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„Wir wollen die Profession mitgestalten“

Was bewegt junge Planende, sich berufspolitisch zu engagieren? Drei Mitglieder des Juniorausschusses der BAK sprechen im Interview über Kammerarbeit, Berufswege und die Zukunft ihrer Profession.

Eva Maria Herrmann
03.09.2026 10min
"Gruppenfoto von etwa 25 Personen verschiedenen Alters und Geschlechts, die nebeneinander auf einer Wiese vor einem modernen Gebäude mit großen Glasfenstern stehen. Über dem Eingang ein rosafarbenes Schild mit 'JOURNEY'-Aufschrift. Ein weißer Sonnenschirm ist rechts sichtbar. Klare Herbsttag mit bewölktem Himmel."
Mitglieder des Juniorausschusses der BAK: Vorne v.l.n.r.: Dustin Buddenberg, Felix Beyer, Paula Wätzold, Sarah Schmidt, Antonia Rieß, Alija Dolo Wernicke, Samuel Zeyse Hinten v.l.n.r.: Jakob Krauss, Pauline Holtz, Nina Herth, Janine Müller, Hanna Potulski, Michèle Eichhorn, Jana Krippleben, Luisa Meyer-Böwing, Karen Schäfer, Matthias Malicki, Mirjam Schnapper, Stephan Weber
© BAK

Die Arbeit von Janine Müller, Paula Wätzold und Hanna Potulski findet in einem kleinen Planungsbüro, im Bereich der Denkmalpflege sowie an einer Hochschule statt. Ihre Berufswege könnten unterschiedlicher kaum sein. Einig sind sie sich jedoch darin, dass die Zukunft der Architekt:innen und Stadtplaner:innen nicht nur entworfen, sondern auch berufspolitisch mitgestaltet werden muss. 

DAB: Sie kommen aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Wie sah Ihr Weg in den Beruf aus?

Paula Wätzold: Meine Begeisterung für die Denkmalpflege war eigentlich schon vor dem Studium vorhanden. Nach der Schule habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Jugendbauhütten absolviert und bin diesem Thema seitdem treu geblieben. Anschließend habe ich Architektur an der BTU Cottbus studiert und danach immer in Büros gearbeitet, die sich mit Bestand und Denkmalpflege beschäftigt haben. Heute betreue ich bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz bundesweit die Bauprojekte der Jugendbauhütten.

Hanna Potulski: Die akademische Ausbildung in den Bereichen Architektur und Stadtplanung absolvierte ich an der RWTH Aachen sowie in der Schweiz. Nach dem Abschluss ging ich zunächst in ein Planungsbüro und war parallel dazu als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Städtebau tätig. Dort arbeite ich bis heute, unterrichte Studierende und promoviere zur Weiterentwicklung von Hochschul- und Universitätsstandorten aus städtebaulicher Perspektive.

Janine Müller: Das Architekturstudium hat mich zunächst nach Wismar und später nach Dessau geführt. Bereits während des Bachelors bin ich in das Büro gekommen, in dem ich bis heute arbeite. Wir sind nur zu viert und decken alle Leistungsphasen ab. Für mich war das von Anfang an ideal, weil man früh Verantwortung übernimmt, unglaublich viel Praxis mitbekommt und die Möglichkeit der Eintragung geboten wird.

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Viele junge Kolleg:innen haben doch eher Berührungsängste. Warum engagieren Sie sich im Juniorausschuss der BAK?  

Wätzold: Für mich gehörte der Titel Architektin immer dazu. Schon während des Studiums war mir klar, dass ich ihn unbedingt tragen möchte. Als sich die Brandenburgische Architektenkammer damals an der Hochschule vorgestellt hat, dachte ich: Genau das ist mein Ziel – ich möchte wirklich Teil dieser Profession sein. Im Nachhinein habe ich mich vielleicht ein bisschen zu sehr darauf versteift, denn der Weg in die Kammer war dann doch länger als gedacht. Aber es hat sich gelohnt. 

Über einen Strategietag der Berliner Architektenkammer bin ich eher zufällig in eine Newcomer-Gruppe geraten. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt mein Engagement im Juniorausschuss. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal berufspolitisch aktiv werden würde. Aber es macht einfach Spaß. Man baut unglaublich schnell ein Netzwerk auf und manchmal ergeben sich daraus sogar ganz konkrete Chancen. So habe ich meinen zweiten Job über jemanden bekommen, den ich aus der Kammer kannte.

