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Vermittlung braucht Vielfalt

Für erfolgreiche Architekturvermittlung braucht es mehr als gute Inhalte. Sie braucht auch Formate, die die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt erreichen.

DAB Redaktion
22.06.2026 9min
Eine Drohnenaufnahme eines urbanen Geländes an einem Flusslauf. Zu sehen sind Container mit Graffiti, eine offene Halle, viel Grün und im Hintergrund die Silhouette einer Stadt.
Herzstück der Grünzug-Planung: Das Hochwasser­bassin und der Alte Recyclinghof im Hamburger Stadtteil Hammerbrook. © Michele Breitenstein

Architektur entsteht im Dialog: zwischen Entwurf und Nutzung, Fachverstand und öffentlichem Interesse. Doch dieser Dialog gelingt nicht von selbst. Er braucht Vermittlung zwischen dem, was Planerinnen und Planer wissen, und dem, was andere verstehen und mitentscheiden wollen. Architekturvermittlung ist eine eigenständige Übersetzungsleistung. Und sie ist nicht einheitlich. Je nachdem, wen man erreichen will, in welchem Kontext und mit welchem Ziel, sind grundlegend andere Ansätze erforderlich. Ein Fachvortrag erreicht andere Menschen als ein Workshop im Stadtteil. Eine Zeitschrift erreicht andere Menschen als ein Podcast. Die Wahl des Formats entscheidet also auch darüber, wer an Debatten über die gebaute Umwelt überhaupt teilhaben kann und will.

Stadt gemeinsam gestalten: Alster-Bille-Elbe PARKS

Das geschäftige Rauschen des Autobahnzubringers nahe den Hamburger Elbbrücken verliert sich zwischen den wehenden Ästen der Pappeln und Weiden auf dem Alten Recyclinghof. Diese Bäume zeichnen den Grundriss einer Halle nach, die einst an dieser Stelle stand. Böschungsabwärts gießen engagierte Nachbar:innen die Gemeinschaftsbeete, die sie selbst angelegt haben und seitdem pflegen. Wie Freiräume gemeinschaftlich mit lokalem Wissen und aus dem Bestand heraus entwickelt und gestaltet werden können, zeigt das Projekt Alster-Bille-Elbe PARKS. Inmitten der sich nachverdichtenden Stadt sichert es Freiräume und vermittelt baukulturelle Bildung durch gemeinsames Gestalten und Aneignen des Ortes.  

2019 beauftragte die Hamburger Umweltbehörde die Berliner Landschafts­architektinnen und -architekten von ­atelier le ­balto, das Architekturstudio ­umschichten (bis 2020) und das Team des lokalen Hallo: e. V. Zentrum dieser Grünzug-Entwicklung bilden das Hochwasserbassin und der Alte Recyclinghof im Stadtteil Hammerbrook. In den ersten Jahren wurden dort kleine Wälder gepflanzt, vertikale Gärten errichtet, hölzerne Flöße gebaut und Beete für die Gemeinschaftsgärten entwickelt. Im Vordergrund stand immerzu der kooperative und gemeinwohlorientierte Gedanke. Gemäß der Praxis von ­atelier le ­balto erfolgen die Maßnahmen prozessbasiert und mit minimalen Eingriffen.  

Eine Halle blieb erhalten und dient nun als Multifunktionsraum mit Ausstellungs- und Sportflächen sowie als wettergeschützter Treffpunkt. Der Fokus liegt auf den Gegebenheiten des Ortes – von den baulichen Strukturen bis zum Einbezug bestehender Materialien und Pflanzen. Neben der baulichen Entwicklung finden auf dem Gelände unterschiedliche Formate der Wissensvermittlung statt, die vom Bauworkshop über Audioformate und Ausstellungen bis zu Kulturveranstaltungen reichen. Das Projekt PARKS erprobt, wofür öffentlicher Raum steht und welche Formen er einnehmen kann. Wer hier bleibt, pflanzt oder baut, lernt, Stadt anders zu lesen.

