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Zwischen Lehre und Praxis

Studiobesuch:  Der Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserslautern-Landau setzt auf eine enge Verzahnung von Theorie, Entwurf und Baupraxis.

Lena Pröhl
16.07.2026 6min
"Innenraum einer Holzhalle mit symmetrischer Dachkonstruktion aus hellem Holz. Das Dachgerüst zeigt Querbalken und Verbindungspunkte. Am Ende des Raums befindet sich ein großes Fenster mit Blick ins Grüne. Ein Foosball-Tisch und Stühle sind im Raum verteilt."
Die Werk- und Forschungshalle Diemerstein, von Studierenden nach dem „Research-Design-Build“-Prinzip geplant und gebaut, eröffnet den Holzbau-Campus der RPTU Kaiserslautern-Landau im Diemersteiner Tal. © Andreas Labes Fotografie

Die Tür fällt ins Schloss, irgendwo surrt ein Lasercutter, über großen Tischen beugen sich Architekturstudierende über Modelle, die nach Holz und Kleber duften. Leises Stimmengewirr mischt sich mit dem Kratzen von Stiften auf Skizzenpapier. Ein Besuch am Fachbereich Architektur (fatuk) der RPTU Kaiserslautern-Landau fühlt sich weniger wie ein klassischer Hochschulrundgang an, sondern wie ein Blick hinter die Kulissen eines laufenden Entwurfsprozesses. Schnell wird klar: Hier wird Architektur nicht nur gelehrt, sondern gemacht. 

„Theorie soll nicht isoliert gelernt, sondern direkt im Entwurf angewendet werden“, sagt Prof. Dirk Bayer, Dekan des Fachbereichs und Professor für Entwerfen. Entsprechend beginnt das Studium bewusst analog: mit Skizzen und Modellbau. Anfangs oft skeptisch, erleben Studierende schnell den Aha-Moment: „Man muss Material fühlen.“ Erst danach folgt der Sprung in die digitale Welt. Die Lehre gliedert sich in die Bereiche Gestalt, Konstruktion und Kontext, die im Entwurfsprozess zusammengeführt werden. Neben klassischen Werkstätten gibt es eine Digitalwerkstatt mit 3D-Druck, CNC-Fräsen und Lasercut – alles rund um die Uhr verfügbar. 

1970

Der Fachbereich Architektur (fatuk) prägt seit der Gründung der Universität Kaiserslautern im Jahr 1970 die akademische Ausrichtung mit.

600

Am Standort Kaiserslautern arbeiten rund 600 Studierende, 35 wissenschaftliche Mitarbeiter:innen und 14 Professor:innen daran, die Welt zu verbessern. 

 

"Porträt von drei Personen, die an einem weißen Tisch vor einer hellen Wand sitzen. Links ein Mann mit Glatze und Brille in grauem Hemd, in der Mitte eine Frau mit dunklen Haaren in schwarzem Blazer, rechts ein Mann mit Brille in Jeansjacke. Alle blicken zur Kamera."
Der Fachbereich Architektur (fatuk): Peter Spitzley, Geschäftsführer, Prof. Dr. Adria Daraban, Prodekanin, Prof. Dirk Bayer, Dekan © fatuk

Inhaltlich setzt der Fachbereich auf Breite und Vertiefung. Neben dem klassischen Entwerfen gewinnen Themen wie Kreislaufwirtschaft, Holzbau, Energie und digitales Planen an Bedeutung. Im Masterstudium eröffnen sich vielfältige Wahlmöglichkeiten, die individuelle Schwerpunkte erlauben. Mit dem neuen Fernstudiengang „Nachhaltige Architektur und Technik“ richtet sich die RPTU zudem an ein interdisziplinäres Publikum aus Architektur, Bauingenieurwesen und Physik. 