Potulski: Ausgangspunkt war bei mir ebenfalls die Eintragung. Da meine Tätigkeit an der Hochschule von den Kammern nicht als praktische Berufserfahrung anerkannt wird, habe ich parallel im Planungsbüro gearbeitet. Über Kolleginnen und Kollegen bin ich eher zufällig in die Kammerarbeit hineingerutscht. Mich interessierte, welches Netzwerk dort entsteht und welche anderen Einblicke man in den Berufsstand bekommt. Dabei ging es uns nie nur um Kammerpolitik. Uns war wichtig, junge Planerinnen und Planer miteinander ins Gespräch zu bringen und einen Ort zu schaffen, an dem sie Erfahrungen teilen und voneinander lernen können. 

Als in Nordrhein-Westfalen erstmals Juniorplanerinnen und Juniorplaner zur Kammerwahl antreten konnten, haben wir „Junior:innen NRW“, eine verbandsunabhängige, fachgebietsübergreifende Gruppe junger Planer:innen gegründet. Damals ist uns aufgefallen, dass erfahrene Kolleginnen und Kollegen meist hervorragend vernetzt sind. Nach dem Berufseinstieg fehlt jungen Planerinnen und Planern dieses Netzwerk jedoch häufig. Genau deshalb wollten wir junge Kolleginnen und Kollegen stärker miteinander verbinden.

Müller: In Sachsen-Anhalt sieht die Situation noch einmal anders aus. Unser erster Kontakt zur Kammer entstand bereits über die Hochschule und die direkte Ansprache an mich. Gleichzeitig merken wir, wie schwierig es ist, Nachwuchs im Land zu halten. Viele Absolventinnen und Absolventen gehen nach Berlin oder Leipzig und wir sind eine verhältnismäßig kleine Kammer. Unser Netzwerk steckt deshalb derzeit noch am Anfang. Gerade das motiviert mich aber. Ich möchte mithelfen, Strukturen aufzubauen, von denen nachfolgende Generationen profitieren können, und wir können vom Austausch im Juniorausschuss viele Ideen mitnehmen. 

Was macht der Juniorausschuss der BAK eigentlich?

Müller: Alles hat als Initiative einiger junger Kolleginnen und Kollegen angefangen, die sich bundesweit vernetzen wollten. Ursprünglich wollten wir nur eine Arbeitsgruppe gründen. Daraus wurde dann überraschend schnell ein offizieller Ausschuss der Bundesarchitektenkammer. Das war für uns ein wichtiges Signal, weil damit klar wurde: Nachwuchs ist kein temporäres Thema. Es wird den Berufsstand dauerhaft begleiten. 

Inzwischen haben wir eine ziemlich lange Themenliste. Teilweise wissen wir selbst gar nicht, womit wir anfangen sollen. Nachwuchsgewinnung, Juniormitgliedschaft, Berufseinstieg, faire Arbeitsbedingungen, Hochschulen, Eintragung, Rente – unser Miro-Board ist immer voller geworden. Es wurde uns sogar gespiegelt, dass selten ein neuer Ausschuss mit einem so umfangreichen Arbeitsprogramm gestartet ist. Die Resonanz war sehr motivierend.

Wätzold: Eines unserer ersten Themen war die Juniormitgliedschaft. Dabei haben wir festgestellt, wie unterschiedlich die Regelungen in den einzelnen Bundesländern sind. Daraus entstand die Idee eines Kammerguides, der diese Unterschiede sichtbar macht. Dieser wird im Herbst veröffentlicht und soll den Nachwuchs in allen Phasen begleiten und bei Entscheidungen unterstützen. Inzwischen beschäftigen wir uns außerdem mit Fragen wie: Wie erreichen wir Studierende? Welche Angebote benötigen Berufseinsteiger:innen? Wie kann Ehrenamt attraktiver werden? Und natürlich diskutieren wir immer wieder darüber, wie sich unser Berufsbild verändert. 

Was meinen Sie mit der Veränderung des Berufsbildes?

