und Materialien. Verborgene Potenziale wurden durch gezielte Eingriffe sichtbar gemacht, bestehende Strukturen neu interpretiert. Vorhandene Bauteile und Materialien wurden erfasst, analysiert und vor Ort (in situ) mit einfachen Techniken umgestaltet.
„Das Reallabor versteht sich als Experimentierraum für Wiederverwendung, Transformation und zirkuläres Bauen – gemeinsam mit Studierenden, internationalen Gästen, Planenden, Handwerk, Stadt und Zivilgesellschaft. Dabei geht es um weit mehr als Materialien oder Umbaukultur. Es geht darum, neue Räume für Zusammenarbeit, Lernen und Diskurs zu schaffen – hands-on, offen, experimentell und getragen von der Energie aller Beteiligten“, erklärt Rebekka Wandt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Territorial Design und Urban Planning der Leibniz Universität Hannover.
Räume für produktiven Streit
Über allem stand die Frage: Wie kommt der Diskurs in die Stadt? Wertvolle Impulse hierzu lieferten Ivana Rohr und Robin Höning von Endboss. Beide gelten spätestens seit der Errichtung eines temporären Festivalzentrums auf einer vierspurigen Hochstraße oder der „You promised me a City“-Konferenz als Fachleute für experimentelle Stadtgestaltung und die Schaffung von Räumen für produktiven Streit. „Das LAB hat gezeigt, wie wichtig solche Formate sind: Orte, an denen Menschen zusammenkommen, voneinander lernen, gemeinsam neue Perspektiven entwickeln und den Diskurs rund um Stadttransformation nach außen tragen“, so Rebekka Wandt.
Die zwei Workshop-Tage waren schnell zu Ende. Die übergeordnete Fragestellung jedoch bleibt – und die weitere Auseinandersetzung hat gerade erst begonnen.
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