Ein Highlight ist die „All School Charrette“ zu Beginn jedes Wintersemesters. Eine Woche lang arbeiten Studierende aller Semester gemeinsam an einer Aufgabe. 2024 stand das Werk von Gordon Matta-Clark zu Interventionen und Dekonstruktion im Mittelpunkt. Inspiriert von dessen radikalen „Cuttings“ in Fassaden und Decken entstand eine temporäre Installation aus recycelten Kartons. Externe Gastvorträge erweitern die Perspektive, am Ende präsentieren die Erstsemester ihre Ergebnisse im Hörsaal. „Danach kennt man sich“, so Bayer über die etwas andere Erstsemesterwoche, bei der eine praxisnahe Arbeitsatmosphäre entsteht, die stark an Architekturbüros erinnert. 

Über den Fachbereich

Der Fachbereich Architektur (fatuk) der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität (RPTU) Kaiserslautern-Landau vereint rund 600 Studierende sowie Lehrende aus Architektur, Kunst und Wissenschaft. Im projektbasierten Studium werden Gestaltung, Konstruktion und Kontext interdisziplinär vermittelt. Moderne Werkstätten, Forschung und internationale Exkursionen fördern praxisnahes, zukunftsorientiertes Arbeiten.

architektur.rptu.de 

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Denken und Machen

Praxisnähe ist überhaupt ein zentrales Anliegen. „Architektur entsteht dort, wo Denken ins Machen kippt“, betont Bayer. Entwurfsprojekte entstehen häufig unter realen Bedingungen und in Kooperation mit externen Partnern. Im Museum Pfalzgalerie in Kaiserslautern ist bis November eine gemeinsam mit den Fachgebieten Architektur, Theorie, Geschichte und Raumgestalt konzipierte Ausstellung zu sehen, die der Architektin und Designerin Eileen Gray gewidmet ist. Der multifunktionale Waldbadesteg „Tor zum Pfälzer Wald“, der die Standorte Kaiserslautern und Landau symbolisch verbindet, wurde mit dem Nachwuchspreis „wa award 2023 – Architektur für die Sinne“ ausgezeichnet und zeigt, wie stark der Fachbereich in regionale und gesellschaftliche Kontexte eingebunden ist. 

Auch überregional ist der Fachbereich aktiv: Für die Kapuzinerkirche in Mainz wurde eine modulare „Kirchenbox“ entwickelt, die auf dem Forum International Bois Construction 2026 im Grand Palais in Paris präsentiert wurde. Zusammen mit Geflüchteten entstand das „Gemeinschaftshaus Spinelli“ in Mannheim, prämiert mit dem Ralph Erskine Award. Internationale Summer Schools auf dem Holzcampus Diemerstein, in Peking oder Nepal sowie die jährliche Exkursion – das „fliegende Klassenzimmer“ – erweitern den Horizont der Studierenden. 

„Der ganze Fachbereich geht auf Erkundungsreise. Wir waren schon in Basel, Grenoble und Genf, Leipzig, Madrid, Dublin, Lyon und Marseille, Athen, Holland und Stockholm“, so Bayer. Darüber hinaus betreibt der Fachbereich Architektur fatuk eine Architekturgalerie in der Innenstadt, veröffentlicht Publikationen wie „Wege zur Bauwende“ und beteiligt sich an fachlichen und politischen Diskursen wie der Initiative „an.ders Urania“ zum Erhalt der Nachkriegsmoderne in Berlin-Schöneberg. 

Studierende haben

24/7

Zugang zur Modellbauwerkstatt und den Arbeitsräumen. 

