Zwischen Versickerung und Verantwortung
Studiobesuch: Beim Vechtaer Büro Kolhoff Landschaftsarchitekten läuft es gut – aber da ist noch das Thema der Büronachfolge
Wenn Matthias Kolhoff über seinen Weg spricht, wirkt das nicht wie ein Gründungsmythos. Eher wie vieles, das sich mit der Zeit ergeben hat. Studium in Berlin und Höxter, vorher eine Ausbildung als Landschaftsgärtner – etwas, das ihm auf der Baustelle bis heute hilft. Dann die erste Stelle, Straßenbau, A2-Ausbau im Vorfeld der Expo. Irgendwann die Frage: bleiben oder selbstständig machen?
Das Studio
Das Studio
Zwischen Osnabrück und Bremen sitzt ein Büro, das sich zu einer festen Größe entwickeln konnte. Kolhoff Landschaftsarchitekten aus Vechta planen für die Stadt, die Region und für eine grünere Zukunft. Zwischen Entwässerungsnachweis und Freiflächengestaltung setzt das kleine Team um Bürogründer Matthias Kolhoff auf nutzbare Räume statt ikonischer Gesten und steht vor der offenen Frage der Büronachfolge. In einer der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands sind sie eines der wenigen Landschaftsarchitekturbüros, in der Universitätsstadt Vechta sogar das einzige.
Mitte der 1990er wird daraus ein eigenes Büro. Zunächst eher vorsichtig. Kleine Projekte, Privatgärten, wenig Sicherheit. „Ich habe nicht gelebt, ich habe existiert“, sagt er. Das Büro entsteht zunächst zu Hause, später in Goldenstedt. Erst Jahre später, 2011, der Umzug nach Vechta. Dazwischen erste Mitarbeitende, wieder Wechsel, neue Konstellationen. Vieles ergab sich aus dem, was gerade möglich war.
Heute sind die Projekte andere, ohne dass sich der Maßstab grundsätzlich verschoben hätte. Parkanlage, Schulhöfe, Kitas, Außenanlagen, innerstädtische Räume wie in Diepholz, Sögeln, Walsrode oder Lohne. Vieles im kommunalen Bereich, fast alles eigentlich. Kolhoff spricht von etwa 95 Prozent öffentlicher Auftraggeber. Gewerbliche Projekte gibt es auch, aber doch deutlich seltener.
Und dann dieses Thema Wasser, das im Verlauf des Gesprächs immer wieder auftaucht. Versickerung, Rückhaltung, Überflutungsnachweise. Kolhoff hat sich damit früh beschäftigt, zu einer Zeit, als vieles noch per Hand gerechnet wurde. Heute sind es oft genau diese Leistungen, über die Projekte ins Büro kommen. Der Einstieg passiert selten über Gestaltung. Meist geht es erst um einen Entwässerungsnachweis, eine Berechnung, etwas, das geklärt werden muss. Architekturbüros melden sich mit einer konkreten Frage – und daraus entwickelt sich dann mehr. Weitere Leistungsphasen, Folgeprojekte, vertrauensvolle Zusammenarbeit über längere Zeit. Vieles entsteht so, ohne dass man es gezielt darauf anlegt.
zur Person
Matthias Kolhoff
zur Person
Matthias Kolhoff
Ausbildung als Landschaftsgärtner, Studium in Berlin und Höxter. Matthias Kolhoff hat sich und sein Büro in den vergangenen 30 Jahren zu einem unverzichtbaren Part der regionalen Freiraumplanung entwickelt.
Während Kolhoff das beschreibt, sitzen zwei seiner jungen Mitarbeitenden Jule Naber und Fynn Harm daneben, hören zu, ergänzen an einzelnen Stellen. Naber ist seit 2019 im Büro, inzwischen als Landschaftsarchitektin in die Architektenliste eingetragen. Harm ist seit rund eineinhalb Jahren dabei, noch ohne Master, aber fest im Tagesgeschäft. Kolhoff nennt beide seine Stützen.
Was sie an der Arbeit reizt, lässt sich schwer auf einzelne Projekte festlegen. Naber spricht davon, dass es vor allem die Nutzung ist, die zählt. Räume, die angenommen werden. Schulhöfe, auf denen tatsächlich gespielt wird, Plätze, die funktionieren. Es geht weniger um das einzelne Objekt als um Situationen, die im Alltag bestehen. Vielleicht ersetzt das so etwas wie das klassische „Traumprojekt“.
