Urbane Liga: Trojanisches Pferd für Gründungen
Ein Programm, das als Gründungs-Inkubator fungiert – ohne als solches gedacht zu sein: Die Urbane Liga macht junge Stadtmacher:innen öffentlich sichtbar und ebnet ihnen wie nebenbei den Weg in die Selbstständigkeit.
Man kommt zur Urbanen Liga, weil man etwas macht – und nicht vorrangig, weil man gründen will: Das ist vielleicht das Entscheidende an dieser Projektschmiede, diesem Denklabor und dieser Lernplattform für unkonventionelle Beteiligungsformate, angesiedelt in der höchsten Instanz der Stadtentwicklungspolitik beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Dennoch funktioniert sie als etwas, was sie offiziell gar nicht ist: ein Inkubator.
David Nil Morsi, seinerzeit im Studium, kam 2018 auch übers Machen dazu: Damals hatte er mit Freund:innen eine ungenutzte Autowerkstatt in Köln in einen urbanen Kulturort umgewandelt. Dann erreichte sie eine irgendwie kuriose Mail mit der Frage, ob sie sich vorstellen könnten, künftig bei einem Projekt namens Urbane Liga dabei zu sein. Bald darauf saß er im Bundesforum Stadtentwicklung in Berlin – im zweiten Jahrgang 2020 traf er dort Léon Gross. Der studierte Umweltwissenschaftler und Stadtsoziologe brachte seinerseits einen sozialpolitischen Thinktank zu Postwachstum und Stadtentwicklung mit in die Runde. Beide sind heute selbstständig – und arbeiten gelegentlich auch zusammen an Projekten, beispielsweise im Kontext des LADEN:LOKAL:LABOR, einem Reallabor zur Rolle des Einzelhandels in der Innenstadtentwicklung.
So funktioniert die Urbane Liga
So funktioniert die Urbane Liga
Junge Stadtmacher:innen zwischen 16 und 27 Jahren, die aus eigenem Antrieb ihre Stadt gestalten, können sich für die Urbane Liga bewerben. Die Projektschmiede ist im BMWSB angesiedelt und wird vom BBSR begleitet. Nächster Zyklus: Start voraussichtlich 2027.
- Gegründet: 2018
- Rhythmus: alle zwei Jahre ein neuer Jahrgang
- Teilnehmende pro Zyklus: rund 25 junge Stadtmacher:innen
- Format: Denklabore, Vernetzung in die Bundespolitik, kleine Budgets für Ko-Forschungsprojekte
- Kein klassisches Gründungsprogramm, wirkt in der Praxis aber häufig wie ein Inkubator
Vom Einzelfall zum Format
Die Urbane Liga, 2018 vom Bundesbauministerium initiiert und vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) begleitet, versammelt alle zwei Jahre rund 25 junge Stadtmacher:innen zwischen 16 und 27 Jahren. Sie kommen zusammen in Denklaboren, knüpfen vielfältige Kontakte in die Bundespolitik und erhalten kleine Budgets für Ko-Forschungsprojekte. „Es ist keine logische Konsequenz, dass daraus Gründungen entstehen“, sagt Gross. „Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch.“ Warum? Weil da Leute zusammenkommen, die in ihrer Stadt die Initiative ergreifen – und weil die Liga Sichtbarkeit schafft: bei Institutionen, Kommunen, Fachpublikum. „Plötzlich erreichst du dann mal eben 10.000 Leute auf Social Media“, sagt Gross, „und kriegst einen Auftrag für einen Workshop, der fair bezahlt wird.“ Kurz und gut: Man sieht und erlebt, was gehen kann.
Was die Liga nicht ist: eine klassische Gründungsschmiede mit KPIs und Exit-Strategie. Was sie stattdessen leistet, fasst Gross so zusammen: „Man merkt, dass man mit solchen Ideen und Projekten auch Geld verdienen kann.“ Solche Ideen? Damit meinen Gross und Morsi Prozessmoderation, kulturelle Stadtentwicklung, koproduktives Stadtmachen. Und manchmal, sagt Morsi, liege der größte Impact gar nicht in einer Selbstständigkeit – sondern vielmehr darin, dass jemand aus der Urbanen Liga heraus auch eine Führungsposition in der Verwaltung übernimmt und das Mindset einer Macherin oder eines Machers in diese Strukturen hineinträgt.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts, Ausgabe Q3/2026.
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