Potulski: Wir haben im Ausschuss intensiv darüber gesprochen, dass sich die Berufswirklichkeit verändert hat. Viele junge Architekten und Architektinnen arbeiten heute nicht mehr in klassischen Architekturbüros, die alle Leistungsphasen abdecken. Sie sind an Hochschulen, in der Forschung, in Verwaltungen, Stiftungen und anderen Bereichen tätig. Trotzdem verstehen sie sich selbstverständlich als Teil unseres Berufsstandes. Genau darüber diskutieren wir. 

Uns ist bewusst, dass bestimmte Eintragungsvoraussetzungen eng mit der Bauvorlageberechtigung zusammenhängen. Gleichzeitig stellen wir uns die Frage, wie sich die Profession weiterentwickeln und zukunftsfähig machen lässt und auch diesen Kollegen und Kolleginnen ein Zugang zur Kammer ermöglicht werden kann. Das sind Überlegungen, über die wir gerade diskutieren. Zu einem Ergebnis sind wir noch nicht gekommen. Aber genau dieser Dialog ist wichtig. 

Wie offen sind die Kammern für neue Ideen und ungewohnte Perspektiven?

Müller: Wir erleben wirklich große Unterstützung. Uns wurde nie gesagt: „Lasst das lieber.“ Im Gegenteil. Aus dem Präsidium kam immer wieder die Ermutigung: „Diskutiert diese Themen, geht da rein und denkt sie weiter.“ Natürlich folgt irgendwann die juristische Prüfung, bei der manche Dinge möglicherweise anders bewertet werden. Aber genau dafür gibt es diese unterschiedlichen Ebenen.

Wätzold: Unsere Sitzungen sind tatsächlich ein geschützter Raum. Irgendwann merkt man gar nicht mehr, wer Juniorplaner:in ist und wer im Präsidium sitzt. Alle diskutieren auf Augenhöhe. Erst später kommt die Ebene, auf der geprüft wird, was rechtlich möglich ist. Zunächst kann man aber Ideen wirklich offen entwickeln.

Potulski: Ich finde genau dieses Gespräch über die Zukunft unseres Berufs sehr wertvoll. Vielleicht werden nicht alle Ideen umgesetzt. Wenn wir aber darüber sprechen, wie wir unsere Profession weiterentwickeln und zukunftsfähig machen können, dann ist schon viel gewonnen. 

Was antworten Sie auf die Frage „Was bringt mir die Kammer eigentlich?“?

Wätzold: Ich kann nur empfehlen, einfach einmal zu einer Veranstaltung zu gehen. Die Formate sind unglaublich vielfältig und reichen weit über Fortbildungen hinaus. Ich war zum Beispiel in Berlin in einem Kammerforum zum Thema Regenwassermanagement. Solche Abende erweitern den Horizont und bringen einen mit Menschen zusammen, die man sonst nie kennengelernt hätte. Und irgendwann merkt man: Wir beschäftigen uns alle mit ähnlichen Fragen.

Potulski: Natürlich hört man auch: „Ich zahle Beiträge, muss Fortbildungen machen oder brauche vielleicht gar keine Bauvorlageberechtigung.“ Aber die Kammer bietet eben viel mehr. Man kann seinen Berufsstand aktiv mitgestalten, Wissen weitergeben und selbst neue Themen einbringen – von KI in der Planung bis hin zu Baustellenbesuchen oder Netzwerktreffen.

Müller: Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, warum die Kammer für viele junge Menschen immer noch etwas Unnahbares hat. Deshalb diskutieren wir viel darüber, wie niedrigschwellige Angebote aussehen können. Niemand sollte das Gefühl haben, erst jahrelange Berufserfahrung sammeln zu müssen, um einfach einmal vorbeizuschauen.

Welche Herausforderungen der Zukunft stehen auf der Agenda?

Wätzold: Für mich steht die Bauwende ganz klar im Mittelpunkt. Nachhaltigkeit und Bauen im Bestand sind schon lange keine Nischenthemen mehr. Sie prägen inzwischen fast alle Diskussionen über unseren Beruf.

Potulski: Zusätzlich beschäftigt mich die Frage, wie junge Büros heute überhaupt noch entstehen können. Uns wurde im Studium oft vermittelt: Man macht Wettbewerbe, gewinnt irgendwann einen und gründet dann sein eigenes Büro. Diese Realität erleben viele heute jedoch nicht mehr. Vergabeverfahren haben sich verändert, Wettbewerbe werden seltener und gerade kleinen Büros fällt es deutlich schwerer, sich am Markt zu etablieren. Wie wir trotzdem eine vielfältige Bürolandschaft erhalten können, ist eine der großen Zukunftsfragen.

