„Architekturvermittlung gehört zum Auftrag der Kammern“
Eine Frage – mehrere Meinungen: Mehr als eine Werkschau? Am Tag der Architektur öffnen ausgewählte Bauprojekte ihre Türen. Doch welche Bedeutung hat das bundesweite Event?
Am Tag der Architektur am 27. und 28. Juni sind Architekturinteressierte eingeladen, aktuelle Projekte vor Ort zu besichtigen und sich erläutern zu lassen. Für die jeweiligen Architekt:innen ist dies eine große Chance, Werbung in eigener Sache zu machen und potenzielle Bauherrschaften persönlich vom maßgeschneiderten Entwurf zu überzeugen. Der Klage, dass sich zeitgenössische Architektur den Nutzer:innen nicht immer erschließt, dass das Hinzuziehen von Planungsbüros in dem Ruf steht, Kosten- und Zeitrahmen zu sprengen, kann bei dieser Gelegenheit der Nährboden entzogen werden.
Viel zu wenig klärt die lokale Presse über das Engagement der ortsansässigen Architektenschaft für die gebaute Umwelt auf, oftmals fehlt bei Veröffentlichungen von Bauten in der Region der Hinweis auf die architektonische Urheberschaft ganz! Wie sollen sich potenzielle Bauherr:innen einen Überblick über das breite Angebot – von neuen Wohn- und Arbeitswelten bis zu zeitgemäßen Lernumgebungen – an professioneller Hilfestellung verschaffen? So prestigeträchtig eine Veröffentlichung in einem Architekturmagazin im Kolleg:innenkreis auch sein mag, private wie öffentliche Bauherr:innen informieren sich anders.
1995 entstand auf Initiative der Architektenkammern Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen der Tag der Architektur und wird mittlerweile bundesweit durchgeführt. Dies ist nicht nur ein Zeichen, dass die Kammern die Förderung der Baukultur ernst nehmen – Architekturvermittlung durch Öffentlichkeitsarbeit und Bildung gehört zu ihrem erklärten Auftrag und Kammermitglieder sollten dies für sich zu nutzen wissen!
Fazit
Am Tag der Architektur das aktuelle Projekt einer interessierten Öffentlichkeit persönlich vorzustellen, ist eine einmalige Chance, Werbung für eigene Architekturqualität zu machen und gleichzeitig einen Beitrag zur Baukultur durch Wissensvermittlung zu leisten. Es ist an den Architekt:innen, dazu beizutragen, dass Vorurteile gegenüber ihrer Berufsgruppe ausgeräumt werden und eine Kommunikation auf Augenhöhe möglich wird. Diese Gelegenheit sollte jeder nutzen, der die Verbesserung der gebauten Umwelt im Fokus hat.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland
Das könnte Sie auch interessieren
Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen
Entdecken Sie die Welt der Architektur –
jetzt im exklusiven DAB Update!