Ort: Hamburg    
Auftraggeber: Umweltbehörde Hamburg 
Auftragnehmer:in: Arge HALLO: Park 
Landschaftsarchitektur: atelier le balto  
Prozess: HALLO: e. V.

parks-hamburg.de 

 Ein weitläufiger, industriell wirkender Unterstand mit Metalldach. Darunter befinden sich informelle Sitzgelegenheiten mit bunten Kissen, wo Menschen in kleinen Gruppen zusammenstehen.
Die „offene Halle“ bietet als wettergeschützter Freiraum Platz für Ausstellungen, Workshops und Sporttranings. Lokale Künstler:innen haben die Ausstattung entworfen. © Antje Sauer 
Menschen sitzen und stehen an langen, weiß gedeckten Tischen in einem üppigen Garten. Über ihnen hängen bunte Wimpelketten, auf den Tischen stehen Blumen und Getränke
Der „Alte Recyclinghof“ dient als Aufenthaltsort für Anwohnende und Besucher:innen. Die asphaltierte Fläche ermöglicht unterschiedliche Nutzungen – vom Basketballspiel über einen kleinen Skatepark bis zum gemeinsamen Zusammenkommen beim Nachbarschaftstreff. © Antje Sauer
 Ein älterer Mann in einem gelben T-Shirt gießt mit einem Schlauch Pflanzen in einem ökologischen Garten oder einer Parzelle; die Sonne scheint durch das Grün.
Sogenannte „Kümmer:innen“ pflegen ehrenamtlich die Flächen auf dem „Alten Recyclinghof“. Diese Form der Verantwortungsübernahme ermöglicht die inklusive Gestaltungsfreiheit und Aneignung der Freiräume. © Antje Sauer

Einfach Bauen: Forschung zum Anfassen

Forschungsergebnisse und Baupraxis klaffen oft auseinander. Das liegt nicht daran, dass die Erkenntnisse fehlen, sondern an der selten realisierbaren Übertragung von der Simulation ins Gebäude. Das Projekt „Einfach Bauen“ startete 2016 als Grundlagenforschung. Ein interdisziplinäres Team verschiedener Lehrstühle der Technischen Universität München (TUM) untersuchte monolithische Wandaufbauten aus drei Materialien: Massivholz, Leichtbeton und hochwärmedämmendes Mauerwerk. Mehr als 3.000 Raumvarianten wurden thermisch-­dynamisch simuliert und hinsichtlich Energieverbrauch, Treibhauspotenzial und Lebens­zyklus­kosten verglichen.  

Die Erkenntnis: Einfache Bauweisen reagieren stabiler auf reale Bedingungen als optimierte Konstruktionen, die auf ein bestimmtes Nutzerverhalten angewiesen sind.

Die Simulation allein reichte nicht. Auf dem Parkgelände der B&O-Gruppe in Bad Aibling entstanden drei Wohngebäude in den drei untersuchten Bauweisen. Die Häuser wurden nach Fertigstellung bezogen und begleitend in Bezug auf Raumklima, den Energieverbrauch und das Nutzerverhalten untersucht. Parallel dazu fanden Bewohnerbefragungen nach ­Winter- und Sommer­saison statt. Aus dem Forschungsprojekt entstand ein Leitfaden, der die Prinzipien des einfachen Bauens bis ins konstruktive Detail aufbereitet. Folgeprojekte haben den Ansatz aufgegriffen. Mit „­Einfach ­Umbauen“ hat die Forschungsgruppe den Ansatz auf den Gebäudebestand ausgedehnt.  

Was das Projekt vom üblichen Forschungsablauf unterscheidet: Es war von Beginn an auf Vermittlung ausgelegt. Drei vergleichbare Gebäude nebeneinander machen Forschungsergebnisse zeigbar und übertragbar. Professionelle Fotografie begleitete den Bau, ein Leitfaden übersetzt die Erkenntnisse in die Planungspraxis, neben Veröffentlichungen und Vorträgen werden auch heute noch Führungen vor Ort angeboten. Aus einem einmaligen Symposium in Bad ­Aibling sind jährliche Baukulturtage geworden. Was als Forschungsprojekt begann, hat inzwischen Planungsbüros, Wohnungsbaugesellschaften und die Politik erreicht. Den Weg zu den Bewohnenden selbst zu finden, ist eine Frage der Formate – eine weitere Aufgabe der Architekturvermittlung.

Ort: Bad Aibling     
Forschende: TUM, Lehrstuhl für Entwerfen und Konstruieren, Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen, Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion, Lehrstuhl für Werkstoffe und Werkstoffprüfung im Bauwesen  
Fördernde: B&O Gruppe, Bad Aibling; Stiftung Bayerisches Baugewerbe, München; Forschungs­initiative Zukunft Bau; Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

einfach-bauen.net 

nsicht von drei minimalistischen, grau verputzten Mehrfamilienhäusern mit Satteldach. Im Vordergrund spielen Kinder auf einer Rasenfläche, im Hintergrund stehen einige Autos.
Forschung zum Anfassen: Drei Gebäude aus unterschiedlichen Materialien, bewohnt und messtechnisch erfasst, ermöglichen einen Vergleich, der mehr zeigt als jeder Forschungsbericht. © Sebastian Schels
Drei verschiedene Architektur-Mock-ups (Fassadenausschnitte) stehen im Maßstab 1:1 auf einem Parkplatz. Sie zeigen unterschiedliche Fensterformen und Materialien wie Beton, Holzschalung und Putz.
© Sebastian Schels

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Podcasts als Format?

