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Vom Sakralbau zum Wohnraum: Transformation der Ottokirche, Düsseldorf

Die Umnutzung sakraler Bauten verlangt neue Programme, ohne dabei die räumliche Würde, die Atmosphäre und die Geschichte zu verdrängen. Die Transformation der Ottokirche in Düsseldorf durch die Planerinnen von Nidus ist eine sensible Auseinandersetzung mit dem Bestand.

Bettina Sigmund
23.03.2026 7min
Der frühere Kirchenraum dient heute als offener Wohnbereich. © Piet-Albert Goethals

Der Umbau der ehemaligen Ottokirche versteht sich als zurückhaltende und präzise Weiterentwicklung des sakralen Erbes. Ana und Annelen Vollenbroich von Nidus begegneten dem in den 1970er-Jahren errichteten, schlichten Kirchenbau nicht mit programmatischem Umbauwillen, sondern mit Vertrauen in das Bestehende. Die neue Wohnnutzung ist weiterhin von der räumlichen Großzügigkeit, der klaren Materialität des Kirchenbaus und dem gefilterten Licht der Buntglasfenster geprägt. Mit minimalen Eingriffen wurden die neuen Wohnfunktionen in die vorhandene Struktur eingeschrieben. Der ehemalige Kirchenraum mit seiner 7 m hohen Decke bleibt das atmosphärische, kontemplative Zentrum des Gebäudes. Viele originale Bauteile bleiben sichtbar, neue Materialien entwickeln den Bestand behutsam weiter.  

Die einstige Ottokirche im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim wurde 1977 nach Plänen von Hermann Rauch für die neuapostolische Gemeinde errichtet. Der einfache Klinkerbau mit Satteldach, ohne Turm, ist geprägt von klaren Proportionen und modernen Buntglasfenstern. Nach der Entwidmung stand das Gebäude leer, bevor das Düsseldorfer Büro Nidus es erwarb und 2025 in ein Wohnhaus mit rund 275 qm Wohnfläche umwandelte. 

Die ehemalige Ottokirche zeigt sich weiterhin als klarer Klinkerbau mit Kreuz und originaler Metall-Eingangstür. © Nidus
Die ehemalige Ottokirche zeigt sich weiterhin als klarer Klinkerbau mit Kreuz und originaler Metall-Eingangstür. © Piet-Albert Goethals
Die ehemalige Ottokirche zeigt sich weiterhin als klarer Klinkerbau mit Kreuz und originaler Metall-Eingangstür. © Piet-Albert Goethals
Die ehemalige Ottokirche zeigt sich weiterhin als klarer Klinkerbau mit Kreuz und originaler Metall-Eingangstür. © Piet-Albert Goethals
Charaktertische Details des Bestands wie die Tür, die Buntglasfenster oder der originale Terrazzoboden wurden durch neue Elemente wie Fischgrätparkett aus Räuchereiche oder Möbel und Textilien aus eigenen Kollektionen von Nidus ergänzt. © Piet-Albert Goethals
Charaktertische Details des Bestands wie die Tür, die Buntglasfenster oder der originale Terrazzoboden wurden durch neue Elemente wie Fischgrätparkett aus Räuchereiche oder Möbel und Textilien aus eigenen Kollektionen von Nidus ergänzt. © Piet-Albert Goethals
Charaktertische Details des Bestands wie die Tür, die Buntglasfenster oder der originale Terrazzoboden wurden durch neue Elemente wie Fischgrätparkett aus Räuchereiche oder Möbel und Textilien aus eigenen Kollektionen von Nidus ergänzt. © Piet-Albert Goethals
Charaktertische Details des Bestands wie die Tür, die Buntglasfenster oder der originale Terrazzoboden wurden durch neue Elemente wie Fischgrätparkett aus Räuchereiche oder Möbel und Textilien aus eigenen Kollektionen von Nidus ergänzt. © Piet-Albert Goethals

Es braucht nicht viel, um einen Ort zu transformieren – manchmal genügt das Vertrauen in das, was schon da ist.

Annelen Vollenbroich

Nidus

Ziel der Transformation war es, die vorhandene Substanz weitgehend zu erhalten und die neuen Nutzungen sensibel zu ergänzen. Die äußere Erscheinung blieb nahezu unverändert. Die Ziegelfassade wurde instandgesetzt, ebenso die charakteristische Aluminium-Eingangstür. Selbst das Kreuz an der Giebelseite wurde bewusst belassen.  

