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[ Nachwuchs-Kolumne #118 ]

Nachwuchsarchitekt:innentag: über Grenzen hinweg denken

Erstmas findet am 28.Oktober der Nachwuchsarchitekt:innentag statt, mit voraussichtlich 300 Teilnehmenden in Berlin. Doch wozu braucht es diesen Tag und was ist das Ziel?

Ein junger Mann spricht vor Publikum ins Mokrofon.
Darmstadt 2020: 34 Fachschaften veranstalteten das bis dahin größte Vernetzungstreffen für Architekturstudierende im deutschsprachigen Raum.

Von Fabian P. Dahinten

„Wer will sich später selbstständig machen?“ – Die Hälfte der Hände im Raum schießen in die Luft. „Wer möchte später in die Kammer?“ – Zwei Drittel der Hände gehen zögerlich hoch. „Und wer weiß was die Kammer macht“ – Zwei drei zurückhaltende Hände gehen nach oben und der Rest bleibt mit fragendem Blick unten. Diese Fragen habe ich schon öfters bei Veranstaltungen von Studierenden in Hochschulen oder bei den Vernetzungstreffen von nexture+ gestellt und die Antworten fallen immer ähnlich aus. Jede:r weiß, dass es die Architektenkammern gibt, doch was diese neben dem Titelschutz und dem Versorgungswerk machen, ist Profiwissen! Auch das kann ein guter Grund sein, sich mal auf dem Nachwuchsarchitekt:innentag umzugucken.

Eines der Hauptanliegen des Nachwuchsarchitekt:innentags ist, die wichtigsten Akteur:innen in einen Raum zu holen. Das sind zunächst die Studierenden selbst, die Lehrenden der Hochschulen und Universitäten und natürlich die Architektenkammern, also Verterter:innen aus der Berufspraxis, die dort mit Haupt- oder Ehrenamt ihren Berufsstand vertreten. Die vierte Gruppe sind die Berufseinsteiger:innen, die gerade aus der Hochschule gefallen und am Kopierer in den Büros angekommen sind. Welche Bedürfnisse haben sie? Welche Erwartungen an die Architektenkammern und was hätten sie sich im Studium von den Lehrenden gewünscht?

Zwei Welten und eine Zäsur

Auf der einen Seite gibt es die Studienzeit mit vielen Kommiliton:innen, immer neuem Input und neuen Inspirationen durch Vorlesungen, Vorträge und Exkursionen und der Beschäftigung mit den großen Fragen in der Architektur. Dann gibt es die Welt danach – in der ich mich nun befinde. Zwei Jahre nach meinem Abschluss bin ich in der Arbeitswelt angekommen und sehe, wie viel sich beim Übergang aus der Studienwelt in die Welt der Arbeitenden verändert hat. Bei Freunden und ehemaligen Kommiliton:innen sieht es ähnlich und manchmal sogar noch gravierender aus.

Neben räumlichen Veränderungen und sozialen Veränderungen sind es oftmals auch ganz andere Themen, mit denen man sich den ganzen Tag beschäftigt. Auch die Begegnungen mit neuen Leuten auf WG-Partys, bei Vorträgen und in Seminaren nehmen ab und damit auch die Themen, über die man spricht. Kurzum – Im Leben gibt es weniger „Architektur“ und mehr „Verpflegungsmehraufwandstabellen“.

Diese Zäsur spürte ich so stark, dass ich eine richtige Gegenoffensive mit Ausstellungs- und Vortragsbesuchen gestartet habe. Zum Glück darf ich mich auch noch in dieser Kolumne mit, zumindest aus meiner Sicht, wichtigen Dingen Beschäftigen. Und zum Glück bietet der Nachwuchsarchitekt:innentag eine gute Gelegenheit, sich spannenden und brennenden Themen zu widmen.

Diskurs und Engagement fördern

Wir stehen vor großen Herausforderungen in unserem Berufsstand. Einerseits müssen wir die Art ändern, wie wir bauen und wie wir planen. Andererseits müssen wir dies im Kontext mit sich stetig wechselnden Rahmenbedingungen schaffen, etwa der Digitalisierung, dem demografischen Wandel und diversen Interessen der Akteur:innen in der Baubranche. Für diese Generationenaufgabe braucht es einen breiten Diskurs und erfahrene sowie junge Perspektiven auf unseren fantastischen Beruf.

Wenn wir zulassen, dass nach dem Studium gute und junge Architekt:innen hinter den Büroschreibtischen und auf den Sofas versacken, fehlt uns Wo:menpower. Es braucht mehr kleine Architekturvereine wie architects4future, Mofa, Die Betonisten, nexture+ und Co. Der Nachwuchsarchitekt:innentag kann auch für solches Engagement Anstöße geben.

Die Chance am Nachwuchsarchitekt:innentag

Seit fast vier Jahren bekomme ich immer mehr Einblicke in die Architektenkammern, vernetze mich mit vielen engagierten Architekt:innen, Landschaftsplaner:innen, Stadtplaner:innen und Innenarchitekt:innen und habe das Gefühl, dass die Strukturen zunehmend jünger und offener werden und damit der Nährboden für mehr Diskus und Engagement wächst.

Auch die Architektenkammern sind auf dem Weg zu einer strukturellen Nachwuchsarbeit mit immer mehr AGs zum Nachwuchs und Juniormitgliedschaften – und nun dem Nachwuchsarchitekt:innentag. Solche Nachwuchsarbeit hört nicht an den Bundeslandgrenzen auf. Denn wir jungen Leute kennen Grenzen nur von Landkarten. Es ist nichts Besonderes mehr, den Bachelor in Hessen, den Master in der Schweiz zu machen und den ersten Job in Finnland anzutreten. Doch wie kann eine zumindest bundesweit übergreifende Nachwuchsförderung aussehen?

Es geht nur zusammen

Der Austausch untereinander über Bundesländer und Institutionsgrenzen hinweg steht beim Nachwuchsarchitekt:innentag im Fokus. Und die zentrale Frage: Was läuft gut beim Nachwuchs und was muss besser werden?


Fabian P. Dahinten studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt, engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+ und ist Sprecher der Nachwuchsmitglieder der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen.

Die Nachwuchs-Kolumnen des DAB schreibt ein junges Team, weitere Autor:innen sind Johanna Lentzkow, Lorenz Hahnheiser und Johanna Naara Ziebart.

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