Der Blick geht immer wieder zurück ins Team. Matthias Kolhoff ist Anfang 60, denkt darüber nach, wie lange er weitermachen will und wie es danach aussehen könnte. Bis 70 will er noch machen, oder muss er, wie er sagt. Die Idee einer Übergabe an seine Mitarbeitenden steht im Raum, bleibt aber vage. Aus dem eigenen Team kommt Zurückhaltung. Ein eigenes Büro führen wollen Naber und Harm nicht. Die Verantwortung liege dann plötzlich nicht mehr nur im Projekt, sondern in allem drum herum: Personal, Organisation, wirtschaftliche Risiken. Ob sich an diesen Gedanken später im Leben etwas ändern wird, können beide noch nicht sagen.
1998
Gründung Kolhoff Landschaftsarchitekten. Zunächst zu Hause im Kleinen.
2011
Umzug nach Vechta. Dort, wo jetzt nach einigen Jahren Routine sichtbar ist. Motivierte Mitarbeitende und ausreichend Projekte – in Vechta funktioniert’s.
Dem Büro geht es wie vielen: Führungspersonal zu finden ist schwierig. Klassische Anzeigen bringen wenig Resonanz, die digitalen Plattformen viele Bewerbungen, aber nicht unbedingt passende. Sprachliche Hürden, fehlende Erfahrung, unterschiedliche Erwartungen, erfolgsversprechende Bewerbungen gibt es kaum. Kolhoff überlegt, ob er externe Unterstützung hinzuzieht, Recruiting, hohe Kosten, keine Garantie. Wer führt das Büro eines Tages weiter? Man merkt, dass ihn das Thema beschäftigt.
Ich habe nicht gelebt, ich habe existiert.
Matthias Kolhoff, Inhaber
InhaberAuch der Standort spielt mit hinein. Vechta ist kein klassischer Architekturstandort, aber dennoch ein funktionierender Arbeitsort. Günstiger Wohnraum, kurze Wege, eine gewisse Ruhe. Harm kommt aus Hamburg, beschreibt den Wechsel von der Metropole aufs Land als spürbar, aber nicht als Verlust. Andere Prioritäten, weniger Verdichtung, mehr Raum. Osnabrück, Bremen sind erreichbar, wenn man sie braucht. Mit Hannover tauschen will keiner. Als Universitätsstandort ist Vechta reich an jungen Menschen, die in die Region ziehen. Geringe Arbeitslosigkeit, eine der wirtschaftsstärksten Regionen Deutschlands, hohe Lebensqualität. Aber eben nur ein einziges Landschaftsarchitekturbüro.
Kolhoff sieht die Region im Wandel. Früher habe man oft erklären müssen, was Landschaftsarchitektur überhaupt ist. Heute ist das weniger ein Thema. Auch weil sich die Anforderungen verändert haben. Genehmigungen, technische Nachweise, Abstimmungen mit Investoren – Landschaftsarchitektur ist Teil dieser Prozesse geworden. Nachhaltigkeit läuft dabei mit. Regenwasser, Rückhaltung, Bepflanzung. Gleichzeitig hängt vieles davon an den Auftraggebern. Wenn Budgets enger werden, wird zuerst im Außenraum gespart. Das sei nach wie vor so. Unterschiede zwischen den Landkreisen sind spürbar. Einige legen mehr Wert auf Klima- und Wasserfragen, andere weniger. Das zeigt sich von Projekt zu Projekt unterschiedlich.
Ein Bereich, der sich verändert hat, ist die Beteiligung, die Partizipation. Arbeitskreise, Bürgerabende, Abstimmungen zu Materialien und Nutzungen. Alle vorab an einen Tisch setzen ist präsenter denn je. Häufig kommen auch wichtige Hinweise aus diesen Prozessen, die man selbst nicht gesehen hätte, sagt Kolhoff. Gleichzeitig können Diskussionen schnell kippen, wenn viele Interessen aufeinandertreffen. Es hat alles sein Für und Wider, wie so vieles in Vechta.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Bremen, Niedersachsen
Nils Marius Kirschstein
Referent Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Niedersachsen DAB Redaktion NiedersachsenDas könnte Sie auch interessieren
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