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„Rohheit, Reparatur oder Collage werden Teil einer Ästhetik“

Eine Frage – mehrere Meinungen: Wie verändert Suffizienz die Lehre? Sind Effizienz, Konsistenz und Suffizienz die Hauptkriterien auf dem Weg zur großen Transformation in den Hochschulen?

Lächelnde Person mit schulterlangem braunem Haar in schwarz-weiß gestreiftem T-Shirt vor hellem Hintergrund.
© Kay-Alexander Michalczack

Prof. Monique Jüttner

Professorin für Entwerfen, Baukonstruktion und Material an der Hochschule Bremen

Architektin und Professorin für Entwerfen, Baukonstruktion und Material an der Hochschule Bremen

22.07.2026 2min

Die Strategien Effizienz, Konsistenz und Suffizienz gelten als zentrale Leitlinien der Bauwende. Während Effizienz Systeme durch geringeren Energie- und Materialeinsatz optimiert und Konsistenz Stoffströme in Kreisläufe überführt, hinterfragt Suffizienz die gesellschaftlichen Werte und Konventionen des Bauens. Sie stellt Wohnideale, Baustandards sowie die Wachstumslogik von Architektur und damit insbesondere den Neubau infrage. In der Lehre rückt der Umgang mit vorhandenen Ressourcen ins Zentrum, Entwurfsaufgaben beginnen zunehmend mit dem Bestand. Anspruchsvolle Komplexität fordert Studierende heraus, Strukturen zu analysieren und daraus konzeptionelle sowie konstruktive Strategien zu entwickeln.

Auch der Umgang mit Material verändert sich. Fundiertes Baustoffwissen, aber auch der Blick auf die systemische Einbettung von Baustoffen wird zur Grundlage informierter Entscheidungen. Digitale Werkzeuge zur Bewertung von Umweltwirkungen über den Lebenszyklus werden zunehmend integriert.

Neue Lehrformate unterstützen diesen Wandel. Design-Build-Projekte oder 1:1-Prototypen ermöglichen es, Materialien und Konstruktionen praktisch zu erproben. Naturbasierte Materialien sowie kreislauffähige Verbindungen stehen im Fokus. Studierende werden ermutigt, kritisch zu hinterfragen und eigene Positionen zu entwickeln.

Mit der Orientierung an Suffizienz verändert sich auch die Entwurfshaltung. Rohheit, Reparatur oder Collage werden Teil einer Ästhetik, die Aneignung zulässt. Eine Herausforderung, denn diese darf nicht als Einschränkung gestalterischer Qualität erscheinen – weil die Bauwende gesellschaftliche Akzeptanz braucht.

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Fazit

Suffizienz in die Architekturlehre zu integrieren bedeutet, Inhalte, Werkzeuge und Formate neu auszurichten: vom Neubau zum Bestand, von der Optimierung einzelner Bauteile zum Verständnis des gesamten Systems Bauen. Sichtbar wird dies in experimentellen Lehrformaten, materialbezogenem Entwerfen und im Einsatz digitaler Werkzeuge. Wesentliche Aufgabenfelder und Potenziale bilden die Verankerung von Bestandsanalyse, Materialernte oder Planungsprozessen durch Re-Use in der Lehre.


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Bremen, Niedersachsen

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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