An einer Brachfläche inmitten der Stadt unterhalten sich mehrere Personen. Sie sprechen darüber, was dort entstehen soll, wer die Interessen definiert, wo die wirklichen Konflikte liegen, was der Entwurf löst und was er offenlässt. Es gibt noch kein fertiges Projekt und keine Visualisierung, es ist ein Gespräch mitten im Prozess. Wer zuhört, entwickelt dabei zwangsläufig eine eigene Vorstellung vom Ort: von seiner Lage, seiner Geschichte und seinem möglichen Charakter.  

Hören aktiviert, was Bild und Text anders ansprechen: räumliches Denken, Erinnerung und die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen, das noch nicht existiert. In den letzten Jahren ist rund um die Themen Architektur, Stadtentwicklung und Planung eine dichte Podcastlandschaft entstanden – von Hochschulprojekten bis zu Gesprächsreihen über Berufspraxis, von Stadtführungen zum Hören bis zu Debatten über Baurecht und Klimaanpassung. Das gesprochene Wort hat sich als weiteres Format neben Text und Bild etabliert. 

Genau das ist der Anspruch des Podcasts „Architektur, Stadt, Planung“, den die Bundesarchitektenkammer seit sechs Jahren produziert – als Format für alle Planungsdisziplinen. Moderiert von ­Kerstin ­Kuhnekath widmet sich jede Staffel einem Thema, das alle Planungsdisziplinen angeht. Internationale Gäste liefern Vergleichsräume, Stimmen aus Wissenschaft, Philosophie und Soziologie ergänzen die Praxis. Eine hörbare Geschichte der Branche im Wandel.  

Die aktuellen Folgen richten den Blick auf ein entscheidendes Feld, bevor der erste Strich gezogen wird: das Wettbewerbs- und Vergabe­wesen. Der Architekturwettbewerb hat historisch Qualität, Innovation und Baukultur gesichert, verliert in Deutschland jedoch zunehmend an Bedeutung. Vergabeverfahren ohne vorgelagerten Wettbewerb dominieren zunehmend. Qualität wird an Kennzahlen aus der Vergangenheit gemessen, anstatt an Entwurf und Haltung. Es geht darum, unter welchen Bedingungen Projekte entstehen, mit denen Transformation gelingen soll, und wie das Wettbewerbswesen unter heutigen Rahmen­bedingungen wieder zu einem fairen, qualitäts­orientierten Instrument werden kann.

Initiatorin: Bundesarchitektenkammer 
Moderation/Produktion: Kerstin Kuhnekath / Audio Architekten

bak.de/podcast 

Angelika Hinterbrandner sitzt lächelnd an einem Schreibtisch vor einem professionellen Mikrofon. Sie trägt Kopfhörer und ist bereit für eine Podcast-Aufnahme; im Vordergrund ist ein mobiles Aufnahmegerät zu sehen.
Der von ­Kerstin ­Kuhnekath moderierte BAK-Podcast ist eine Einladung zum Hinhören und Weiterdenken. © Cathrin Urbanek

Trivial Circuit: Zirkuläres Bauen als Brettspiel

Wie lässt sich die Komplexität zirkulären Bauens jenseits von Fachbegriffen, Normen und Planungslogiken vermitteln? Eine Antwort darauf liefert das eigens entwickelte Brettspiel Trivial Circuit. Es übersetzt die Prinzipien des zirkulären Bauens in eine spielerische, körperlich erfahrbare Form des Lernens und ermöglicht so einen niederschwelligen Zugang für unterschiedlichste Zielgruppen. 

Das Spiel führt die Teilnehmenden in sechs aufeinanderfolgenden Phasen durch einen Bauprozess: von der Aushandlung gemeinsamer Ziele über die Entwicklung eines räumlichen Konzepts bis hin zu der Materialbeschaffung, dem Testen und Bauen sowie dem Rückbau samt Dokumentation. Dabei wird nicht abstrakt über Nachhaltigkeit gesprochen, sondern konkret gehandelt: Es werden Karten gelegt, Materialien ausgewählt, Qualitäten verhandelt und Entscheidungen getroffen.  

