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Wie kommt der Diskurs in die Stadt? Über Reallabore als Motor der Transformation

Nachwuchs-Kolumne: Das Ringen um die Stadt von morgen braucht einen konkreten Ort. Ein Hannoveraner Reallabor suchte ihn ausgerechnet dort, wo bislang nur Leerstand wartete.

Karen Schäfer
15.07.2026 2min
Großformatiges Plakat mit der Aufschrift „REAL LABOR DEICH HAUS“ in Schwarz und Grün sowie pinken Gestaltungselementen. Das Plakat steht in einem Ausstellungsbereich und wird von weiteren grün-pink gestalteten Informationsflächen umgeben.
„How can we bring circularity into city-making?“ © Lena Miller Photography

Welche Potenziale bietet der Bestand? Wie können vorhandene Ressourcen weitergedacht, aktiviert und im Kreislauf gehalten werden? Und welche Räume braucht es zur Aushandlung der Stadt von morgen? Diesen Fragestellungen widmete sich das CiD LAB im Rahmen des Forschungsprojektes Circular Design (CiD) Innovation Alliance Anfang Mai in Hannover. Initiiert vom Lehrstuhl Territorial Design and Urban Planning der Leibniz Universität Hannover und in Kooperation mit dem PLATZprojekt e.V. entstand in einem zweitägigen Design & Build Workshop ein temporärer Diskursraum – als Ort für Austausch, Diskussion und gemeinsame Visionen.

Im Mittelpunkt des LABs stand die praktische Auseinandersetzung mit dem „Deichhaus“ – einem konkreten, leer stehenden Gebäude in Hannover, das auf seine Reaktivierung wartet. Es steht stellvertretend für eine Vielzahl weiterer Orte in Deutschland, deren Potenzial aktuell unausgeschöpft bleibt. Erklärtes Ziel des LABs war es, dieses Potenzial durch experimentelle und künstlerische Ansätze aufzudecken und neue Werkzeuge zu erproben, die über rein architektonische Lösungen hinausgehen. Die zwei im Rahmen des Workshops angeeigneten Überseecontainer auf dem urbanen Experimentierfeld „PLATZprojekt“ dienten als alternativer „Resonanzraum“ für das eigentliche Objekt, das derzeit nicht zugänglich ist. 

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Das Reallabor als Testraum, die Stadt als erweitertes Experimentierfeld  

Unter dem Motto: „How can we bring circularity into city-making?“ wurde (um)gebaut, experimentiert und diskutiert. Dabei brachte das LAB unterschiedliche Akteurinnen und Akteure aus Hochschullehre, Forschung, Praxis und Stadtgesellschaft zusammen und gab damit den Anstoß für neue multidisziplinäre Kooperationen.

Zentrales Gestaltungs- und Bauprinzip: die Wiederverwendung von Räumen und Materialien. Verborgene Potenziale wurden durch gezielte Eingriffe sichtbar gemacht, bestehende Strukturen neu interpretiert. Vorhandene Bauteile und Materialien wurden erfasst, analysiert und vor Ort (in situ) mit einfachen Techniken umgestaltet. 

Personen arbeiten an einer Lehmstation und formen feuchten Lehm in Holzrahmen. Auf dem Arbeitstisch liegen Maurerkellen und Unterlagen, während Hände den Lehm glätten und bearbeiten.
Praktische Experimente mit Lehm und anderen biobasierten Materialien ergänzten die Bandbreite zirkulärer Materialflüsse. © Lena Miller Photography

„Das Reallabor versteht sich als Experimentierraum für Wiederverwendung, Transformation und zirkuläres Bauen – gemeinsam mit Studierenden, internationalen Gästen, Planenden, Handwerk, Stadt und Zivilgesellschaft. Dabei geht es um weit mehr als Materialien oder Umbaukultur. Es geht darum, neue Räume für Zusammenarbeit, Lernen und Diskurs zu schaffen – hands-on, offen, experimentell und getragen von der Energie aller Beteiligten“, erklärt Rebekka Wandt, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Territorial Design und Urban Planning der Leibniz Universität Hannover. 

Räume für produktiven Streit

Über allem stand die Frage: Wie kommt der Diskurs in die Stadt? Wertvolle Impulse hierzu lieferten Ivana Rohr und Robin Höning von Endboss. Beide gelten spätestens seit der Errichtung eines temporären Festivalzentrums auf einer vierspurigen Hochstraße oder der „You promised me a City“-Konferenz als Fachleute für experimentelle Stadtgestaltung und die Schaffung von Räumen für produktiven Streit. „Das LAB hat gezeigt, wie wichtig solche Formate sind: Orte, an denen Menschen zusammenkommen, voneinander lernen, gemeinsam neue Perspektiven entwickeln und den Diskurs rund um Stadttransformation nach außen tragen“, so Rebekka Wandt.  

Die zwei Workshop-Tage waren schnell zu Ende. Die übergeordnete Fragestellung jedoch bleibt – und die weitere Auseinandersetzung hat gerade erst begonnen. 

Schwarz weiß Portrait einer Frau mit kurzen Haaren

Karen Schäfer

Juniormitglied der Architektenkammer Niedersachsen

Karen Schäfer schreibt über Architektur, Stadt und Gesellschaft im Kontext aktueller ökologischer wie sozialer Herausforderungen. Sie studierte Architektur und Städtebau an der Leibniz Universität Hannover und hat erste Berufserfahrung im Planungsbüro sowie als Lehrbeauftragte gesammelt. Sie engagiert sich bei Architects For Future und setzt sich als Juniormitglied im Vorstand der Architektenkammer Niedersachsen auch auf berufspolitischer Ebene für eine klima- und sozial gerechte Bauwende sowie die Interessen des beruflichen Nachwuchses ein. Seit 2026 ist sie Kolumnistin für dabonline. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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