„Die Aufgaben werden komplexer“
Vergaberecht statt Wettbewerb: Im Interview erklärt Antje Hendriks, Vizepräsidentin der Brandenburgischen Architektenkammer, warum Orientierung zählt.
DAB Redaktion Brandenburg: Wie bewerten Sie als Architektin und Vorsitzende des Ausschusses Wettbewerb und Vergabe die aktuellen Entwicklungen im Berufsstand?
Antje Hendriks: Wir erleben eine Phase des dynamischen Wandels. Gesellschaftliche Entwicklungen stellen neue Anforderungen an Planung und Baukultur. Künstliche Intelligenz und neue Rahmenbedingungen im Vergabewesen verändern unsere Arbeitsprozesse. Die Aufgaben werden komplexer.
Welche Veränderungen beobachten Sie konkret?
Der Schwerpunkt hat sich verschoben. Planungswettbewerbe spielen eine geringere Rolle; Vergabeverfahren mit wirtschaftlichen und organisatorischen Kriterien dominieren. Dadurch nimmt die Beauftragung von Generalübernehmern (GÜ) zu. Für viele Büros wird die eigenständige Teilnahme schwieriger, da Anforderungen wie Referenzen oder Umsatzgrößen größere Marktakteure begünstigen.
Welche Aufgaben ergeben sich daraus für die Kammer?
Wir geben Orientierung und unterstützen im Vergaberecht. GÜ-Vergaben sind nicht automatisch die wirtschaftlichste Lösung: Erfahrungen aus Public-Private-Partner-ship-Modellen zeigen, dass Einsparungen oft hohe Folgekosten erzeugen. Wirtschaftlichkeit muss Qualität, Nachhaltigkeit und Langzeitwirkung einschließen.
Was bedeutet das für die Büros?
Die Stärke des Berufsstandes liegt in Kreativität und Fachkompetenz, fundiertes Know-how erzeugt hochwertige Lösungen. Fachübergreifende Zusammenarbeit wird jedoch immer wichtiger – eine Chance für Büros und Auftraggeber. Voraussetzung sind faire Vergabeverfahren.
Wie verändert das ihre Arbeit?
Klimaanpassung, demografischer Wandel und nachhaltige Mobilität gewinnen in der Stadt- und Verkehrsplanung zunehmend an Bedeutung. Neben klassischen Planungsaufgaben rücken integrierte Konzepte für Straßen, Plätze und Bahnhofsumfelder in den Fokus – mit dem Ziel, Mobilität, Städtebau und Gestaltung nachhaltig zu verbinden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit bildet die Grundlage dafür.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Berlin, Brandenburg.
Maria Pegelow
DAB Redaktion BrandenburgDas könnte Sie auch interessieren
Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen
Entdecken Sie die Welt der Architektur –
jetzt im exklusiven DAB Update!