„Weniger Pathos, mehr Ethos“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Philipp Flögel plädiert für pragmatische, wirksame Lösungen statt starrer Vorgaben und großer Gesten.
Was ist das Spezifische an „jungen Ideen“? Der Spruch „Das haben wir schon immer so gemacht“ bringt uns nicht weiter. Ein frischer Blick lohnt sich, besonders in der Planung.
Was bedeutet denn „jung“ in unserer Branche? Das Spezifische an jungen Ideen knüpft sich meines Erachtens nicht ans Alter, sondern an eine Haltung. Ich nehme bei den „Jungen“ einen globaleren Veränderungswillen wahr, aber auch eine gewisse Grund-Genervtheit darüber, dass wir längst recht gut wissen, was nötig wäre, die Herausforderungen unserer Zeit anzugehen, bei der Umsetzung aber oft erschreckend langsam und festgefahren sind. Junge Planerinnen und Planer wollen mit der „Zukunft“ weiterkommen und verlieren langsam die Geduld.
Junge Planung bedeutet für mich: weniger Pathos, mehr Ethos. Wir brauchen keine spektakulären Konzepte, sondern eher mutige und zugleich realistische, wirksame Lösungen. Das heißt auch, Verantwortung zu übernehmen, sich nicht hinter Vorgaben zu verstecken, sondern diese aktiv zu hinterfragen. Und es heißt auch, nicht für jeden noch so unwahrscheinlichen Fall eine technisch perfekte und vollständig absichernde Lösung zu entwickeln, insbesondere dann nicht, wenn dadurch Abstriche bei Gestaltung, Nutzbarkeit, Umsetzbarkeit und letztlich bei der Wirkung eines Projekts entstehen.
Manchmal müssen wir bewusst vertretbare Risiken eingehen, um Planungsaufwand, Kosten und Mittel zu reduzieren. So könnten mit denselben Ressourcen statt einer perfekten Einzellösung viele gute Projekte umgesetzt werden. Junge Planung richtet den Blick auf Umwelt, Klimaanpassung, soziale Teilhabe sowie eine lebenswerte, bezahlbar gebaute Umwelt. Zugleich hinterfragt sie Strukturen, Vorgaben und Standards, wenn diese unnötig aufwendig sind und so pragmatische, wirksame Lösungen verhindern.
Fazit
Junge Planung verbindet Idealismus mit Pragmatismus. Das starre Einhalten von Vorgaben und Standards ist nicht zielführend, wenn dabei Umsetzbarkeit, Nutzbarkeit, Gestaltung oder gar Nachhaltigkeit auf der Strecke bleiben. Es lohnt sich, vertretbare Risiken einzugehen, um Ressourcen zu schonen – sei es personell, monetär oder mit Blick auf Rohstoffe. Wenn man sich auf den bekannten Pfaden festgefahren hat, muss man diese verlassen. Junge Planerinnen und Planer wollen Probleme aktiv angehen und Verantwortung übernehmen – wenn man sie lässt.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für Baden-Württemberg.
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