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Ein Haus mit vier Gesichtern

In Hamburg-Blankenese verbindet Büro Noto postmoderne Formensprache und roten Torfbrandklinker. Ein Neubau im Dialog zur hanseatischen Villenbebauung.

DAB Redaktion
23.07.2026 2min
Einfamilienhaus aus rotem Backstein mit Satteldach, großer Rasenfläche und Bäumen im Garten.
Blick auf das Pfeifengrundstück und den Küchen- und Essbereich im Osten.
© Hannes Heitmüller

Der Hamburger Westen, besonders die Elbvororte, beeindruckt durch prächtige Villen, die ihren Wohlstand, verborgen hinter geschosshohen Hecken, unprätentiös in lautlosem Grün kommunizieren. Daneben reihen sich in hanseatischer Zurückhaltung die typischen Kaffeehäuser. Inmitten dieser Kulisse hat das Hamburger Architekturbüro Noto auf einem Pfeifengrundstück ein Einfamilienhaus errichtet. Es greift die bestehende Klinker-Bebauung auf, interpretiert sie jedoch mit postmodernen Elementen neu. 

Rundungen öffnen die Kubatur

Auf einem quadratischen Baufeld entstand ein Vier-Giebel-Haus, das sich bewusst zu allen Seiten öffnet. Zwei eingeschossige Runderker prägen die Ost- und die Westseite des Gebäudes. „Wir fanden die runde Form einfach weicher“, erklärt Jacob Jansen, Mitinhaber des Büros. „Der große Erker in der Küche ist der Frühstückserker. Der kleinere Erker gehört zum Wohnzimmer und liegt ruhiger, zurückgezogener im Westen.“ Die verglasten Erker verbinden das Haus stärker mit der Umgebung. Der Garten setzt sich somit ins Innere fort und terrassiert das Erdgeschoss in unterschiedliche Ebenen. Die durchgängige Decke erzeugt in den offen gestalteten Räumen unterschiedliche Höhenprofile, die durch Blickachsen eine besondere Raumwirkung entfalten.  

Projektdaten

Neubau eines Einfamilienhauses in Hamburg-Blankenese

Ort:  Akazienweg, Hamburg-Blankenese 
Bauherr: privat 
Architektur: NOTO Basista Becker Jansen Architekten Partnerschaft mbB 
Tragwerksplanung: Bauingenieurbüro Dipl.- Ing. Thomas Kohls 

Fertigstellung: 2024 
Nutzfläche: 227 qm   
BGF: 327,5 qm (inkl. Keller)  

Bauzeit Bestand: 2022–2024 
Planungszeit: 2021–2024

Weitere Informationen zu Büro Noto.  

Ein Kern aus Licht und Bewegung

Das Herzstück bildet die zentral platzierte blaue Holztreppe. Sie gliedert die Räume und dient als verbindendes Element. Ein großes Oberlicht erhellt den Kern des Hauses und sorgt durch den Kamineffekt für eine natürliche Belüftung. Die Treppe führt ins Obergeschoss, wo vier Giebelzimmer angeordnet sind. Hier entsteht durch die zusammenlaufenden Giebelbalken ein Raum von außergewöhnlicher Höhe, in dessen Mitte das Oberlicht den Blick auf den Himmel freigibt. 

Blick durch eine große Wandöffnung auf helle Räume mit bodentiefen Fenstern und geschwungener Fensterfront.
Wandöffnungen schaffen Blickachsen und verknüpfen die Räume miteinander.
© Hannes Heitmüller
Minimalistisches Treppenhaus mit weiß verputzten Wänden, hellblauen Flächen und einer skulpturalen Treppe aus Terrazzostufen.
Die hellblaue Treppe bildet das zentrale Möbel im Haus, das die Räume zoniert und miteinander verbindet.
© Hannes Heitmüller
Holztreppe mit hellen Stufen und integrierten Einbauschränken in einem lichtdurchfluteten, minimalistischen Wohnraum.
Die hellblaue Holztreppe sitzt auf dem Terrazzoboden.
© Hannes Heitmüller
Galerie mit hoher, weißer Decke, Oberlicht und hellblauer Brüstung vor zwei geöffneten Türen.
Sie führt in das Obergeschoss. Von dort aus werden alle Giebelräume zentral erschlossen.
© Hannes Heitmüller
Quadratisches Oberlicht mit skulptural gefalteter Decke, das den minimalistischen Innenraum mit Tageslicht erhellt.
Wie eine Blende gibt das quadratische Oberlicht den Blick auf den Himmel frei.
© Hannes Heitmüller
Heller Innenraum mit gestufter Terrazzotreppe, großen Fenstern und klar gegliederten weißen Wänden.
Variation im Terrazzo: In der Eingangshalle ist der Boden weiß gehalten. Die Küche wird durch den schwarzen Farbton geprägt, während man einen grünen Terrazzo in der Gäste-Toilette vorfindet.
© Hannes Heitmüller

