Aue-Schule Suhl: Die Mitte liegt im überbauten Innenhof
In Suhl haben Schettler & Partner ein Förderzentrum aus den 1960er-Jahren umgebaut. Mehrzweckraum und Mensa entstanden als eingeschossige Überbauung einer der vier Innenhöfe.
Vier Innenhöfe bildet der Bestandsbau des Staatlichen regionalen Förderzentrums Aue-Schule in Suhl aus. Einer davon ist seit September 2025 keiner mehr. Den südlichen Innenhof haben Schettler & Partner Architekten | Stadtplaner aus Weimar, eingeschossig überbaut. Darin liegen nun der Mehrzweckraum und die Mensa, also Räume, die eine zeitgemäße Schule braucht und die dem Haus bis dahin fehlten.
Der Bestand stammt aus den 1960er-Jahren und wurde als Typenprojekt in Montagebauweise errichtet. Er besteht aus zwei einander gegenüberliegenden, viergeschossigen Riegeln, die über drei Verbindungsbauten gekoppelt sind. Daraus ergeben sich zwei vierseitig und zwei dreiseitig umschlossene Höfe. Diese Grundfigur blieb erhalten. Die Erweiterung setzt nicht an die Außenkanten an, sondern nutzt eine der vorhandenen Hofflächen.
Grundriss: Die Struktur bleibt weitgehend stehen
Auch im Inneren hielt sich der Umbau zurück. Die Raumstrukturen blieben größtenteils erhalten und wurden nur in wenigen Bereichen verändert, durch den Abbruch von Bestandswänden und die Ergänzung neuer Wände. Für einen Schulbau, dessen Nutzungsprofil sich vom allgemeinbildenden Unterricht zum sonderpädagogischen Zentrum verschoben hat, ist das eine bemerkenswert sparsame Strategie.
Fassade: Das Raster bleibt, die Farbe ist neu
Nach außen ist der Umbau deutlicher ablesbar. Die neue Fassadengestaltung greift nach Angaben des Büros die Optik der Bestandsstruktur auf und interpretiert sie neu. Die Vorhangfassaden sind in einem schuppenartigen, mehrfarbigen Muster angelegt, dessen Farbspektrum sich am Thüringer Wald orientiert. Der Typenbau bleibt damit in seiner Rasterung ablesbar, erhält aber eine eigene, ortsbezogene Oberfläche. Die Hierarchie zwischen Bestand und Ergänzung verschiebt sich dadurch nicht: Der Riegel bleibt das bestimmende Volumen.
Bauherrin ist die Stadt Suhl. Der Planungsbeginn lag 2020, fertiggestellt wurde im September 2025. Schettler & Partner bearbeiteten das Vorhaben als Arbeitsgemeinschaft „Schöne Schulen“ gemeinsam mit dem ibs heußer Ingenieurbüro, die Planung umfasste Umbau und Sanierung gleichermaßen. Die Aue-Schule gehörte 2026 zu den Bauten, die am Tag der Architektur in Thüringen zu besichtigen waren. Die Architektenkammer Thüringen führt sie in ihrem Architekturführer unter den Sanierungen im Bereich Bildung.
Für die Diskussion um das Bauen für die Bildung ist der Fall aus zwei Gründen aufschlussreich. Zum einen zeigt er, dass Typenschulen der 1960er-Jahre Raumreserven enthalten, die sich ohne Erweiterung der Gebäudekanten erschließen lassen. Zum anderen führt er vor, wie weit ein Bestandsgrundriss ein verändertes pädagogisches Programm aufnehmen kann. Beides betrifft einen Gebäudetyp, der in Thüringen vielfach vorhanden ist.
Projektdaten
Umbau und Sanierung einer DDR-Typenschule
Projektdaten
Umbau und Sanierung einer DDR-Typenschule
Ort: Würzburger Straße 76, 98529 Suhl
Bauherr: Stadt Suhl
Architektur: Schettler & Partner Architekten | Stadtplaner, Weimar (Architektin Anke Schettler), als ARGE „Schöne Schulen“ mit ibs heußer Ingenieurbüro
Fertigstellung: September 2025
Nutzfläche: 4.822 qm
Planungszeit: ab 2020
Realisierung: 2023–2025
Architektenkammer Thüringen
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