„Verantwortung früh zu übernehmen prägt“
Eine Frage – mehrere Meinungen aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein: Warum lohnt sich eine Selbstständigkeit für junge Planer:innen? Christiane Albert aus Rostock über kleine Büros, die schnell viel Einblick geben.
Warum lohnt sich eine Selbstständigkeit für junge Planer:innen? Erschwerter Marktzugang, Honorardruck und fehlende Netzwerke: Wieso den Schritt in die Selbstständigkeit trotzdem wagen?
Kleine und mittlere Bürostrukturen und persönliche Netzwerke prägen Mecklenburg-Vorpommern. Gerade darin liegen Chancen für junge Planer:innen. Der Einstieg in den Arbeitsalltag bedeutet häufig einen frühen und direkten Einblick in alle Leistungsphasen eines Projekts – was für ein bereichernder Erfahrungsschatz! Verantwortung wird schneller übertragen, Arbeitsprozesse bleiben nachvollziehbar und der Austausch im Team ist oft persönlicher als in großen, stark hierarchisch gegliederten Strukturen.
Gerade diese frühen Einblicke in alle Leistungsphasen und Büroabläufe können eine wertvolle Grundlage für eine spätere Selbstständigkeit sein. Gleichzeitig ist das Arbeiten im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern anspruchsvoll: lange Wege, kleinere Märkte und Gehälter, die nicht immer mit anderen Bundesländern vergleichbar sind, gehören zur Realität. Trotzdem ist eine interessante Dynamik spürbar.
Viele Nachwuchsplaner:innen wechseln bewusst zwischen großen und kleinen Büros. Dieser Wissenstransfer bereichert beide Seiten. Und ja, nicht jede:r junge Planer:in übernimmt dabei sofort große Verantwortung – aber die kleineren Bürostrukturen bieten die Möglichkeit, schrittweise an Aufgaben zu wachsen und eigene Erfahrungen praktisch zu vertiefen.
Die Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern unterstützt diesen Austausch – etwa durch die Juniormitgliedschaft oder Formate wie das Büro-Speed-Dating mit dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule Wismar. Dort entstehen persönliche Kontakte zwischen Studierenden der Architektur und Innenarchitektur sowie Büroinhaber:innen und erste Einblicke in Bürostruktur und Mentalität. Solche Netzwerke können später den Schritt in die Selbstständigkeit erleichtern.
Wir als Mitglieder und ehrenamtlich Tätige setzen uns mit diesen Formaten dafür ein, dass Räume für Begegnungen und Austausch unter Kolleginnen und Kollegen und Nachwuchsplaner:innen entstehen – um sowohl für Erwartungen als auch für die Verantwortungen im Planer:innenalltag zu sensibilisieren.
Fazit
Selbstständigkeit entsteht dort leichter, wo Verantwortung früh möglich wird und persönliche Netzwerke den Einstieg begleiten.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein
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