Vom Sakralbau zum Wohnraum: Transformation der Ottokirche, Düsseldorf
Die Umnutzung sakraler Bauten verlangt neue Programme, ohne dabei die räumliche Würde, die Atmosphäre und die Geschichte zu verdrängen. Die Transformation der Ottokirche in Düsseldorf durch die Planerinnen von Nidus ist eine sensible Auseinandersetzung mit dem Bestand.
Der Umbau der ehemaligen Ottokirche versteht sich als zurückhaltende und präzise Weiterentwicklung des sakralen Erbes. Ana und Annelen Vollenbroich von Nidus begegneten dem in den 1970er-Jahren errichteten, schlichten Kirchenbau nicht mit programmatischem Umbauwillen, sondern mit Vertrauen in das Bestehende. Die neue Wohnnutzung ist weiterhin von der räumlichen Großzügigkeit, der klaren Materialität des Kirchenbaus und dem gefilterten Licht der Buntglasfenster geprägt. Mit minimalen Eingriffen wurden die neuen Wohnfunktionen in die vorhandene Struktur eingeschrieben. Der ehemalige Kirchenraum mit seiner 7 m hohen Decke bleibt das atmosphärische, kontemplative Zentrum des Gebäudes. Viele originale Bauteile bleiben sichtbar, neue Materialien entwickeln den Bestand behutsam weiter.
Die einstige Ottokirche im Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim wurde 1977 nach Plänen von Hermann Rauch für die neuapostolische Gemeinde errichtet. Der einfache Klinkerbau mit Satteldach, ohne Turm, ist geprägt von klaren Proportionen und modernen Buntglasfenstern. Nach der Entwidmung stand das Gebäude leer, bevor das Düsseldorfer Büro Nidus es erwarb und 2025 in ein Wohnhaus mit rund 275 qm Wohnfläche umwandelte.
Es braucht nicht viel, um einen Ort zu transformieren – manchmal genügt das Vertrauen in das, was schon da ist.
Annelen Vollenbroich
NidusZiel der Transformation war es, die vorhandene Substanz weitgehend zu erhalten und die neuen Nutzungen sensibel zu ergänzen. Die äußere Erscheinung blieb nahezu unverändert. Die Ziegelfassade wurde instandgesetzt, ebenso die charakteristische Aluminium-Eingangstür. Selbst das Kreuz an der Giebelseite wurde bewusst belassen.
Im Inneren orientiert sich die Neuorganisation an der bestehenden Raumstruktur. Der Eingangsbereich mit seinem grün-grauen Marmorboden wurde erhalten, die Glasfenster prägen wie einst die Stimmung im Treppenhaus. Eine verglaste Doppelflügeltür aus Listralglas verbindet den Flur mit dem zentralen Wohnraum im Erdgeschoss. Auf dieser Ebene, früher als Gemeinderäume genutzt, befinden sich heute drei Schlafzimmer, zwei Bäder sowie ein offener Aufenthaltsbereich mit Bezug zum Garten.
Der ehemalige Kirchenraum im Obergeschoss bildet weiterhin das räumliche Zentrum des Gebäudes. Mit einer Höhe von etwa 7 m wurde er in einen großzügigen Wohn- und Küchenbereich transformiert. Neue Elemente wie ein Kamin und Fischgrätparkett aus Räuchereiche ergänzen die bestehende Materialität. Der Wohnbereich ist mit dem Nidus-Sofa, einem passenden Sessel sowie dem eigens für das Projekt entwickelten „Otto Stool“ ausgestattet. Dieser ergänzt die bestehende Nidus-Kollektion und wurde speziell für die Kirchentransformation entworfen. Eine frühere Empore dient nun als Rückzugsort, in der ehemaligen Sakristei wurden eine Vorbereitungsküche und ein zweites Bad integriert.
Das Gebäude gibt den Takt vor, wir setzen Impulse.
Ana Vollenbroich
NidusDie Entwurfsprämisse beschreiben Ana und Annelen Vollenbroich mit dem Leitsatz „Weniger ist genug“. Das Gebäude habe „den Takt vorgegeben“. Entsprechend wurden alle Eingriffe maximal reduziert und Materialien sensibel aufeinander abgestimmt. Bestehende Oberflächen wie Terrazzo, Marmor und Glas wurden weiterverwendet, neue Einbauten aus Räuchereiche klar formuliert, ohne den Charakter des Gebäudes zu überschreiben.
Der Umbau zeigt, dass Transformation keine großen Gesten braucht, sondern Sensibilität, Zurückhaltung und den Mut, dem Bestehenden Raum zu lassen.
Umbau einer Kirche zu einem Wohnhaus
Umbau einer Kirche zu einem Wohnhaus
Ort: Düsseldorf-Gerresheim
Bauherr / Projektentwicklung: Nidus, Düsseldorf
Architektur: ursprünglich Herrmann Rauch, Transformation durch Nidus, Düsseldorf
Wohnfläche: 275 qm
Fertigstellung: 1977, Umnutzung und Sanierung 2025
Weitere Informationen zum Projekt gibt es hier.
Dieser Artikel erschien in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q1/2026.
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