Ein Haus mit vier Gesichtern
In Hamburg-Blankenese verbindet Büro Noto postmoderne Formensprache und roten Torfbrandklinker. Ein Neubau im Dialog zur hanseatischen Villenbebauung.
Der Hamburger Westen, besonders die Elbvororte, beeindruckt durch prächtige Villen, die ihren Wohlstand, verborgen hinter geschosshohen Hecken, unprätentiös in lautlosem Grün kommunizieren. Daneben reihen sich in hanseatischer Zurückhaltung die typischen Kaffeehäuser. Inmitten dieser Kulisse hat das Hamburger Architekturbüro Noto auf einem Pfeifengrundstück ein Einfamilienhaus errichtet. Es greift die bestehende Klinker-Bebauung auf, interpretiert sie jedoch mit postmodernen Elementen neu.
Rundungen öffnen die Kubatur
Auf einem quadratischen Baufeld entstand ein Vier-Giebel-Haus, das sich bewusst zu allen Seiten öffnet. Zwei eingeschossige Runderker prägen die Ost- und die Westseite des Gebäudes. „Wir fanden die runde Form einfach weicher“, erklärt Jacob Jansen, Mitinhaber des Büros. „Der große Erker in der Küche ist der Frühstückserker. Der kleinere Erker gehört zum Wohnzimmer und liegt ruhiger, zurückgezogener im Westen.“ Die verglasten Erker verbinden das Haus stärker mit der Umgebung. Der Garten setzt sich somit ins Innere fort und terrassiert das Erdgeschoss in unterschiedliche Ebenen. Die durchgängige Decke erzeugt in den offen gestalteten Räumen unterschiedliche Höhenprofile, die durch Blickachsen eine besondere Raumwirkung entfalten.
Projektdaten
Neubau eines Einfamilienhauses in Hamburg-Blankenese
Projektdaten
Neubau eines Einfamilienhauses in Hamburg-Blankenese
Ort: Akazienweg, Hamburg-Blankenese
Bauherr: privat
Architektur: NOTO Basista Becker Jansen Architekten Partnerschaft mbB
Tragwerksplanung: Bauingenieurbüro Dipl.- Ing. Thomas Kohls
Fertigstellung: 2024
Nutzfläche: 227 qm
BGF: 327,5 qm (inkl. Keller)
Bauzeit Bestand: 2022–2024
Planungszeit: 2021–2024
Weitere Informationen zu Büro Noto.
Ein Kern aus Licht und Bewegung
Das Herzstück bildet die zentral platzierte blaue Holztreppe. Sie gliedert die Räume und dient als verbindendes Element. Ein großes Oberlicht erhellt den Kern des Hauses und sorgt durch den Kamineffekt für eine natürliche Belüftung. Die Treppe führt ins Obergeschoss, wo vier Giebelzimmer angeordnet sind. Hier entsteht durch die zusammenlaufenden Giebelbalken ein Raum von außergewöhnlicher Höhe, in dessen Mitte das Oberlicht den Blick auf den Himmel freigibt.
Ein Boden mit Farbcode
Im Erdgeschoss wechselt der Terrazzoboden von Raum zu Raum die Farbe: schwarz in der Küche, grün in der Gäste-Toilette, weiß in der Eingangshalle. Wie ein Fries zieht sich der Terrazzo bis in den Wohnraum, wo er auf Eichenparkett trifft. Im Obergeschoss weicht die Steinoptik dem warmen Holzboden.
Klinker und Postmoderne im Dialog
Der Neubau zitiert die postmoderne Setzung mit Zurückhaltung und reduziert sie auf eine klare, hanseatische Formensprache. Blaue Streben gliedern die Verglasungen und kontrastieren mit dem roten Torfbrandklinker aus Niedersachsen. „Wir fanden es spannend, wie diese Häuser der 1920er-Jahre zwischen Tradition und Moderne balancieren“, sagt Jansen. „Man sieht klassische Elemente, aber auch moderne Ansätze wie offene Raumfolgen oder Eckfenster.“ Diesen Balanceakt des Backsteinexpressionismus übersetzt Noto mit den freieren, collagenhaften Mitteln der Postmoderne.
Die Klinkerfassade erzählt die Geschichte der Nachbarschaft: Gemauert im flämischen Verband wechseln sich Läufer und Binderziegel ab, während hervortretende Läuferziegel die Flächen zwischen den Fenstern strukturieren. An den Erkern dreht das Büro die Ziegel vertikal, was diesen Elementen eine reliefartige Wirkung verleiht. „Die feine, gewebte Struktur der Fassade lebt von diesen Details“, erklärt Jansen. „Hervorstehende Steine und akzentuierte Linien binden die Fenster optisch zusammen.“
Zurückhaltung neu verhandelt
Das Gebäude kombiniert Geometrie mit Spannung: Zickzack-Dächer, Rundungen und rechteckige Elemente treffen aufeinander. Außen zeigt das Haus je nach Perspektive unterschiedliche Gesichter und erinnert durch Strukturierung der Klinker sowie Form und Platzierung der Fenster an postmoderne Bauten. Damit setzt Noto der Nachbarschaft ein Haus entgegen, das zeigt, dass Zurückhaltung auch neu verhandelt werden kann. Zwar bleibt der Neubau von der Straße aus verborgen, doch wer ihn erreicht, findet ein Haus, das nach allen Seiten gleichermaßen Gesicht zeigt.
DAB Redaktion
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