„Junge Ideen brauchen eines: gehört werden“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Wo ist Platz für junge Ideen? Die Architektin Janine Müller aus Sachsen-Anhalt setzt für Bauwende und Bestand auf den Austausch von Erfahrung und frischem Blick.
Junge Ideen brauchen vor allem eines: die Möglichkeit, gehört zu werden. In der Architektur stehen wir vor großen Aufgaben – von der Bauwende und dem Umgang mit Bestand über den Klimawandel bis hin zu bezahlbarem Wohnraum. Diese Herausforderungen lassen sich nicht mit den Antworten von gestern lösen. Dafür brauchen wir unterschiedliche Perspektiven, neue Ansätze und den Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Dabei geht es nicht darum, Erfahrung gegen Innovation auszuspielen. Im Gegenteil: Die besten Lösungen entstehen dort, wo wir miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen.
Der Nachwuchs bringt einen unverstellten Blick auf Gewohnheiten und Abläufe mit. Diese Impulse sind eine wichtige Ressource für unseren Berufsstand und können dabei helfen, notwendige Veränderungen anzustoßen. Aus meiner Arbeit für die Kammer und dem Austausch mit jungen Planenden weiß ich, dass viele sich engagieren möchten. Häufig fehlt jedoch die Vorstellung davon, wie Beteiligung gelingen kann oder wo die eigene Stimme gefragt ist.
Umso wichtiger ist es, Räume für Mitwirkung zu schaffen, einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen und Verantwortung frühzeitig zu übertragen. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft, diese Räume auch zu nutzen. Wer Veränderungen anstoßen möchte, sollte sich aktiv einbringen, Fragen stellen, Position beziehen und Diskussionen mitgestalten. Die Zukunft unseres Berufs wird nicht irgendwann gestaltet: Sie wird heute diskutiert! Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, sich einzumischen.
Fazit
Die Zukunft der Architektur entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und junge Ideen auf Erfahrung treffen. Damit Innovation wachsen kann, braucht es Räume für Mitwirkung, einen offenen Austausch und die Bereitschaft, Verantwortung frühzeitig zu übertragen. Gleichzeitig sind junge Kolleginnen und Kollegen gefragt, diese Chancen zu nutzen, ihre Stimme einzubringen und Veränderungen aktiv mitzugestalten. Denn die Zukunft unseres Berufs wird nicht morgen, sondern heute entschieden und wir sollten ihre Gestaltung nicht anderen überlassen.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen.
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