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Nachwuchsreport 2025/26 von nexture+

Die Schattenseiten des Traumberufs verfestigen sich – trotz höherer Gehälter. Unbezahlte Überstunden, gebrochene Absprachen und wachsende Unzufriedenheit trüben die Begeisterung des Nachwuchses für die architektonischen Disziplinen.

Lorenz Hahnheiser
02.11.2026 4min
nexture+

Bereits die erste Erhebung 2023/24 offenbarte alarmierende Missstände beim Berufseinstieg in diesen Bereichen. Zwei Jahre später zeichnet sich ein ähnlich ernüchterndes Bild ab. Der Vergleich der beiden Umfragen zeigt: Während die Einstiegsgehälter deutlich gestiegen sind, bleiben viele strukturelle Probleme im Büroalltag bestehen. Besonders bedenklich ist, dass sich immer weniger Befragte erneut für ihr Studium entscheiden würden. 

Ein Stimmungsbild mit deutlichen Warnsignalen

Der alle zwei Jahre erscheinende Nachwuchsreport von nexture+ beleuchtet die Arbeitsbedingungen des planerischen Nachwuchses in Deutschland. Die Studie basiert auf einer unabhängigen Befragung von Studierenden und Berufseinsteigenden der Fachrichtungen Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur sowie Stadt- und Raumplanung. Analysiert werden Einstiegsgehälter, Überstunden, Arbeitsverträge und die allgemeine Zufriedenheit. Ziel ist es, unabhängige Daten zu liefern, Missstände aufzudecken und Reformen anzustoßen.

Die Stichproben der Jahre 2023/24 und 2025/26 weisen eine ähnliche Demografie auf: Durchschnittsalter 26,8 Jahre, 64 % weiblich, überwiegend in großstädtischen Büros tätig. Der Nachwuchsreport 2025/26 bietet mit 777 Teilnehmenden jedoch keinen statistisch belastbaren Längsschnitt. Durch die digitale Durchführung über soziale Medien und Partnernetzwerke liegt zudem ein Self-Selection-Bias vor. Prozentuale Verschiebungen sollten daher als Gegenüberstellung zweier Schlaglichter gelesen werden, nicht als allgemeingültiger Trend. Dies schmälert die Relevanz der Daten keineswegs: Es ist die beste Datengrundlage, die es für den Berufseinstieg gibt.

Bereits die erste Umfrage vor zwei Jahren offenbarte ein deutliches Spannungsfeld zwischen der hohen Motivation des Nachwuchses und ernüchternden Realitäten wie unbezahlten Überstunden, niedrigen Gehältern, dem Gender Pay Gap und unzulässigen Vertragsklauseln. Ein direkter Vergleich zeigt eine Verfestigung der Situation: Die meisten Kennzahlen zu Arbeitsbelastung und Arbeitskultur haben sich bestätigt oder leicht verschlechtert.  

Amelie Gadow, Vorständin für Berufseinstieg bei nexture+, resümiert: „Die Branche gewinnt zwar an wirtschaftlicher Attraktivität, kämpft aber weiter mit Defiziten bei Arbeitskultur und Wertschätzung.“ 

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Kreisdiagramme zeigen 777 Teilnehmende mit 66 Prozent Architektur, 10 Prozent Innenarchitektur, 11 Prozent Landschaftsarchitektur und 13 Prozent Stadt- und Raumplanung sowie Demografie mit 60 Prozent Berufseinsteiger, 21 Prozent Werkstudierende, 13 Prozent Studierende, 6 Prozent Praktikanten und 1 Prozent divers, dazu Balkendiagramm mit 64 Prozent weiblich und 34 Prozent männlich und Durchschnittsalter 26,8 Jahre.
Teilnehmende und Demografie
nexture+
Balkendiagramme zeigen, dass 82 Prozent im Architektur- und Ingenieurbüro arbeiten und die meisten in den Leistungsphasen Entwurf/Wettbewerb und Ausführungsplanung tätig sind.
Sektoren und Leistungsphasen
nexture+
Infografik zu Überstunden mit Balkendiagramm und Prozentangaben zu Erfassung, Bezahlung und Ausgleich von Überstunden bei Vollzeit-Berufseinsteigenden
Arbeitsbedingungen und Überstunden
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Balkendiagramm zeigt Arbeitgeberunterstützung bei Qualifikationen mit pinkfarbenen Balken und Prozentangaben sowie Piktogramme von Palmen zur Darstellung von 26 Urlaubstagen pro Jahr im Median
Arbeitsbedingungen und Urlaubstage
nexture+
Zwei Balkendiagramme zu Arbeitsbedingungen und Benefits mit hervorgehobenen Kategorien wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, kostenlose Getränke und Obst, sowie Zuschüsse und Weiterbildungsmöglichkeiten.
Arbeitsbedingungen und Benefits
nexture+