So wird zirkuläres Bauen nicht nur erklärt, sondern im gemeinsamen Tun nachvollzogen. Wissen wird nicht vorausgesetzt, sondern entsteht im Prozess. Fachsprache wird nicht zur Zugangs­voraussetzung, sondern kann, wenn überhaupt, im Nachgang folgen. Was bedeutet es, Prioritäten frühzeitig festzulegen? Welche Konsequenzen haben Materialentscheidungen? Wie verändert sich ein Entwurf, wenn Rückbau von Anfang an mitgedacht wird? Das Spiel schafft einen Raum, in dem Erfahrung und Aushandlung im Vordergrund stehen.  

Trivial Circuit lag erstmals im Deutschen Pavillon der Architekturbiennale 2023 als Teil des Konzepts aus. „Open for Maintenance“ zeigte den Pavillon als Ort der Weiterverwendung. Materialien der vorherigen Kunstbiennale wurden gesammelt, katalogisiert und vor Ort zugänglich gemacht. Das Spiel fügte sich genau in diese Logik ein. 

Es ging nicht nur darum, etwas auszustellen, sondern auch darum, Prozesse sichtbar und erfahrbar zu machen. Darin liegt auch das Potenzial für die Architekturvermittlung. Trivial Circuit zeigt mit einem Augenzwinkern, dass komplexe Inhalte nicht zwingend über Vereinfachung, sondern über Übersetzung in Handlung vermittelt werden müssen. Das Spielerische wird zur Methode: Es aktiviert, bindet ein und eröffnet gleichzeitig Räume für Diskussion und Reflexion.

Ort: Deutscher Pavillon der 18. Biennale Architettura 2023 
Initiatorinnen: LXSY Architektur 
Projektpartner: Concular GmbH, Impact Hub Berlin GmbH, Arch+, Summacumfemmer, Büro Juliane Greb 
Förderung: Berliner Senats­verwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen 

Eine Gruppe von fünf Personen sitzt konzentriert um einen Tisch und arbeitet an einem Modell oder Brettspiel namens „CIRCUIT“. Im Hintergrund lehnen zahlreiche hohe Stoffrollen in verschiedenen Farben und Texturen an der Wand.
Wissen spielerisch vermittelt: ­Trivial ­Circuit im Deutschen Pavillon der Architektur­biennale 2023. © Axel Sichrovsky
Nahaufnahme eines Architektur-Modellspiels auf einer Holzplatte. Kleine Wandelemente aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Wellpappe und Glas sind als Raumstrukturen aufgestellt.
© Axel Sichrovsky

Spaziergangswissenschaften

Vor Ort sieht die Welt ganz anders aus als am Schreibtisch.“ Mit dieser einfachen Beobachtung beschrieben ­Lucius und ­Annemarie ­Burckhardt einen Zugang zur gebauten Umwelt, den sie in den 1970er- und 1980er-Jahren in Kassel entwickelten. Ausgangspunkt war ihre Kritik an einer Planungs- und Architektur­szene, die sich zu stark auf Pläne, Bilder und Modelle stützte und dabei ausblendete, wie Räume tatsächlich erlebt werden. Aus dieser Auseinandersetzung entwickelten sie die „Promenadologie“, auch Spaziergangswissenschaft genannt.  

Die Idee war einfach: Eine Gruppe bewegt sich gemeinsam durch die Stadt oder die Landschaft. Es gibt keinen klassischen Vortrag und auch keine festgelegte Route im Sinne einer Führung. Stattdessen wird angehalten, beobachtet, beschrieben und diskutiert. Was ist hier eigentlich zu sehen? Was funktioniert, was nicht? Wie wirkt ein Ort, wenn man sich Zeit nimmt? Dabei wird Wahrnehmung nicht vorausgesetzt, sondern erst hergestellt.  

Viele dieser Spaziergänge waren bewusst inszeniert. Beim sogenannten Autofahrerspaziergang liefen die Teilnehmenden mit einer Windschutzscheibe vor dem Gesicht durch die Stadt, um die eingeschränkte Perspektive des Fahrens nachzuvollziehen. An anderer Stelle wurde ein Parkplatz zum Seminarraum oder eine unscheinbare Landschaft mit einfachen Mitteln neu interpretiert. Es ging nicht darum, Orte zu erklären, sondern darum, gewohnte Sichtweisen zu irritieren und somit ein genaueres Hinsehen zu ermöglichen.  

Der Hintergrund lag in einer Zeit, in der Städte stark autozentriert gedacht wurden. Heute hat sich der Kontext verändert, die Fragestellung ist jedoch dieselbe geblieben. Vieles wird weiterhin über Bilder vermittelt, oft bevor ein Ort überhaupt betreten wird. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die gebaute Umwelt komplexer geworden und die Zahl der Beteiligten hat zugenommen.  

