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Urbane Liga: Trojanisches Pferd für Gründungen

Ein Programm, das als Gründungs-Inkubator fungiert – ohne als solches gedacht zu sein: Die Urbane Liga macht junge Stadtmacher:innen öffentlich sichtbar und ebnet ihnen wie nebenbei den Weg in die Selbstständigkeit.

Barbara Hallmann
07.09.2026 2min
"Zwei Holzregale mit zehn verschiedenen farbigen Designmagazinen und Kunstpublikationen mit illustrierten Covern. Mehrere Magazine haben Pop-up- und 3D-Elemente. Überwiegend orange und rote Farbakzente auf hellem Sperrholz-Hintergrund."
„Wandel. Vor Ort. Verhandeln“: Anhand von Kollagen wird im Denklabor des vierten Jahrgangs diskutiert und weitergedacht.
© Constanze Flamme

Man kommt zur Urbanen Liga, weil man etwas macht – und nicht vorrangig, weil man gründen will: Das ist vielleicht das Entscheidende an dieser Projektschmiede, diesem Denklabor und dieser Lernplattform für unkonventionelle Beteiligungsformate, angesiedelt in der höchsten Instanz der Stadtentwicklungspolitik beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Dennoch funktioniert sie als etwas, was sie offiziell gar nicht ist: ein Inkubator.

David Nil Morsi, seinerzeit im Studium, kam 2018 auch übers Machen dazu: Damals hatte er mit Freund:innen eine ungenutzte Autowerkstatt in Köln in einen urbanen Kulturort umgewandelt. Dann erreichte sie eine irgendwie kuriose Mail mit der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, künftig bei einem Projekt namens Urbane Liga dabei zu sein. Bald darauf saß er im Bundesforum Stadtentwicklung in Berlin – im zweiten Jahrgang 2020 traf er dort Léon Gross. Der studierte Umweltwissenschaftler und Stadtsoziologe brachte seinerseits einen sozialpolitischen Thinktank zu Postwachstum und Stadtentwicklung mit in die Runde. Beide sind heute selbstständig – und arbeiten gelegentlich auch zusammen an Projekten, beispielsweise im Kontext des LADEN:LOKAL:LABOR, einem Reallabor zur Rolle des Einzelhandels in der Innenstadtentwicklung

So funktioniert die Urbane Liga

Junge Stadtmacher:innen zwischen 16 und 27 Jahren, die aus eigenem Antrieb ihre Stadt gestalten, können sich für die Urbane Liga bewerben. Die Projektschmiede ist im BMWSB angesiedelt und wird vom BBSR begleitet. Nächster Zyklus: Start voraussichtlich 2027. 

  • Gegründet: 2018
  • Rhythmus: alle zwei Jahre ein neuer Jahrgang
  • Teilnehmende pro Zyklus: rund 25 junge Stadtmacher:innen
  • Format: Denklabore, Vernetzung in die Bundespolitik, kleine Budgets für Ko-Forschungsprojekte
  • Kein klassisches Gründungsprogramm, wirkt in der Praxis aber häufig wie ein Inkubator

urbane-liga.de

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Vom Einzelfall zum Format

Die Urbane Liga, 2018 vom Bundesbauministerium initiiert und vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) begleitet, versammelt alle zwei Jahre rund 25 junge Stadtmacher:innen zwischen 16 und 27 Jahren. Sie kommen zusammen in Denklaboren, knüpfen vielfältige Kontakte in die Bundespolitik und erhalten kleine Budgets für Ko-Forschungsprojekte. „Es ist keine logische Konsequenz, dass daraus Gründungen entstehen“, sagt Gross. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch.“ Warum? Weil da Leute zusammenkommen, die in ihrer Stadt die Initiative ergreifen – und weil die Liga Sichtbarkeit schafft: bei Institutionen, Kommunen, Fachpublikum. „Plötzlich erreichst du dann mal eben 10.000 Leute auf Social Media“, sagt Gross, „und kriegst einen Auftrag für einen Workshop, der fair bezahlt wird.“ Kurz und gut: Man sieht und erlebt, was gehen kann.  

Die Urbane Liga auf der Konferenz youpromisedmeacity in Hannover.
© David Nil Morsi
Als aktuelles Ergebnis ihrer Zusammenarbeit, die dank der Urbanen Liga begann, entwickelten Gross und Morsi das LADEN:LOKAL:LABOR an zwei Standorten im Sauerland.
© David Nil Morsi
Léon Gross auf der Bühne der Retail-Beats Messe im Gespräch zur Innenstadtentwicklung.
© Luisa Gehnen
David Nil Morsi moderiert und leitet ein Planspiel zur Nachnutzung von Leerständen für eine Hamburger Stiftung.
© Luisa Gehnen

Was die Liga nicht ist: eine klassische Gründungsschmiede mit KPIs und Exit-Strategie. Was sie stattdessen leistet, fasst Gross so zusammen: „Man merkt, dass man mit solchen Ideen und Projekten auch Geld verdienen kann.“ Solche Ideen? Damit meinen Gross und Morsi Prozessmoderation, kulturelle Stadtentwicklung, koproduktives Stadtmachen. Und manchmal, sagt Morsi, liege der größte Impact gar nicht in einer Selbstständigkeit – sondern vielmehr darin, dass jemand aus der Urbanen Liga heraus auch eine Führungsposition in der Verwaltung übernimmt und das Mindset einer Macherin oder eines Machers in diese Strukturen hineinträgt. 


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026.

Barbara Hallmann

DAB Redaktion

Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium in Lyon und Weimar ließ sich Barbara Hallmann in der ARD zur Radio- und Fernsehjournalistin ausbilden. Seit knapp 20 Jahren schreibt sie hauptsächlich über Architektur und Design. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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