Im Inneren orientiert sich die Neuorganisation an der bestehenden Raumstruktur. Der Eingangsbereich mit seinem grün-grauen Marmorboden wurde erhalten, die Glasfenster prägen wie einst die Stimmung im Treppenhaus. Eine verglaste Doppelflügeltür aus Listralglas verbindet den Flur mit dem zentralen Wohnraum im Erdgeschoss. Auf dieser Ebene, früher als Gemeinderäume genutzt, befinden sich heute drei Schlafzimmer, zwei Bäder sowie ein offener Aufenthaltsbereich mit Bezug zum Garten.

Der ehemalige Kirchenraum im Obergeschoss bildet weiterhin das räumliche Zentrum des Gebäudes. Mit einer Höhe von etwa 7 m wurde er in einen großzügigen Wohn- und Küchenbereich transformiert. Neue Elemente wie ein Kamin und Fischgrätparkett aus Räuchereiche ergänzen die bestehende Materialität. Der Wohnbereich ist mit dem Nidus-Sofa, einem passenden Sessel sowie dem eigens für das Projekt entwickelten „Otto Stool“ ausgestattet. Dieser ergänzt die bestehende Nidus-Kollektion und wurde speziell für die Kirchentransformation entworfen. Eine frühere Empore dient nun als Rückzugsort, in der ehemaligen Sakristei wurden eine Vorbereitungsküche und ein zweites Bad integriert. 

Das Gebäude gibt den Takt vor, wir setzen Impulse.

Ana Vollenbroich

Nidus

Die Entwurfsprämisse beschreiben Ana und Annelen Vollenbroich mit dem Leitsatz „Weniger ist genug“. Das Gebäude habe „den Takt vorgegeben“. Entsprechend wurden alle Eingriffe maximal reduziert und Materialien sensibel aufeinander abgestimmt. Bestehende Oberflächen wie Terrazzo, Marmor und Glas wurden weiterverwendet, neue Einbauten aus Räuchereiche klar formuliert, ohne den Charakter des Gebäudes zu überschreiben.

Der Umbau zeigt, dass Transformation keine großen Gesten braucht, sondern Sensibilität, Zurückhaltung und den Mut, dem Bestehenden Raum zu lassen.  

Der frühere Kirchenraum dient heute als offener Wohnbereich. Ein neu eingefügter Kamin bündelt den Raum und setzt einen ruhigen Fokus innerhalb des großzügigen Volumens. © Piet-Albert Goethals
Der frühere Kirchenraum dient heute als offener Wohnbereich. Ein neu eingefügter Kamin bündelt den Raum und setzt einen ruhigen Fokus innerhalb des großzügigen Volumens. © Piet-Albert Goethals
Der frühere Kirchenraum dient heute als offener Wohnbereich. Ein neu eingefügter Kamin bündelt den Raum und setzt einen ruhigen Fokus innerhalb des großzügigen Volumens. © Piet-Albert Goethals
Das Gästebad im Obergeschoss mit maßgefertigtem Waschtischblock entwickelt die Farb- und Materialpalette des grünen Marmors weiter. © Piet-Albert Goethals
Das Gästebad im Obergeschoss mit maßgefertigtem Waschtischblock entwickelt die Farb- und Materialpalette des grünen Marmors weiter. © Piet-Albert Goethals
Das Gästebad im Obergeschoss mit maßgefertigtem Waschtischblock entwickelt die Farb- und Materialpalette des grünen Marmors weiter. © Piet-Albert Goethals

Umbau einer Kirche zu einem Wohnhaus

Ort: Düsseldorf-Gerresheim 
Bauherr / Projektentwicklung: Nidus, Düsseldorf 
Architektur: ursprünglich Herrmann Rauch, Transformation durch Nidus, Düsseldorf
Wohnfläche: 275 qm 
Fertigstellung: 1977, Umnutzung und Sanierung 2025

Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.


Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026.

Bettina Sigmund

Spezialistin für Architekturkommunikation München

Sie ist Inhaberin von „aboutarchitecture“ und Partnerin der „ARGE Kommunikation“. Ihre Tätigkeit umfasst Redaktion, PR und strategische Beratung für alle Akteure der Baubranche.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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