„Jetzt aktiv mitgestalten“
Kammerkommentar: 675 Juniormitgliedschaften, ein Sitz im Vorstand: Kammerpräsident Robert Marlow zeigt, warum Reden über den Nachwuchs nicht reicht. Denn nur mit ihm entsteht echter Wandel in der Kammer.
Wer in Niedersachsen den Weg vom Studium in die Berufspraxis einschlägt, will gestalten. Und zwar nicht erst irgendwann, sondern jetzt. Hier setzt die Juniormitgliedschaft der Architektenkammer Niedersachsen an. Sie eröffnet Absolventinnen und Absolventen aller Fachrichtungen mit Beginn der berufspraktischen Tätigkeit nach dem Bachelor den Einstieg in die Kammer. Zum Druckschluss dieses Heftes habe ich die 675. Juniormitgliedschaft ausgestellt. Gleichzeitig sind 440 Juniormitglieder in der Kammer (Stand 08.07.26), die Differenz hat größtenteils den Weg in die ordentliche Mitgliedschaft eingeschlagen.
Juniormitglieder haben direkten und umfassenden Zugang zu allen Leistungen der Kammer. Das reicht von Honorar- und Rechtsberatung über Unterstützung bei der Existenzgründung bis zum Beratungsangebot Barrierefreies Bauen. Dazu kommen das DAB, Fortbildungen zum Mitgliedertarif und die Orientierungshilfe in dieser entscheidenden Berufsphase. Wer Juniormitglied wird, gewinnt damit professionelle Unterstützung. Ein unterschätzter Pluspunkt kommt hinzu: In Niedersachsen können Juniormitglieder schon vor ihrer Eintragung in die Architektenliste im Rentensystem der Bayerischen Architektenversorgung Mitglied werden. Allerdings sollte klar sein: Die geschützte Berufsbezeichnung und die Bauvorlageberechtigung erhalten Sie durch die Juniormitgliedschaft noch nicht.
Was mich am meisten überzeugt, ist ein anderer Aspekt: die Berufspolitik. Juniormitglieder haben das aktive und passive Wahlrecht. Sie können nicht nur zuschauen, sondern aktiv mitentscheiden, in der Vertreterversammlung, in den Ausschüssen und sogar im Vorstand. Dass dies keine leeren Versprechen sind, belegt unsere gegenwärtige Gremienpraxis: 2022 wurden vier Juniormitglieder in die Vertreterversammlung gewählt und mit Karen Schäfer sitzt ein Juniormitglied im Kammervorstand. So entsteht das, was der Beruf braucht: ein Mitspracherecht und Verantwortung von Anfang an. Die Gestaltung unseres beruflichen Nachwuchses erfolgt durch aktive Teilhabe. Juniormitglieder bringen bei der Zusammenarbeit, der Digitalisierung, Fragen der Nachhaltigkeit, der Arbeitskultur und modernen Berufsanforderungen frische Sichtweisen herein.
Diese Perspektive bereichert den Dialog zwischen den Generationen und trägt zu einer selbstbewussten, sich weiterentwickelnden Selbstverwaltung bei. Mit dem Nachwuchs ist schließlich viel besser als über den Nachwuchs zu reden. Darum mein eindringlicher Appell an Studierende und Berufsanfänger in Niedersachsen: Werden Sie Juniormitglied! Machen Sie Gebrauch von den angebotenen Leistungen! Nehmen Sie aktiv teil! Denn Berufspolitik funktioniert nur, wenn junge Menschen früh Verantwortung annehmen und schon von Beginn an Teil der Diskussion sind.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Regionen Bremen und Niedersachsen.
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