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Keine bodentiefen Fenster

Der Deutsche Architekturpreis 2025 für „Franklin Village“ ist auch eine Auszeichnung für den in Baden-Württemberg gepushten Holzbau.

Architektenkammer Baden-Württemberg
22.12.2025 4min
Farbenfrohe Fassaden und Balkone einer modernen Wohnanlage, mit einer Person auf der Terrasse.
Für unterschiedliche Wohnbedürfnisse wird eine Vielfalt an Wohnungstypologien und -größen angeboten. Der bunte Mix an Wohnungsgrößen verteilt sich auf allen Geschossebenen. © Jan Bitter/Sauerbruch Hutton

Kopenhagen-Feeling in Mannheim: „Hier gibt es kaum bodentiefe, dafür umso mehr quadratische Fenster, und alle haben sie eine höchst ungewöhnliche Fensterbank: kniehoch und sehr tief, wirklich eine Bank. Wie von selbst lässt man sich nieder: um in Ruhe zu lesen oder auch nur, weil ja auf dem Sofa schon der Hund liegt.“ Während in den üblichen Neubauvierteln immer noch für die Vater-Mutter-Kind-Familie geplant werde, hätten die Architekten des Berliner Büros Sauerbruch Hutton mit dem Mehrgenerationen-Wohnquartier in Holzhybridbauweise auf dem namensgebenden, ehemaligen  US-Militärgelände eine erstaunliche Vielfalt variantenreicher Grundrisse entwickelt, von Einzimmerwohnungen für Singles bis zu Cluster-Apartments mit fünf, sechs Räumen, in denen Menschen mit Assistenzbedarf zusammenleben. So schreibt die „Zeit“.  

10.000 Menschen

werden im neuen Stadtteil „Franklin Village“ in Mannheim wohnen – die Revitalisierung eines der größten ehemaligen Wohngebiete der in Europa stationierten US-Streitkräfte.

Die Jury des Deutschen Architekturpreises 2025 war angetan von der Verweilqualität der Plätze zwischen den Gebäuden, die Bewohner wie Passanten gleichermaßen einlade. Zusätzlich bilde ein Quartiersforum als „erweitertes Wohnzimmer“ den sozialen Mittelpunkt des Projekts – mit Lounge, Co-Working und Multifunktionsraum.  Hervorgehoben wird die beispielhafte Nachverdichtung, die inklusive Dimension, das soziale Miteinander. Es ist der Beleg, dass sich bezahlbarer Mietwohnungsbau und architektonischer Anspruch verbinden lassen. Davon konnte sich die interessierte Öffentlichkeit am Tag der Architektur 2025 einen eigenen Eindruck verschaffen. Die AKBW-Kammergruppe Mannheim bot eine Tour „hinter die Kulissen“ des Franklin Village in Mannheim an. Projektverantwortliche des Berliner Büros Sauerbruch Hutton und Ehrenamtliche der Kammer erläuterten Anforderungen und Bedingungen sowie die dahinterstehende Entwurfsidee.  

Der Deutsche Architekturpreis für das Franklin Village ist auch ein Preis für den Baustoff Holz. Das Land Baden-Württemberg und die EU förderten das 27-Millionen-Vorhaben durch das „Holz Innovativ Programm“ mit rund 500.000 Euro. Auch die „Holzbauoffensive“ des Landes, die von einer Fortbildungskooperation mit der Architektenkammer BW begleitet wird, behandelte das Franklin Village als vorbildhaftes Anschauungsprojekt, das zeige, „wie die dringend notwendige Bauwende gelingen kann“, so Minister Peter Hauk. Als eines der ersten größeren sozialräumlich und ökologisch entwickelten Wohnprojekte in Deutschland verbinde es die Aspekte einer zukunftsweisenden gesellschaftlichen, ökologischen und ökonomischen Nachhaltigkeit im Wohnungsbau.  

Aus der Projektbeschreibung der Architekten Sauerbruch Hutton, Berlin

„Der Entwurf folgt dem Grundgedanken einer umfassenden Zielgruppenvielfalt bei sozialer Durchmischung. Vier Neubauten mit diversen Wohntypologien gruppieren sich um einen gemeinsamen Innenhof. Ihre Erschließung erfolgt über stützenfreie und mit etwas Abstand vor der Außenwand angehängte Laubengänge, die auf breiten Terrassen eine Aneignung durch die Bewohner und spontane Begegnungen ermöglichen.  

