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„Kultur und Schule“: Wie die Architektenkammer Architekturbildung stärkt

Mit Projekten an Schulen und Kitas in ganz NRW zeigt die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, wie Architekturbildung früh bei Kindern und Jugendlichen verankert werden kann.

Lea Thormeyer
25.06.2026 5min
"Detailliertes 3D-Modell einer grünen Stadtlandschaft aus Karton und Moos. Eine Person hält das Modell in den Händen. Das Modell zeigt grüne Gebäude, ein gelbes Kreuz auf einem Dach, künstliches grünes Moos als Vegetation, beige und grüne Strukturen. Im Hintergrund bunte Papierfahnen in Regenbogenfarben. Das Modell zeigt nachhaltiges, grünes Stadtplanen."
Nachhaltige Wohnideen im Modell: Schülerinnen und Schüler entwickeln im Projekt „Entdeckungsreise Architektur“ eigene Konzepte – mit Gründächern, erneuerbaren Energien und viel Raum für Kreativität. © Gabriele Tump

Mit ganz viel Grün in der Umgebung und auf dem Dach, eigenem Windrad und Solarzellen zur Energieversorgung – so nachhaltig stellen sich Viertklässler der „Sonnenschule“ in Attendorn das Wohnen der Zukunft vor. Aus Karton, Papprollen und diversen Bastelmaterialien bauten die Schülerinnen und Schüler Modelle – angeleitet durch die Attendorner Architektin Gabriele Tump, die mit ihnen über sieben Monate hinweg auf eine „Entdeckungsreise Architektur“ gegangen war. Das Projekt ist nur eines von zahlreichen Beispielen, die im Rahmen des Engagements der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW) im Programm „Kultur und Schule“ entstanden sind, einem Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen.

Wir alle leben in gestalteten Räumen. Doch wie Städte, Gebäude oder Freiräume entstehen, spielt im Bildungsalltag meist nur eine Nebenrolle. „Brauchen wir ein Schulfach Architektur?“, fragte die AKNW in der jüngsten Print-Ausgabe des Deutschen Architekt:innenblatts. Architekturschaffende und baukulturelle Akteurinnen und Akteure zeigten sich weitgehend einig: Ein grundlegendes Verständnis für gebaute Umwelt, für räumliche Qualität und für die Zusammenhänge von Gestaltung, Nutzung und Nachhaltigkeit ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche ihre Umwelt bewusst betrachten, kritisch hinterfragen und aktiv mitgestalten können. Daher setzt sich die AKNW seit vielen Jahren dafür ein, Architektur und Baukultur frühzeitig in ihrer Wahrnehmung zu verankern und das Verständnis junger Leute für gestalterische Prozesse zu fördern. 2002 rief die AKNW dazu das Aktionsprogramm „Architektur macht Schule“ ins Leben. 

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Ich bin überzeugt davon, dass Architektur und Stadtentwicklung als Querschnittsthemen hervorragend in bestehende Fächer integriert werden können – von Mathematik über gesellschaftswissenschaftliche Fächer bis zum Kunstunterricht.

Katja Domschky

Präsidentin der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen

Insofern sei der Titel des Aktionsprogramms „Architektur macht Schule!“ – so argumentiert Domschky – zugleich als Einladung und Appell zu verstehen: An vielen Orten im Land engagieren sich baukulturell Interessierte für die Vermittlung von Architektur und Stadtplanung an Schüler:innen. Die AKNW etwa ist regelmäßig in der Berufsorientierung auf Schulmessen oder in Workshops zum Austausch von Architekt:innen mit Pädagoginnen und Pädagogen unterwegs. Parallel dazu engagieren sich Architektinnen und Architekten im Rahmen des Landesförderprogramms „Kultur und Schule“ dafür, konkrete Lehreinheiten an Schulen zu übernehmen und in Projektstunden mit Kindern und Jugendlichen über Fragen der gebauten Umwelt zu sprechen. Architekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen, Innenarchitekt:innen und Stadtplaner:innen bringen dabei ihre jeweilige fachliche Perspektive direkt in den Schulalltag 

Aktiv werden

Die AKNW sucht Architekt:innen, Innenarchitekt:innen, Landschaftsarchitekt:innen oder Stadtplaner:innen, die sich für die Vermittlung von Baukultur-Themen in der Schule interessieren. Weiterführende Informationen hier: https://www.aknw.de/baukultur/projekte/architektur-macht-schule 

Dabei achtet die AKNW gezielt auf eine möglichst breite Verteilung der Projekte – sowohl geografisch als auch hinsichtlich der vertretenen Fachrichtungen und Schulformen. Bewährt hat sich zudem, die fachlichen Inhalte flexibel zu halten und den beteiligten Akteur:innen vor Ort zu überlassen. Zu Beginn eines Projekts wird lediglich eine Skizze eingereicht, zum Abschluss folgt ein evaluierender Bericht.