Mehrarbeit bleibt ohne Lohn und Auszeiten auf Sparflamme

Obwohl immer mehr Architekturbüros auf digitale Zeiterfassung setzen, schützt das den Nachwuchs keineswegs vor unbezahlter Mehrarbeit: Mittlerweile leisten knapp drei Viertel der Vollzeit-Einsteigenden regelmäßig Überstunden – ein spürbarer Anstieg gegenüber der ersten Erhebung. Im Durchschnitt arbeiten Berufseinsteiger rund 3,2 Stunden pro Woche zusätzlich.

Die reguläre Erholungszeit bleibt hingegen unverändert. Im Median stehen Berufseinsteigenden über beide Reports hinweg 26 Urlaubstage pro Jahr zu. Das sind zwar immerhin sechs Tage über dem gesetzlichen Minimum, aber keineswegs üppige Auszeiten im Vergleich zu 28–30 Tagen im branchenübergreifenden Durchschnitt. Wie viel Erholung der Nachwuchs tatsächlich bekommt, hängt dabei erheblich von der Bürogröße ab. In kleineren Praxen wird häufig kaum mehr als der gesetzliche Mindesturlaub gewährt, während der Anspruch in Großbüros spürbar höher liegt. 

Zwei Balkendiagramme zeigen Median-Bruttojahresgehälter nach Sektor und Stundenbruttolöhne nach erster Berufserfahrung in Euro.
Gehaltsstruktur nach Sektor und Berufserfahrung
nexture+
Balkendiagramm mit verschiedenen Altersvorsorgeformen und Prozentangaben sowie hervorgehobene Zahlen zu Rücklagen, Gedanken zur Altersvorsorge und Investitionen an der Börse
Altersvorsorge
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Beste Einstiegsgehälter im öffentlichen Dienst, der Wissenschaft und Forschung

Trotz des Fachkräftemangels bleibt das Verhandlungsverhalten zurückhaltend: Mehr als die Hälfte der Berufseinsteigenden hat das angebotene Gehalt akzeptiert, ohne nachzuverhandeln. Dennoch betrifft die wohl spürbarste positive Entwicklung das Konto. Das Median-Einstiegsgehalt für Master-Absolvierende ist in der aktuellen Umfrage mit 48.000 Euro deutlich höher als zuvor (39.000 Euro). Auch Werkstudierende profitieren mit Stundenlöhnen von rund 19 bis 20 Euro (zuvor 13 bis 14 Euro).

Dieser Zuwachs kommt jedoch nicht bei allen im gleichen Maße an. Während Frauen und Männer ganz ohne Berufserfahrung noch nahezu gleichauf starten (21,98 Euro gegenüber 22,50 Euro pro Stunde), driftet die Lohnschere mit zunehmender Berufserfahrung spürbar auseinander. Die Tatsache, dass ungleiche Gehälter von den Befragten weiterhin explizit als Diskriminierungsform im Büroalltag genannt werden, unterstreicht die Handlungsnotwendigkeit in diesem Bereich.

Neben dem Geschlecht und der Berufserfahrung besteht eine weitere Wahlfreiheit beim Sektor des Berufseinstiegs. Hier liegt ein entscheidender Faktor für das Gehalt. Während der öffentliche Dienst, die Wissenschaft und Forschung (56.400 Euro) sowie Ingenieurbüros (54.000 Euro) ihren Nachwuchs vergleichsweise gut entlohnen, hinken klassische Architektur- und Planungsbüros mit 44.800 Euro spürbar hinterher. 

Arbeitgeber müssen nicht nur Gehälter anheben, sondern Wertschätzung und Kultur im Büro viel stärker in den Fokus rücken.