Müller: Das erleben wir ganz ähnlich. Gerade kleine Büros sind wichtig, besonders außerhalb der großen Städte. Gleichzeitig wird es schwieriger, sie langfristig weiterzuführen oder Nachfolgerinnen und Nachfolger zu finden. Deshalb beschäftigen wir uns auch mit neuen Formaten, die Büroinhaber:innen mit jungen Absolvent:innen zusammenbringen. Solche Ideen können dabei helfen, bestehende Strukturen zu erhalten. Ein gutes Beispiel sind die Speed-Dating-Formate einiger Länderkammern. Dort kommen Büroinhaber:innen mit potenziellen Nachfolger:innen ins Gespräch. Gerade für kleine Büros können sich daraus ganz neue Perspektiven ergeben. 

Was stimmt Sie optimistisch?

Potulski: Wir haben einen der schönsten Berufe überhaupt, denn wir können unsere Umwelt aktiv mitgestalten. Wir schaffen Räume für Menschen und können so ihre Lebensqualität verbessern. Genau das versuche ich auch meinen Studierenden mitzugeben. Gleichzeitig möchte ich sie ermutigen, ihren Berufsstand mitzuentwickeln und diese Verantwortung nicht auf spätere Generationen zu verschieben.

Wätzold: Gleichzeitig ist unser Beruf heute viel vielfältiger geworden. Wenn der eine Weg irgendwann nicht mehr passt, gibt es viele andere Möglichkeiten, die eigenen Fähigkeiten einzubringen. Gerade deshalb finde ich Netzwerke so wichtig. Man weiß nie, wann Begegnungen oder neue Themen später einmal weiterhelfen.

Müller: Ich wünsche mir, dass sich junge Kolleginnen und Kollegen möglichst früh einbringen und ruhig laut sind. Unsere Profession lebt vom Diskurs. Während unseres Studiums lernen wir ständig, Entwürfe zu verwerfen und neu zu denken. Warum sollte das für unseren Berufsstand anders sein? Jede neue Perspektive kann ihn bereichern. 

"Drei Frauen vor grauem Hintergrund: Links Frau mit braunem schulterlangem Haar in dunklem Shirt, Mitte Frau mit langen braunen Haaren in dunkelblauen Hemd, rechts Frau mit schwarzen Haaren in grauem Strickpullover. Alle blicken unterschiedliche Richtungen, wirken freundlich und selbstbewusst."
© Privat
Die Personen

Hanna Potulski, Paula Wätzold, Janine Leonie Müller

Hanna Potulski, Architektin, Junior-Stadtplanerin
Mitglied im Juniorausschuss der BAK, Vorsitzende des Junior-Mitglieder Ausschusses und Vorstandsmitglied der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen der RWTH Aachen.

Paula Wätzold, Juniormitglied
Vorsitzende im Juniorausschuss der BAK, in der Strategiegruppe Newcomer und im Denkmalausschuss der Architektenkammer Berlin. Bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz betreut sie bundesweit Bauprojekte der Jugendbauhütten.  

Janine Leonie Müller, Architektin
Stellvertretende Vorsitzende des Juniorausschusses der BAK und Ansprechpartnerin für Nachwuchsthemen in der Architektenkammer Sachsen-Anhalt. Sie arbeitet als Architektin bei das atelier in Lutherstadt Wittenberg. 

 

© Florian Holzherr

Eva Maria Herrmann

Redaktionsleitung DAB

Eva Maria Herrmann ist Dipl.-Ing. Architektin und freie Journalistin. Architekturstudium in Darmstadt und Graz. 2005 Gründung des Büros für Architekturkommunikation mit dem Schwerpunkt Vermittlung von Baukultur. Veröffentlichungen, Redaktion, Moderationen, Vorträge, Workshops und Ausstellungen zu allen Themen der Baukultur. 2023-2025 Studium Sustainability Management an der Leuphana Universität Lüneburg mit dem Abschluss MBA Sustainability Management. Seit 1.1.2026 Redaktionsleitung des Deutschen Architekt:innenblatt DAB.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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