Vielfältige Ansätze – ein gemeinsames Ziel

Die Ergebnisse dieser Projekte zeigen die Vielfalt des Ansatzes: von kreativen, handwerklich-praktischen Formaten bis hin zu theoretischen Einheiten zur Architekturgeschichte. Ob Zeichnen, Modellbau oder gestalterisches Arbeiten mit einfachen Mitteln: Projekte mit unmittelbarem Praxisbezug vermitteln den Schüler:innen die Erkenntnis, Einfluss auf die eigene gebaute Umwelt nehmen zu können.

Die Architektenkammer begleitet die Projekte eng, hält während der Laufzeit Kontakt zu den Beteiligten und ist regelmäßig bei Abschlusspräsentationen vor Ort. Der persönliche Austausch gilt als wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung. Aktuell betreut die AKNW jährlich rund 20 „Kultur und Schule“-Projekte; drei weitere Projekte finden an Kitas statt und beziehen somit auch Vorschulkinder mit ein.

"Eine Person mit braunem Haar und grauem Haargummi sitzt auf einer Betontreppe und misst diese mit einem Stahllineal. Sie trägt dunkle Kleidung und schwarze Handschuhe. Auf der Treppenkante ist gelb-schwarzes Warnband angebracht. Ein Klemmbrett mit Papier und weitere Messinstrumente liegen neben der Person. Im Hintergrund Treppenstufen und eine Wand mit Fenster. Die Szene dokumentiert eine bauliche Überprüfung oder Messung."
Architektur im Alltag: Durch Messen, Beobachten und Analysieren erschließen sich Schülerinnen und Schüler ihre gebaute Umgebung. © Gabriele Tump

Praxisbeispiel Attendorn: Lernen durch eigenes Gestalten

Eines dieser Projekte realisierte die Architektin Gabriele Tump bis März 2026 an einer Grundschule im Offenen Ganztag. „Bei der ‚Entdeckungsreise Architektur‘ standen das Bauen und Experimentieren im Mittelpunkt – und die Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln und umzusetzen“, berichtet Tump. Dabei wurde auch viel Hintergrundwissen vermittelt – unter anderem zur Klimakrise. „In ihren Hausmodellen berücksichtigten die Schülerinnen und Schüler anschließend ganz selbstverständlich Wind- und Solarenergie sowie die Begrünung von Häusern“, zeigte sich Gabriele Tump überrascht. „Bei den Schülerinnen und Schülern ist ein Bewusstsein für die gebaute Lebenswelt entstanden – vielleicht sogar ein Gespür für architektonische Qualität. Sensibilisierung ist der erste Schritt zu kritischem Denken und für die Bereitschaft, Verantwortung für den eigenen Lebensraum zu übernehmen. Dieser Prozess kann nicht früh genug beginnen“, betont Architektin Tump

So unterschiedlich die einzelnen Projekte im Detail auch sind – sie verfolgen ein gemeinsames Ziel: Kinder und Jugendliche frühzeitig für Baukultur zu begeistern. Die AKNW möchte mit ihren „Kultur und Schule“-Projekten zeigen, wie Architekturbildung im Alltag verankert werden kann: niedrigschwellig, praxisnah und mit unmittelbarem Bezug zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. Die Projekte leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer Gesellschaft, die Verantwortung für ihre gebaute Umwelt übernimmt. 

Lea Thormeyer

Mitarbeiterin Medien, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit Architektenkammer Nordrhein-Westfalen DAB Redaktion Nordrhein-Westfalen

Lea Thormeyer ist Kunsthistorikerin M. A. und Teamleiterin Medien und Kommunikation in der Abteilung Medien, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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