Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Dortmunder Büro plant „King Salman Park“ in Riad

Studiobesuch: Prof. Eckhard Gerber über ein Megaprojekt der ökologischen Stadterneuerung in Saudi-Arabien

Frank Maier-Solgk
15.04.2026 6min
Parkprojekt in Riad: Der King Salman Park von Gerber Architekten hat den RIBA Middle East Award erhalten. © Visualisierung: Gerber Architekten.

Fünfmal größer als der New Yorker Central Park und damit der größte innerstädtische Park der Erde soll er werden: Der „King Salman Park“ in Riad sprengt wie vieles andere in Saudi-Arabien alle Rekorde. Die Leitung des Projekts hatten Gerber Architekten inne. Das Projekt gilt als Schlüsselinitiative der „Vision 2030“, eines Regierungsprogramms von Saudi-Arabien, und steht modellhaft für ökologische Stadterneuerung in klimatisch vergleichbaren Regionen. Wir sprachen mit Prof. Eckhard Gerber über den Stand der Dinge.

Der King Salman Park in Riad wurde gerade mit dem britischen RIBA-Award als nachhaltiges Zukunftsprojekt ausgezeichnet. Wie sieht es vor Ort derzeit aus?

Eckhard Gerber: Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Ende 2026 sollen erste Teile des Parks zugänglich sein, aber natürlich benötigt ein Gelände von 17 qkm viele Jahre, bis es das ist, was man sich unter einer grünen Oase vorstellt. Wir selbst haben unsere Planungen abgeschlossen, sind noch mit sechs Mitarbeiter:innen vor Ort. Die Ingenieurplanung erfolgt gemeinsam durch die Ingenieurbüros Setec (Paris) und Happold (Riad/Berlin), in einem Joint Venture unter unserer Leitung. Nur am Rande: Ich bin selbst als Landschaftsarchitekt in die Architektenkammer NRW eingetragen und auch seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig. 

ANZEIGE
ANZEIGE

Eine Million Bäume und viele Millionen Pflanzen müssen bewässert werden. Enorme Erdbewegungen für Terrainbildung und Wege sind erforderlich. Kann so ein Riesenprojekt ökologisch sein?

EG Die Bewässerung des King Salman Parks ist eines der entscheidenden Themen. Sie erfolgt hier hauptsächlich über das Abwasser dieser fast zehn Millionen Menschen großen Stadt, wobei das Wasser bereits vorgeklärt ist und an zwei Stellen als See an die Oberfläche tritt. Wir haben uns bei der Bepflanzung des Parks nicht für wasseraufwendige Bäume wie z. B. Palmen, sondern für Akazien, Oliven und Wacholder entschieden; 60 bis 70 % der Pflanzen kommen aus der Region. Für die Bäume und Pflanzen muss in der Tat eine gut 2 m dicke Erdschicht aufgebaut werden, aber eben nur dort. Die Wege liegen auf dem vorhandenen Felsen. 

Was erwarten die Verantwortlichen von dem Park?

EG Im Park entstehen gerade auch mehrere Kultureinrichtungen wie das ebenfalls von uns geplante „Museum der Erde“, aber auch das „Museum der Weltkulturen“. Der Park wird einen sehr positiven klimatischen Einfluss auf die Stadt Riad haben, mit einer Temperaturreduzierung bis zu zwölf Grad Celsius. Darüber hinaus wird er sternförmig in das urbane Umfeld greifen und sowohl als Freizeitangebot als auch als zukünftiges Wohnumfeld mit hoher Aufenthaltsqualität dienen.

Und wie sieht die politische Entwicklung in Saudi-Arabien aus? Sie kennen das Land seit vielen Jahren.

EG Alles ist freizügiger und offener geworden. Auch Frauen spielen im Stadtbild eine neue, positive Rolle und spiegeln das neue Lebensgefühl des Landes wider. Unsere Architektur verstehen wir in diesem Zusammenhang als soziales und gesellschaftspolitisch positives Wirken. 

Prof. Dipl.-Ing. Eckhard Gerber

Architekt und Hochschullehrer, führt das international tätige Büro Gerber Architekten in Dortmund mit Standorten in Hamburg, Berlin, Münster, Düsseldorf, Riad und Shanghai. Für seine Arbeit als Architekt und kultureller Brückenbauer ist Gerber 2021 mit dem Landesverdienstorden NRW geehrt worden.


Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für Nordrhein-Westfalen.

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Farbige Illustration einer zukunftsorientierten Stadt auf türkisem Hintergrund. Zeigt ein integriertes Stadtökoystem: links historische und neue Gebäude mit begrüntem Dach und Nutzgarten, zentral diverse Menschen verschiedener Generationen und Kulturen im öffentlichen Raum, oben orange Wärme-Symbol zwischen Gebäuden, rechts moderne Architektur mit Baustelle und Kran. Unten nachhaltige Energiequellen: Windkraftanlage mit orangem Rotorblatt und Solarhaus mit Gemüseanbau. Alles vernetzt durch gepunktete Linien und umgeben von grünen Bäumen."

Gestaltungsbeiräte stärken Baukultur in Städten und Gemeinden

Wie lässt sich Baukultur sichern, ohne Kommunen finanziell zu überfordern? Unabhängige Beratungsgremien sparen Zeit und Kosten – und verbessern zugleich die Planungsqualität.

Baukultur Bundesweit
08.06.2026
Ernst-Ehrlicher-Park aus der Vogelperspektive fotografiert

Ernst-Ehrlicher-Park

Tag der Architektur: Die Sanierung des Ernst-Ehrlicher-Parks verbindet Denkmalpflege mit Klimaanpassung. Historischer Landschaftsraum und ökologische Funktionen werden gemeinsam gestärkt.

Projekte Niedersachsen
16.06.2026
Zahlreiche Menschen schwimmen in einem Fluss unter einer Brücke in einer Großstadt. Im Hintergrund sind ein historischer Dom und ein Fernsehturm zu sehen, während Menschen das Geschehen vom Ufer aus beobachten.

Der Fluss als öffentlicher Raum

Kanäle, Häfen, Flüsse: Was passiert, wenn Städte ihre Gewässer nicht länger nur als Infrastruktur begreifen, sondern als Teil des öffentlichen Lebens?

Baukultur Bundesweit
13.07.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven Newsletter!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.