Die Neubauten sind in Holzrahmenkonstruktion mit Holz-Beton-Verbunddecken erstellt. Zusätzlich wurde ein Bestandsgebäude an der Nordostseite des Grundstücks saniert und durch eine zweigeschossige Aufstockung in Holzbauweise erweitert. Das Achsraster der Holzrahmenkonstruktion bildet eine konstruktive Grundlage, die auf einfache Weise eine hohe Grundrissvariabilität ermöglicht. Jeder Wohnungstyp wurde in zwei verschiedenen Größen angelegt, sodass Grundrisse mit Nord-Süd-Ausrichtung durch ihre geringere Tiefe das Tageslicht besser ausnutzen. Insgesamt wurde eine Vielfalt von Wohnungsgrößen wirtschaftlich umgesetzt, die mit den Flächenanforderungen unterschiedlicher Wohn- und Lebensbedürfnisse korrespondiert und Anpassungsmöglichkeiten für die Zukunft bietet.“ 

 

Statik Pirmin Jung Deutschland GmbH (Holzbau) Schmidt & Laabs Ingenieurgesellschaft mbH (Massivbau) 

 

Haustechnik IBA Gebäu → https://franklin-village.com/ 

 

→ Zum Video: Interview mit Vera Hartmann, Geschäftsführung Sauerbruch Hutton

„Architektonisch überzeugt Franklin Village durch eine klare, unaufgeregte Sprache und kompromisslose Qualität im Holzbau“, so die DAP-Jury. „Die räumlichen Lösungen zeigen eindrucksvoll, wie Nachhaltigkeit und Gestaltung Hand in Hand gehen können.“ Franklin Village sei „mehr als ein Wohnbauprojekt – es ist ein Statement für eine zukunftsfähige Stadtgesellschaft: vielfältig, nachhaltig, schön.“ Und dies, obwohl die Konstruktion der von Plattenbauten ähnelt. Sauerbruch Hutton plante mit kostenminimierenden Holzfertigteilen. „Wir bauen seriell und es wäre unheimlich blöd, es nicht zu tun. Es ist einfach eine sehr gute Bauweise. Der Prozess geht schneller, man hat saubere Baustellen“, sagte Vera Hartmann von Sauerbruch Hutton im AKBW-Interview. Schon vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels sei dies ein Stück weit die Zukunft. Aber: „Das heißt nicht, dass die Architektur nicht individuell sein kann.“ 

 Ansicht eines modernen, mehrstöckigen Holzgebäudes mit begrünten Terrassen und Balkonen.
Ein Leuchtturmprojekt für das Thema „Holzbauweise im Geschosswohnungsbau“: Für ein Einfamilienhaus aus Holz braucht es ca. zehn Bäume (drei Kubikmeter Holz); das ausführende Vorarlberger Holzbauunternehmen Oa.sys braucht etwa 2.500 Bäume (750 m3 Holz), um das Franklin Village zu bauen. © Jan Bitter/Sauerbruch Hutton
Blick auf eine moderne Wohnanlage mit umgebendem Garten und treppenartig angeordneten Terrassen.
Fokus Sozialraum: Das Gesamtensemble um einen großen Innenhof steht Bewohnern ebenso zur Verfügung wie das „Quartiersforum“ mit einem barrierefreien Multifunktionsraum mit Küche, Lounge und Dachgarten. © Jan Bitter/Sauerbruch Hutton
Junge Person und Hund auf einem Balkon einer Wohnanlage mit Treppe und Garten.
Die Architekten von Sauerbruch Hutton (Berlin) entwickelten das „Franklin Village“ im konstruktiven Holzbau. Es ist das größte Holzbauprojekt in Mannheim und eines der größten landesweit. © Jan Bitter/Sauerbruch Hutton
Blick auf farbige Fassaden und Treppen der Wohnanlage, mit hellen, begrünten Außenbereichen.
Die Erschließung der Wohnebenen erfolgt über stützunfreie und mit etwas Abstand von der Außenwand angehängte Laubengänge, die auf breiten Terrassen soziales Miteinander im Alltag ermöglichen. Die Farbgebung der Untersichten und Schotten akzentuiert diese besonderen Räume. © Jan Bitter/Sauerbruch Hutton

Architektenkammer Baden-Württemberg

Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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