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Ein Boden mit Farbcode

Im Erdgeschoss wechselt der Terrazzoboden von Raum zu Raum die Farbe: schwarz in der Küche, grün in der Gäste-Toilette, weiß in der Eingangshalle. Wie ein Fries zieht sich der Terrazzo bis in den Wohnraum, wo er auf Eichenparkett trifft. Im Obergeschoss weicht die Steinoptik dem warmen Holzboden.  

Übersichtsplan der Bebauung im Umfeld des Grundstücks.
Lageplan (genordet)
© Büro Noto
Lageplan des Gebäudes mit Grundriss und Grundstück.
Grundriss Erdgeschoss
© Büro Noto
Grundriss des Gebäudes.
Grundriss Obergeschoss
© Büro Noto
Grundriss des Untergeschosses des Gebäudes.
Grundriss Untergeschoss
© Büro Noto
Gebäudeschnitt mit Darstellung von Dachform und Geschossen.
Schnitt Ost-West
© Büro Noto

Klinker und Postmoderne im Dialog

Der Neubau zitiert die postmoderne Setzung mit Zurückhaltung und reduziert sie auf eine klare, hanseatische Formensprache. Blaue Streben gliedern die Verglasungen und kontrastieren mit dem roten Torfbrandklinker aus Niedersachsen. „Wir fanden es spannend, wie diese Häuser der 1920er-Jahre zwischen Tradition und Moderne balancieren“, sagt Jansen. „Man sieht klassische Elemente, aber auch moderne Ansätze wie offene Raumfolgen oder Eckfenster.“ Diesen Balanceakt des Backsteinexpressionismus übersetzt Noto mit den freieren, collagenhaften Mitteln der Postmoderne.

Detailansicht der Backsteinfassade mit halbrundem Erker und großflächiger Verglasung.
Ein Formenspiel: Selbst die Regenrinne greift die vorhandenen Geometrien auf.
© Hannes Heitmüller
Schrägansicht des Backsteinhauses mit Erker, großen Fenstern und Garten.
Traditionelle Elemente neu interpretiert. Der Runderker öffnet sich komplett verglast zum Garten.
© Hannes Heitmüller
Giebelfassade eines Backsteinhauses mit Satteldach und großen Fenstern.
Unterschiedliche Fensterformate für unterschiedliche Nutzungen wie hier im Süden.
© Hannes Heitmüller
Detail einer schmalen, bodentiefen Fensteröffnung in einer Backsteinfassade.
Die Details des Besonderen: Leicht versetztes Mauerwerk nimmt die Geste der Eingangstür auf.
© Hannes Heitmüller

Die Klinkerfassade erzählt die Geschichte der Nachbarschaft: Gemauert im flämischen Verband wechseln sich Läufer und Binderziegel ab, während hervortretende Läuferziegel die Flächen zwischen den Fenstern strukturieren. An den Erkern dreht das Büro die Ziegel vertikal, was diesen Elementen eine reliefartige Wirkung verleiht. „Die feine, gewebte Struktur der Fassade lebt von diesen Details“, erklärt Jansen. „Hervorstehende Steine und akzentuierte Linien binden die Fenster optisch zusammen.“

Zurückhaltung neu verhandelt

Das Gebäude kombiniert Geometrie mit Spannung: Zickzack-Dächer, Rundungen und rechteckige Elemente treffen aufeinander. Außen zeigt das Haus je nach Perspektive unterschiedliche Gesichter und erinnert durch Strukturierung der Klinker sowie Form und Platzierung der Fenster an postmoderne Bauten. Damit setzt Noto der Nachbarschaft ein Haus entgegen, das zeigt, dass Zurückhaltung auch neu verhandelt werden kann. Zwar bleibt der Neubau von der Straße aus verborgen, doch wer ihn erreicht, findet ein Haus, das nach allen Seiten gleichermaßen Gesicht zeigt.

DAB Redaktion

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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