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Zwischen Leistungsbewertung und Zahlungsrealität: Wenn Bauzeit und Honorierung aus dem Takt geraten

In Leistungsphase 8 wird deutlich, wie unterschiedlich die Logik der HOAI und die Logik der tatsächlichen Projektabwicklung nebeneinanderstehen können.

Fabian P. Dahinten
25.02.2026 5min
Nachwuchs-Kolumne Berufspolitik Bundesweit

Die HOAI beschreibt Leistungen und ordnet ihnen prozentuale Anteile zu. Abgerechnet wird, wenn definierte Teilleistungen erbracht sind. Das ist systematisch und nachvollziehbar. Gleichzeitig entstehen die Kosten im Büro jedoch nicht in Prozenten, sondern in Monaten. Gehälter werden beispielsweise monatlich gezahlt. Das gilt ebenso für Mieten, Software und Versicherungen. Projektleitung und Bauleitung arbeiten kontinuierlich, unabhängig davon, ob in einem Monat formal viele oder wenige Teilleistungen abgeschlossen werden.

Gerade in der Bauüberwachung zeigt sich dieser Unterschied. Zu Beginn der Rohbauphase wächst der abrechenbare Anteil häufig nur langsam. Auf der Baustelle steigt jedoch bereits die Zahl der Beteiligten. Mit dem Ausbau verdichtet sich die Situation weiter: Es gibt mehr Gewerke, mehr Abstimmungen und mehr Termine. Der interne Koordinationsaufwand nimmt spürbar zu. Die Kosten im Büro verlaufen dabei vergleichsweise stetig. Die HOAI-Anteile hingegen schwanken stark. Über Monate wächst der abrechenbare Prozentsatz nur gering. In einer späteren Phase erhöht er sich dann in kurzer Zeit deutlich. Leistungsstand und Zahlungsfluss folgen nicht demselben Rhythmus.

Das ist kein Fehler der HOAI. Sie ist eine Leistungsbeschreibung und kein Instrument zur Liquiditätssteuerung. Problematisch wird es, wenn beides gleichgesetzt wird. Besonders deutlich wird das bei Bauzeitenverlängerungen. Wenn sich ein Projekt statt über 18 Monate über drei Jahre erstreckt, dann verdoppelt sich nicht nur die Dauer. Es verdoppeln sich auch Besprechungen, Protokolle, Abstimmungen und Konfliktklärungen. Mit jeder Störung steigt der Koordinationsbedarf. Der Aufwand wächst überproportional zur Zeit. Gleichzeitig bleibt die prozentuale Bewertung der Grundleistungen begrenzt. Die HOAI geht von einem regulären Ablauf aus. Sie bildet die Dynamik gestörter Prozesse nur eingeschränkt ab.

In dieser Situation entsteht leicht ein falscher Reflex: Die Bauzeit wurde überschritten, also wird zunächst beim Planungsteam angesetzt. Tatsächlich steigt gerade dann der Bedarf an Steuerung. Wer aus wirtschaftlichem Druck die Ressourcen dort reduziert, wo Koordination stattfindet, verringert die Problemlösungskapazität des Projekts. Vor diesem Hintergrund halte ich es für sinnvoll, Zahlungspläne stärker zu vereinbaren. Nicht als Abweichung von der HOAI, sondern als Ergänzung. Ein Zahlungsplan übersetzt die vereinbarte Gesamtleistung in einen verlässlichen Zahlungsrhythmus. Er orientiert sich an der Bauzeit und schafft Planungssicherheit auf beiden Seiten.

Zeit ist nicht identisch mit Leistung. Aber sie ist der verlässlichste Indikator für kontinuierlich entstehende Kosten im Büro. Wenn Projekte über Monate laufen, entstehen auch über Monate Kosten. Wer Gehälter monatlich zahlt, sollte Honorare nicht sprunghaft erhalten. Ein stabiler Zahlungsfluss schützt nicht nur die wirtschaftliche Situation eines Büros. Er stabilisiert auch das Projekt. Denn kontinuierliche Ressourcen sichern kontinuierliche Präsenz. Und Präsenz ist in der Bauphase keine Nebensache, sondern Voraussetzung für Qualität.

© MICHAEL HUDLER

Fabian P. Dahinten

Architekt

Fabian P. Dahinten schreibt über den Einstieg ins Berufsleben, über Tipps und Tricks, Risiken und Fallstricke. Er ist Architekt und Partner bei Lengfeld & Wilisch Architekten in Darmstadt. Er studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt und engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+. Seit 2020 ist er Kolumnist für DABonline.

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