Amelie Gadow

Vorständin für Berufseinstieg nexture+
Infografik mit Prozentangaben zu Arbeitsbedingungen und Diskriminierung, darunter ein Tortendiagramm zu Betriebsräten in Büros ab 11 Mitarbeitenden
Arbeitsbedingungen und Diskriminierung
nexture+
Piktogramm mit schwarzen und grauen Figuren zeigt Altersgruppen 15-19 und 20-29 Jahre sowie Prozentangaben zu Zielen und Zufriedenheit bei der Berufswahl mit Texten zu Personalverantwortung, Karriere in der Lehre, Selbstständigkeit und Branchenwechsel.
Zufriedenheit
nexture+

Arbeitskultur zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Bei der Arbeitsplatzwahl wünscht sich der Nachwuchs vor allem echte zeitliche Selbstbestimmung, ein kollegiales Umfeld und ein gutes Gehalt. Die Realität in den Büros hinkt diesen Erwartungen jedoch hinterher. Zwar sind Gleitzeit (56 %) und Homeoffice (55 %) in mehr als der Hälfte der Büros angekommen, aber Gratis-Obst ist immer noch das Hauptangebot.  

Doch aufgepasst: Selbst dort, wo im Bewerbungsgespräch konkrete Versprechen gemacht werden, bröckelt das Vertrauen schnell. Alarmierende 81 % der Befragten berichten von gebrochenen mündlichen oder schriftlichen Vereinbarungen, vor allem bei Gehaltsperspektiven, Homeoffice-Regelungen, tatsächlichen Aufgabenfeldern oder der Unterstützung beim Kammerbeitritt. Zudem leidet häufig auch das Miteinander im Büro: Mehr als jede fünfte Nachwuchskraft (21 %, im Vorbericht waren es 17 %) berichtet von drängenden Diskriminierungserfahrungen im Praxisalltag. Diese reichen von Sexismus und Mansplaining bis hin zu Rassismus und Benachteiligungen auf der Baustelle. 

Kreisdiagramm zeigt, dass 52 Prozent mit ihrer Arbeit glücklich sind, daneben Balkendiagramm vergleicht Traumberuf-Bewertungen verschiedener Gruppen mit Prozentangaben in Pink und Grau.
Traumberuf?
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Balkendiagramm zeigt Gründe für die Kammer mit Prozentangaben und Tortendiagramm zu Anerkennung des Studienabschlusses sowie Text zu Mitgliedschaftswünschen.
Interesse an einem Kammereintritt
nexture+
Balkendiagramm zeigt Prozentsätze von Personen, die Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadt- und Raumplanung erneut studieren würden, mit ergänzender Wortwolke zu Gründen gegen ein erneutes Studium.
Erneute Berufswahl?
nexture+

Wenn aus Begeisterung Ernüchterung wird

Mehr Geld allein schafft jedoch kein Wohlbefinden. Der Anteil der glücklichen Berufseinsteiger ist von 56 auf 52 % gesunken, während sich die Gruppe der explizit Unzufriedenen auf 12 % verdoppelt hat. Entsprechend hoch bleibt die Wechselabsicht: Die Hälfte denkt konkret über einen Stellenwechsel nach, rund 70 % ziehen sogar den Ausstieg in eine fachfremde Branche in Betracht.

Gadow sieht hier unter anderem die Hochschulen in der Pflicht: „Sie müssen die Lücke zwischen Studium und Praxis adressieren, um Absolvent:innen besser auf den Berufsalltag vorzubereiten.“ Die alarmierendste Erkenntnis ist nämlich die Warnung, die Berufseinsteiger:innen an den jüngeren Nachwuchs richten. Würden sich Absolvent:innen der Architektur noch einmal für ihr Studium entscheiden? Im ersten Report bejahten dies noch 58 %, im aktuellen Bericht fällt dieser Wert auf unter die Hälfte (48,9 %). Wenn die Mehrheit des eigenen Nachwuchses den Sinn der absolvierten Ausbildung infrage stellt, ist das ein unüberhörbarer Alarmruf an die gesamte Branche. 

© privat

Lorenz Hahnheiser

Kolumnist

Lorenz Hahnheiser schreibt über die Architekturlehre an den Unis, architekturpolitische Themen, Nachhaltigkeit und Wohnungsbau. Er hat sein Bachelor-Architektur Studium an der Leibniz Universität Hannover abgeschlossen, sammelte dann erste Bauerfahrungen und studiert nun im Master an der TU Berlin.

Er engagiert sich bei der Nachwuchsorganisation nexture+ und ist Beirat der Joanes Stiftung. Seit 2022 gehört Lorenz Hahnheiser zum Team, das die wöchentlichen Nachwuchs-Kolumnen auf DABonline schreibt.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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