Die damaligen Spaziergänge zeigen einen möglichen Umgang damit: Räume im Gehen erschließen, Wahrnehmung ernst nehmen, Beobachtungen teilen. Formate wie Audioführungen oder dialogische Spaziergänge knüpfen daran an und erweitern sie um neue Medien und Öffentlichkeiten. Somit findet Architekturvermittlung nicht nur im Gespräch über Räume statt, sondern auch im gemeinsamen Erleben vor Ort

Eine historische Schwarz-Weiß-Fotografie aus der Vogelperspektive. Eine Menschenmenge überquert eine Straße, auf die ein großflächiges, grafisches Muster (ähnlich einem Zebra-Look) gemalt wurde.
Im Rahmen der Aktion „Das Zebra streifen“ intervenierte der Künstler ­Gerhard Lang 1993 mit Studierenden in Kassel in gewohnte Abläufe des Stadtraums. Der mobile Zebra­streifen machte sichtbar, wie sehr Wahrnehmung und Regeln diesen prägen. © Gerhard Lang: Der mobile Zebrastreifen, 1993, Foto: Angela Sievers, © VG BILD-KUNST, Bonn 2026

Ein Schulbuch als Werkzeug für die Praxis

Für Planerinnen und Planer gehört die Auseinandersetzung mit gebautem Raum zum Alltag. Außerhalb dieser Disziplin fehlt jedoch oft die Sprache, um räumliche Qualitäten zu beschreiben und/oder einzuordnen. Hier setzt das „Schulbuch Baukultur“ der Bundesstiftung Baukultur an. Es übersetzt fachliche Inhalte in eine Form, die anschlussfähig ist, ohne die Inhalte zu simplifizieren. Die Themen selbst sind nicht neu. Entscheidend ist, wie sie aufbereitet und zugänglich gemacht werden. Baukultur wird hier nicht auf das Bauen im engeren Sinne reduziert, sondern weitergedacht. So werden Räume des Alltags wie Straßen, Plätze, Schulen oder Landschaften nicht nur beschrieben, sondern auch in Bezug auf ihre Nutzung und Aneignung thematisiert.  

Dies wird bereits in den Einstiegen der Kapitel deutlich. Öffentliche Räume werden beispielsweise nicht abstrakt definiert, sondern über konkrete Situationen erschlossen, etwa über Konflikte auf dem Schulhof oder Fragen nach Regeln und gemeinsamer Nutzung. Die Aufgaben fordern dazu auf, eigene Erfahrungen und Ideen einzubringen und somit Verantwortung praktisch zu erproben. Auch komplexere Zusammenhänge werden über konkrete Gegenüberstellungen erschlossen. 

Ein Beispiel ist der Vergleich der unterschiedlichen Lebensmodelle in der Stadt und auf dem Land bis hin zu Formen der Aneignung, etwa durch Street Art, die als Ausgangspunkt für Diskussionen genutzt werden können. Inhaltlich spannt die Publikation einen weiten Bogen. Das Spektrum reicht von der Frage, welche Leistungen öffentliche Räume erbringen, über das Verhältnis von Stadt und Land bis hin zu aktuellen Herausforderungen wie Klimaanpassung, Umbaukultur und zirkulärem Bauen.  

Die Themen sind so aufbereitet, dass sie sich in unterschiedliche Schulfächer integrieren lassen und zugleich eigenständige Projektarbeit ermöglichen. Dabei erscheint die gebaute Umwelt nicht als fertiges Objekt, sondern als Ergebnis individueller und kollektiver Entscheidungen. Der Beitrag zur Architekturvermittlung liegt in der gemeinsamen Grundlage, auf der über Räume gesprochen werden kann. Er eröffnet Begriffe, ohne sie einzuengen, und schärft die Wahrnehmung für Qualitäten, die im Alltag oft übersehen werden. Mehr als 10.000 Schülerinnen und Schüler arbeiten bereits deutschlandweit mit dem Schulbuch. Wer die Vermittlung weiterdenken möchte, findet hier konkrete Ansätze.

Ort: Bildungseinrichtungen  
Initiatorin: Bundesstiftung Baukultur

Alter: ab ca. elf Jahren

Eine große Gruppe von Kindern und Jugendlichen steht in einer Bibliothek und hält begeistert blaue Bücher mit der Aufschrift „Baukultur“ in die Kamera.
Das Schulbuch wird in Klassensätzen aus Spenden finanziert. Weitere Infos hierzu unter is.gd/Schulbuch © Kristin Baumert/Bundesstiftung Baukultur

Zuletzt erschienen im Magazin des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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