"Innenansicht einer klassischen Jugendstil-Ausstellungshalle mit grünen Stahlträgern und großem Glaskuppeldach. Im Raum stehen Holzgerüste und Konstruktionen im Bau. Ein Mensch auf einer Leiter arbeitet an einer Struktur."
Auf dem Forum International Bois Construction 2026 im Grand Palais in Paris: die modulare Kirchenbox © Sven Paustian

„Die Party ist vorbei“

Im Zentrum vieler Aktivitäten steht die Frage nach der Zukunft des Bauens. Für Bayer ist klar: Das klassische Einfamilienhaus auf der grünen Wiese hat ausgedient. Oder um es mit den Worten des BDA zu sagen: „Die Party ist vorbei“. Flächenverbrauch, Ressourcenknappheit, CO₂-Belastung – der Bausektor braucht eine „Bestandswende“. Konzepte wie Effizienz, Suffizienz und Konsistenz gewinnen daher an Bedeutung. Am fatuk wird diese Haltung konkret: durch Forschung und Lehre zur Wiederverwendung von Bauteilen, durch zirkuläre Ansätze und Projekte im Holzbau wie die multifunktionale Werk- und Forschungshalle in Diemerstein, vollständig rückbaubar und nach Prinzipien der Kreislauffähigkeit konstruiert. Die Non-Profit Plattform „Reuse Rheinland-Pfalz“ vernetzt Akteure aus Praxis und Forschung und macht wiederverwendbare Materialien sichtbar. Dass „Reuse“ kein neues Prinzip ist, zeigt der Blick in die Geschichte.  

Heute stehen dem jedoch oft (haftungs-)rechtliche und normative Hürden entgegen. Umso wichtiger sei es, neue Wege zu erproben und bestehende Strukturen zu hinterfragen. „Wir müssen mutiger und experimenteller werden“, fordert Bayer. „Und in größeren Nutzungszyklen denken.“ Wie das konkret aussehen kann, zeigen studentische Entwürfe für die Umnutzung leerstehender Gebäude – vom Kaufhaus bis zur Industriehalle. Für ein Karstadt-Gebäude in Neustadt an der Weinstraße entwickelten Studierende Konzepte für Wohnen, Arbeiten und eine Garage; darüber hinaus für die Landesgartenschaugesellschaft Neustadt eine potenzielle Geschäftsstelle in einer alten Gewerbehalle. 

Kreativ war auch die Idee, in einer alten Schuhfabrik in Pirmasens ein Start-up für Strohdämmung zu gründen, das Abfallstroh umliegender Bauernhöfe nutzt. „Vernetzung mit kommunalen Akteuren ist wichtig, um etwas bewegen zu können!“, so Bayer. „Neben Themen wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft rücken auch Digitalisierung, Robotik und KI zunehmend in den Fokus.“

 

"Modernes Kulturhaus mit großer Glasfassade und Holzrahmen-Struktur steht auf einer feuchten Plattform an einem Fluss. Mehrere Besucher stehen davor. Im Hintergrund sind Industriegebäude und kahle Bäume zu sehen. Der Himmel ist bewölkt."
Im Fachbereich Architektur wird KI nicht nur zur Bildproduktion genutzt, sondern frühzeitig in den kreativen Entwurfsprozess integriert. Hier ein Projekt von Alexander Kreher im Rahmen des Entwurfsseminars zur Teufelsbrücke in Mannheim. © Alexander Kreher

Mit dem Lehrstuhl für Architektonische Darstellung und Entwerfen positioniert sich die RPTU dabei besonders innovativ im Umgang mit KI in der Architekturausbildung. KI wird hier nicht nur zur Bildproduktion genutzt, sondern frühzeitig in den kreativen Entwurfsprozess integriert – also direkt innerhalb der Konzeptionsphase eines Projekts. Der Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserslautern-Landau versteht sich als Labor für eine Baupraxis von morgen: zukunftsorientiert, kreativ, praxisnah – stets im Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis.  


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q2/2026 für die Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland

Porträt einer Frau mit Brille in Innenraum Freundlich lächelnde Frau im Business-Outfit vor hellem Hintergrund.

Lena Pröhl

Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz DAB Redaktion Rheinland-Pfalz

Lena Pröhl ist Journalistin, M.A., und arbeitet im Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Architektenkammer Rheinland-Pfalz.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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