Dortmunder Büro plant „King Salman Park“ in Riad
Prof. Eckhard Gerber über ein Megaprojekt der ökologischen Stadterneuerung in Saudi-Arabien
Fünfmal größer als der New Yorker Central Park und damit der größte innerstädtische Park der Erde soll er werden: Der „King Salman Park“ in Riad sprengt wie vieles andere in Saudi-Arabien alle Rekorde. Die Leitung des Projekts hatten Gerber Architekten inne. Das Projekt gilt als Schlüsselinitiative der „Vision 2030“, eines Regierungsprogramms von Saudi-Arabien, und steht modellhaft für ökologische Stadterneuerung in klimatisch vergleichbaren Regionen. Wir sprachen mit Prof. Eckhard Gerber über den Stand der Dinge.
Der King Salman Park in Riad wurde gerade mit dem britischen RIBA-Award als nachhaltiges Zukunftsprojekt ausgezeichnet. Wie sieht es vor Ort derzeit aus?
Eckhard Gerber: Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Ende 2026 sollen erste Teile des Parks zugänglich sein, aber natürlich benötigt ein Gelände von 17 qkm viele Jahre, bis es das ist, was man sich unter einer grünen Oase vorstellt. Wir selbst haben unsere Planungen abgeschlossen, sind noch mit sechs Mitarbeiter:innen vor Ort. Die Ingenieurplanung erfolgt gemeinsam durch die Ingenieurbüros Setec (Paris) und Happold (Riad/Berlin), in einem Joint Venture unter unserer Leitung. Nur am Rande: Ich bin selbst als Landschaftsarchitekt in die Architektenkammer NRW eingetragen und auch seit vielen Jahren in diesem Bereich tätig.
Eine Million Bäume und viele Millionen Pflanzen müssen bewässert werden. Enorme Erdbewegungen für Terrainbildung und Wege sind erforderlich. Kann so ein Riesenprojekt ökologisch sein?
EG Die Bewässerung des King Salman Parks ist eines der entscheidenden Themen. Sie erfolgt hier hauptsächlich über das Abwasser dieser fast zehn Millionen Menschen großen Stadt, wobei das Wasser bereits vorgeklärt ist und an zwei Stellen als See an die Oberfläche tritt. Wir haben uns bei der Bepflanzung des Parks nicht für wasseraufwendige Bäume wie z. B. Palmen, sondern für Akazien, Oliven und Wacholder entschieden; 60 bis 70 % der Pflanzen kommen aus der Region. Für die Bäume und Pflanzen muss in der Tat eine gut 2 m dicke Erdschicht aufgebaut werden, aber eben nur dort. Die Wege liegen auf dem vorhandenen Felsen.
Was erwarten die Verantwortlichen von dem Park?
EG Im Park entstehen gerade auch mehrere Kultureinrichtungen wie das ebenfalls von uns geplante „Museum der Erde“, aber auch das „Museum der Weltkulturen“. Der Park wird einen sehr positiven klimatischen Einfluss auf die Stadt Riad haben, mit einer Temperaturreduzierung bis zu zwölf Grad Celsius. Darüber hinaus wird er sternförmig in das urbane Umfeld greifen und sowohl als Freizeitangebot als auch als zukünftiges Wohnumfeld mit hoher Aufenthaltsqualität dienen.
Und wie sieht die politische Entwicklung in Saudi-Arabien aus? Sie kennen das Land seit vielen Jahren.
EG Alles ist freizügiger und offener geworden. Auch Frauen spielen im Stadtbild eine neue, positive Rolle und spiegeln das neue Lebensgefühl des Landes wider. Unsere Architektur verstehen wir in diesem Zusammenhang als soziales und gesellschaftspolitisch positives Wirken.
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026 für Nordrhein-Westfalen.
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