Zukunftsbäume für unsere Städte
Nachwuchs-Kolumne: Längere Trockenperioden, Hitzewellen und Starkregen stellen Stadtbäume vor immer größere Herausforderungen. Als Antwort gelten sogenannte Zukunfts- oder Klimabäume. Doch welche Arten sind damit gemeint – und welche Potenziale bieten sie?
Mit der Frage nach den Zukunftsbäumen für unsere Städte beschäftigen sich Kommunen, Wissenschaft und Baumschulen bereits seit einigen Jahren. Ziel ist es, Baumarten zu finden, die längere Trockenphasen, höhere Temperaturen, verdichtete Böden sowie Luftschadstoffe und Streusalz besser vertragen als viele bislang verwendete Arten. Der Bund deutscher Baumschulen hat dazu bereits 2020 die Broschüre Zukunftsbäume für die Stadt veröffentlicht. Sie stellt 65 heimische und nicht heimische Baumarten vor, die unter den Bedingungen des Klimawandels als besonders geeignet gelten. Inzwischen gibt es sogar eine eigene Auswahl für Gärten, die als Auswahlkriterium eine geringere Größe haben.
Dabei sollten wir jedoch einem Irrtum nicht erliegen: Es gibt nicht den einen Baum, der alle Probleme löst. Grundsätzlich fühlt sich keine Baumart unter den extremen Bedingungen wohl, die wir in vielen Städten geschaffen haben – insbesondere nicht in engen Straßenschluchten mit verdichteten Böden, wenig Wurzelraum und großer Hitze. Deshalb beginnt die Klimaanpassung nicht mit der Wahl der Baumart, sondern mit der Gestaltung des Standorts. Eine ausreichend große Pflanzgrube – mindestens 12 cbm und eine Tiefe von 1,5 m, bei Großbäumen mindestens 36 cbm –, geeignete Baumsubstrate und eine zuverlässige Wasserversorgung in den ersten Jahren sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass ein Baum überhaupt gesund anwachsen kann. Selbst der widerstandsfähigste Zukunftsbaum wird sein Potenzial nicht entfalten, wenn die Standortbedingungen nicht stimmen.
Herkunft ist nicht die entscheidende Frage
Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, stellt sich die Frage nach der geeigneten Baumart. Dabei richtet sich der Blick häufig auf heimische und nicht heimische Arten. Tatsächlich ist diese Unterscheidung komplexer, als sie zunächst erscheint. Deutschland verfügt über vergleichsweise wenige heimische Baumarten. Dies ist unter anderem auf die Eiszeiten zurückzuführen, in denen viele Arten in Europa verschwanden. Seit der frühen Neuzeit gelangen zudem zahlreiche Gehölze aus anderen Teilen der Welt nach Europa und prägen heute Parks, Gärten und Städte. Viele Arten, die wir längst als selbstverständlich empfinden, waren ursprünglich ebenfalls „Neubürger“.
Heute geht es deshalb weniger um die Herkunft eines Baumes als um seine Eignung für die Bedingungen von morgen. Dabei verfolgen Forschung und Praxis unterschiedliche Ansätze. Ein Konzept ist die sogenannte unterstützte Migration. Hier wird untersucht, welche Baumarten sich mit einem wärmer werdenden Klima ohnehin nach Mitteleuropa ausbreiten würden und ob sie bereits heute gezielt gepflanzt werden können. Andere Forschende betrachten Regionen der Welt, deren heutiges Klima dem entspricht, das wir künftig in Deutschland erwarten, und suchen dort nach geeigneten Arten. Gleichzeitig zeigt sich, dass auch einige heimische Baumarten erstaunlich anpassungsfähig sind und mit steigenden Temperaturen gut zurechtkommen.
Verfügbarkeit und Standort entscheiden
So entsteht nach und nach ein Katalog möglicher Zukunftsbäume. Doch selbst wenn eine Art als besonders geeignet gilt, bleibt eine ganz praktische Frage: Ist sie überhaupt verfügbar? Straßenbäume benötigen etwa zehn bis fünfzehn Jahre, bis sie die Größe erreicht haben, in der sie gepflanzt werden können. Baumschulen müssen daher heute entscheiden, welche Arten Kommunen erst in vielen Jahren benötigen werden. Sie produzieren gewissermaßen auf Vorrat – immer mit einem Blick in die Zukunft.
Doch auch damit endet die Planung nicht. Jeder Standort stellt eigene Anforderungen. Lichtverhältnisse, Boden, Wasserverfügbarkeit und Platzangebot spielen ebenso eine Rolle wie die spätere Kronengröße. Hinzu kommen ökologische Aspekte: Welche Bäume bieten Nahrung für Insekten? Welche Früchte nutzen Vögeln? Welche Arten erhöhen die Biodiversität? Und nicht zuletzt wünschen sich Anwohnende oft Blüten im Frühjahr oder eine attraktive Herbstfärbung. Auch die Mischung verschiedener Baumarten gewinnt an Bedeutung, denn sie macht den Baumbestand widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und Schädlingen.
Am Ende wird deutlich: Zukunftsbäume sind keine Wunderbäume. Sie sind vielmehr das Ergebnis sorgfältiger Planung und fundierten Pflanzenwissens. Wer unsere Städte klimaresilient gestalten will, braucht deshalb nicht die eine perfekte Baumart, sondern den passenden Baum für den passenden Standort. Nur so entstehen Stadtlandschaften, die auch in Zukunft Schatten spenden, Lebensräume schaffen und unsere Städte spürbar lebenswerter machen.
Das könnte Sie auch interessieren
Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen
Entdecken Sie die Welt der Architektur –
jetzt im exklusiven DAB Update!