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An Ideen mangelt es nicht

Das Forum Baukultur tagte Ende April bei der Architektenkammer Baden-Württemberg in Stuttgart – und legte den Fokus auf „junges Engagement“

Gabriele Renz
08.05.2026 4min
Junge Büros Baukultur Baden-Württemberg
Innenraum an einem Infostand: lachende Teilnehmende blättern in farbigen Heften und machen Notizen; daneben liegen gestapelte Bücher – gelöste, fröhliche Stimmung.
Tagung des Forums Baukultur bei der Architektenkammer Baden-Württemberg
© Leif Piechowski, Forum Baukultur

„Lange Tafeln der Baukultur“

Am Freitag, 19. Juni 2026, veranstaltet das Netzwerk Baukultur bundesweit „Lange Tafeln der Baukultur“. Damit wollen die 1.850 Vereinsmitglieder gemeinsam mit regionalen Baukulturinitiativen an besonderen Orten Baukultur lebendig machen – und das baukulturelle Engagement sichtbar. „Wir gestalten Orte, verwirklichen schöne Ideen und ermöglichen Austausch und Vernetzung!“, lautet das Motto dazu vom Netzwerk. Mitmachen kann jeder und jede, ob als Gast, Gästin, als Gastgeberin oder Gastgeber.  

Link: https://www.bundesstiftung-baukultur.de/foerderverein/netzwerk/lange-tafel-der-baukultur 

Tim Gebhardt und Adrian Sauer, beide mit Studium an der Bauhaus Universität in Weimar, sind zur Veranstaltung in Stuttgart aus Berlin angereist. Mit ihrer „Wasserbank“ gewannen sie den Nachwuchswettbewerb „10 m² Baukultur“ im Rahmen des Jahreskonvents 2024. Die Entwurfsidee bestand darin, ein Stadtmöbel zu schaffen, das Aufenthaltsqualität schafft, Regenwasser auffängt und speichert, um die Pflanzen in den Hochbeeten zu bewässern statt in die Kanalisation als Abwasser zu verlieren, und zugleich die die Anwohner:innen anregt, selbst ein kleines Stück Stadt zu kreieren. Der Wettbewerbsgewinn stellte Öffentlichkeit her, die Aufmerksamkeit garantiert. 

Was dann aber folgte, dürfte typisch sein für den Umgang mit baulichen Innovationen in deutschen Kommunen. „Bisher konnten wir es nur realisieren, wenn uns Private ein Grundstück zur Verfügung stellten oder die Kommune“, berichten Gebhardt und Sauer. Es gab Anfragen, Testläufe. Der Grund: Fragen der Haftung und der fehlende statische Nachweis verhinderten die Genehmigung. Am Ende wurde die Wasserbank ein einziges Mal realisiert – im Schulhof einer Grundschule in Leipzig. Im Grunde zählten eben nicht nur gute Ideen, so die Bilanz der jungen Preisträger. Bei jeder Gestaltungsaufgabe stelle sich die Frage: „Wer initiiert und wer hat ein Interesse daran?“ Letztlich: Wem gehört die Stadt?  

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Wir haben die parkenden Autos auf dem Kieker. Ich persönlich habe die parkenden Wohnmobile auf dem Kieker.

Reiner Nagel

Stiftung Baukultur

„Junges Engagement“ lautete der Titel der Veranstaltung, zu der das “„Offene Forum Baukultur“” Ende April in das Haus der Architektinnen und Architekten nach Stuttgart einlud. Der Förderverein der Bundesstiftung hatte „Baukultur-Talente“ eingeladen, um zu demonstrieren, wie ideenreich, kreativ und lebendig der Nachwuchs ist und sein kann – wenn man ihn denn ließe. 

Ja, es ging um künstliche Intelligenz, aber eben auch um die Bedingungen, unter denen die junge menschliche Ideenlust Chancen auf Umsetzung hat. In einer Umfrage, die Katja Benfer, Landschaftsarchitektin und Professorin an der Uni Hannover, mitbrachte, gibt ein Drittel der befragten jungen Planer:innen an: „Nein, ich würde das Studium nicht mehr wählen.“ Zu viele Hürden. Niederschwellige, offene Wettbewerbe böten auch jungen Büros die Möglichkeit, ihre Vorstellungen einzubringen. Stattdessen, so Gebhardt und Sauer, würden „ganze Stadtteilplanungen an Generalunternehmen vergeben.“ 

Dabei zeigte der Forumstag in Stuttgart, was das „junge Engagement“ draufhat: Die Bandbreite reichte von einem Abrisskollektiv, das Profilseiten abgerissener Bauten erstellt, über einen jungen Landschaftsarchitekten, der Hautkrebs-Präventiva erforscht, bis hin zu angehenden Umweltingenieuren der TU Darmstadt. Diese entwickelten Tools zur Herstellung integraler, 3D-gedruckter Schalungselemente und realisierten sie gemeinsam mit Firmen innerhalb bestehender Normen. Außerdem wurde die Anwendungsplattform „Super Places“ vorgestellt. Sie wurde für Jugendliche entwickelt, damit sie sich „dort einmischen können, wo ihnen kein Angebot gemacht wird“.

Mirjam Schnapper, die im AKBW-Landesvorstand das Netzwerk JunAS der Junior-Architekt:innen vertritt, nennt Nachwuchsförderung eine „Nachhaltigkeitsinitiative in unserem Beruf“. 

Silja Schade-Bünsow vom Förderverein Baukultur ermutigte: „Bleibt weiter dran, dann entsteht noch viel Gutes!“ Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung, wirbt am Ende mit einem Outing: „Wir haben die parkenden Autos auf dem Kieker. Ich persönlich habe die parkenden Wohnmobile auf dem Kieker.“  

Mit „langen Tafeln der Baukultur“ will der Förderverein bundesweit besondere Orte sichtbar machen: Tische aneinanderrücken, Bänke und Stühle dran, Limo und Kuchen drauf und darüber reden, was diesen Ort besonders macht und was sich tun müsste, um ihn zu verbessern. Ein partizipativer Ansatz, der Lösungen wie die „Wetterbank“ hervorbringen könnte.  

Abendliche Netzwerkveranstaltung im Freien: Menschen stehen unter einer Pergola mit Stadtblick im Sonnenuntergang; vorn Infotafel „(Um)Gebauten Lebenswelt“ und eine bunte Tischtennisplatte.
© Leif Piechowski Forum Baukultur

Gabriele Renz

Leitung Kommunikation/ Pressesprecherin Architektenkammer Baden-Württemberg DAB Redaktion Baden-Württemberg
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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