„Die angemessene Honorierung ist unabdingbar“
Von Bremen nach Hamburg: Was reizt einen Volkswirt an einer Kammer mit 5.700 Mitgliedern? Tim Beerens, neuer Geschäftsführer der Hamburgischen Architektenkammer, spricht im Interview über seinen Start.
DAB Redaktion Hamburg: Herr Beerens, wie fühlt es sich an, Geschäftsführer der HAK zu sein?
Tim Beerens: Zur Hälfte meines Arbeitslebens eine neue Herausforderung anzunehmen, ist etwas Besonderes. Ich habe Erfahrungen als Geschäftsführer der Bremer Architekten- und Ingenieurkammer gesammelt, aber es ist ein Neuanfang. Eine Kammer für 5.700 Mitglieder in der zweitgrößten Stadt Deutschlands zu führen, den Berufsstand zu vertreten, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Aber ich wurde freundlich und offen empfangen. Dafür bin ich dankbar. Mich begeistert, wie professionell die Geschäftsstelle agiert und wie engagiert sich die ehrenamtlich Tätigen in Arbeitskreisen, Ausschüssen und Vorstand einbringen.
Wo wollen Sie Akzente setzen?
Der Geschäftsführer setzt nicht den Kurs, aber er hält Ruderanlage und Maschine am Laufen. Es gibt große Themen, die mich als Volkswirt reizen: der Konzentrationsprozess hin zu weniger und größeren Büros, der die Idee des Leistungswettbewerbs langfristig konterkariert. Wir brauchen die Vielfalt an Büros und Ideen, nur so halten wir den Innovationsmotor in Gang. Die Kammer muss und wird sich einsetzen für gute Rahmenbedingungen für alle Planenden. Die angemessene Honorierung ist unabdingbar. Alle Büros müssen gute Planungsaufträge zu fairen Konditionen akquirieren können. Ich sehe es kritisch, dass kleinere und „jüngere“ Büros nur schwer einen Marktzugang finden. Die Wettbewerbs- und Planungskultur ist ein Schlüssel zur Baukultur.
Inwiefern leidet die Baukultur unter dem Spardruck?
Schneller und günstiger bauen darf nicht bedeuten, dass die Qualität des Bauwerks hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Das gilt auch für Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Stadtplanung. Wenn man es gut macht, öffnen sich neue gestalterische Freiräume. Nachhaltig muss nicht teuer sein, kosteneffizient nicht billig. Unsere überkomplexen Regelwerke halten solche Vorurteile am Leben. Manchmal ist es angesagt, den Keller aufzuräumen. Mit dem Hamburg-Standard leistet Hamburg bundesweit beachtete Pionierarbeit.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026 für die Region Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein.
Hamburgische Architektenkammer
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