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WA6 München Freiham: Weniger ist mehr

Kostengünstiger Wohnungsbau ist möglich. Aber erst im Zusammenspiel von Bodenpolitik, Entscheidungskultur und entwerferischer Priorisierung entsteht der Spielraum hierfür

DAB Redaktion
07.04.2026 2min
Wohngebäude mit Holzfassade am Rand einer großen Grünfläche mit Wegen und Bäumen.
Der Wohnungsbau in Freiham ermöglicht Bezahlbarkeit durch eine andere Bodenpolitik, stringente Entscheidungsprozesse und eine optimierte Holzbauweise. © Markus Dobmeier

Der Wohnungsbau WA6 im Münchner Neubaugebiet Freiham entstand unter Bedingungen, die im aktuellen Marktumfeld als kaum vereinbar gelten: sehr niedrige Einstiegsmieten bei gleichzeitigem Anspruch an Wohnqualität, Nachhaltigkeit und städtebauliche Einbindung. Entscheidend war dabei weniger eine einzelne planerische Innovation als ein konsequent durchgehaltener Priorisierungsprozess – vom Boden über die Bauherrschaft bis in den Entwurf. 

Städtebau, Erschließung und Freiräume

Das Projekt reagiert auf die städtebaulichen Vorgaben des Neubaugebiets Freiham, das eine kleinteilige, offene Bebauung mit differenzierten Baukörpern vorsieht. Die vier- und fünfgeschossigen Gebäude werden durch Vor- und Rücksprünge gegliedert, um lange Fluchten zu vermeiden. Ein mittig angeordnetes Torgebäude verbindet den Straßenraum mit dem hofseitigen Grünraum und schafft Durchlässigkeit im Quartier.

Alle Gebäude werden von der Straße aus erschlossen, der Innenhof bleibt frei von Verkehr und dient als gemeinschaftlicher Freiraum. Er ist an die westlich angrenzende Parkanlage angebunden und übernimmt Funktionen der Erholung, des Spiels und der Klimaanpassung. Dachbegrünungen, Retentionsflächen und einfache Freiraumstrukturen ergänzen das Konzept, ohne den baulichen Aufwand zu erhöhen.

Diese städtebauliche Setzung definiert den Rahmen, innerhalb dessen der Entwurf operiert. Dichte, Erschließung und Freiraum sind nicht nachträglich optimiert, sondern von Beginn an mitgedacht. 

Städtebaulicher Lageplan mit Wohngebäuden, Straßen, Grünflächen und Wegen in einem Quartier.
Lageplan © Dressler Mayerhofer Rössler Architekten
Ein grauen Wohnhaus mit grünen jungen Bäumen
split: © Markus Dobmeier
Straßenansicht eines Wohngebäudes mit parkenden Autos und offenem Durchgang zum Innenhof.
© Markus Dobmeier
Wohnanlage mit mehrgeschossigen Gebäuden, Grünflächen und jungen Bäumen entlang eines Fußwegs.
© Markus Dobmeier
Eingangsbereich eines Wohngebäudes mit verglaster Tür und sichtbarer Treppe im Inneren.
© Markus Dobmeier

Raster, Modularität und Wiederholung

Zentraler entwerferischer Hebel ist ein durchgängiges Raster von 3,25 m. Es strukturiert Grundrisse, Tragwerk und Fassaden gleichermaßen und bildet die Grundlage für serielle Wohnungstypen. Küche, Bad und Loggia sind als wiederholbare Module organisiert, die sich zu unterschiedlichen Wohnungsgrößen kombinieren lassen. Diese strikte Modularität reduziert nicht nur die Planungs- und Baukosten, sondern vereinfacht auch die Abstimmung mit Fachplanungen und Ausführung. Entscheidend ist, dass die Serialität nicht zu räumlicher Monotonie führt. Flurbereiche sind bewusst so proportioniert, dass sie flexibel nutzbar bleiben – etwa als Arbeits-, Spiel- oder Rückzugsräume. Die Loggien sind als integraler Bestandteil der Wohnräume konzipiert und wirken als Raumerweiterung. Trotz enger Raster entstehen damit Grundrisse, die auf wechselnde Lebenssituationen reagieren können. 

Detailansicht eines Wohngebäudes mit horizontaler Holzfassade, Fenstern und umgebender Bepflanzung.
© Markus Dobmeier
Reihe mehrgeschossiger Wohngebäude mit Holzfassade entlang eines begrünten Gehwegs.
© Markus Dobmeier
Architekturzeichnung der Fassadenansicht eines Wohngebäudes mit Fenstern und Balkonen.
Fassadenschnitt © Dressler Mayerhofer Rössler Architekten

Konstruktion und Materialwahl

Das Projekt wurde als Holz-Hybrid-Bau realisiert. Während die Hülle komplett in Holz ausgeführt ist, kommen Stahlbetondecken zum Einsatz. Diese Kombination erlaubt eine wirtschaftliche Konstruktion bei gleichzeitig hohem Vorfertigungsgrad. Im Planungsprozess wurde die Statik mehrfach überprüft und optimiert, unter anderem durch Reduktion von Stahlmengen und Vereinfachung der Lastabtragung. Ziel war es, Material nur dort einzusetzen, wo es konstruktiv notwendig ist – nicht als pauschale Sicherheitsreserve. Auch bei der Haustechnik wurde bewusst reduziert. Die Gebäude erreichen den Standard eines KfW-Effizienzhauses 55, werden über Fernwärme beheizt und verfügen über ein einfaches Lüftungssystem mit Abluft und Nachströmung. Auf komplexe, wartungsintensive Technik wurde verzichtet. Effizienz wird hier nicht über maximale technische Ausstattung, sondern über Robustheit und Dauerhaftigkeit hergestellt. 

Heller Wohnraum mit Holzfußboden, großen Fenstern und zwei farbigen Sesseln.
© Dressler Mayerhofer Rössler Architekten
Grundriss eines mehrgeschossigen Wohngebäudes mit mehreren Wohnungen, zentralem Treppenhaus und Balkonen.
Grundriss 1. Obergeschoss, Haus A © Dressler Mayerhofer Rössler Architekten

Ein wesentlicher Faktor für die Realisierung lag im Prozess selbst. Die Bauherrschaft arbeitete mit kurzen Entscheidungswegen und war bereit, eigene Standards und Denkweisen zu hinterfragen. Getroffene Entscheidungen wurden im weiteren Verlauf nicht wieder geöffnet. Diese Konsequenz ermöglichte es, Vereinfachungen tatsächlich umzusetzen – etwa beim Wohnungsschlüssel, bei der Mobilitätsstrategie oder in der Baustellenlogistik. So konnte unter anderem auf kostenintensive Verbaumaßnahmen verzichtet werden. Mobilitätskonzepte wurden nicht isoliert betrachtet, sondern in Zusammenhang mit Statik und Tiefgarage optimiert. Viele dieser Entscheidungen liegen außerhalb des klassischen Entwurfs, wirken jedoch direkt auf Baukosten und räumliche Qualität ein.  

Neubau von 72 Wohnungen im preisgedämpften Mietwohnungsbau

Ort: München-Freiham
Bauherr: Katholisches Siedlungswerk München
Architektur: Dressler Mayerhofer Rössler Architekten und Stadtplaner
Landschaftsarchitektur: Micheller und Schalk Landschaftsarchitektur und Urbanismus
Fertigstellung: 2024
Wohneinheiten: 72 in vier Gebäuden
Wohnfläche: 5.296 qm
Grundstücksfläche: 5.154 qm

DAB Redaktion

Berlin
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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