Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Vom Abbruch in die Zukunft: Bauteilbörse in der Überseestadt

Seit 23 Jahren gibt es im Bremer Westen die Bauteilbörse. Hier werden gebrauchte Bauteile gerettet und eingelagert – und zum Kauf angeboten. Sanne Meier, Mitarbeiterin im Projekt, stellt die Börse vor.

Sanne Meier
27.02.2026 4min
Weiterbauen Ressourcen und Recycling Nachhaltigkeit Bremen
Reihe gebrauchter Zimmertüren in einem Lager: Türen stehen hochkant in Holzgestellen, überwiegend weiß, eine gelb; vorn eine große Holztür mit Glaseinsätzen. Ein Schild darüber lautet „Zimmertüren“.
Zimmertüren in der Bauteilbörse Bremen © Bauteilbörse Bremen

Eine Lagerhalle im Hafengebiet in der Bremer Überseestadt: Hier stapeln sich Zementfliesen mit ornamentalen Mustern neben alten Wesersandsteinplatten. Schmiedeeiserne Zaunelemente, wahlweise schlicht oder verschnörkelt, lehnen aneinander. Im Innenbereich sind Zimmertüren aufgereiht, nummeriert und mit Maßen beschriftet, daneben alte Haustüren mit Glaseinsatz, verschiedenste Lampen hängen von den Decken. Badablagen in unterschiedlichen Farben lagern in den Regalen, Heizkörper lang, schmal oder mit breiten Rippen warten auf neue Besitzer. Türdrückergarnituren aus verschiedenen Epochen – mit Ornamenten oder im schlichten Bauhaus-Stil, aus Bakelit oder Messing – hängen in mehreren Reihen übereinander und erzählen ihre eigene Geschichte des Designs. Es gibt Spiegel mit Goldrahmen oder Bleiglasfenster mit maritimen Motiven, ausgebaute Treppen und Handläufe. Weniger spektakulär muten dagegen Balkontüren oder Kunststofffenster an, die auf die Wiederverwendung in einer Gartenlaube oder einem Bauwagen warten. In dem gut sortierten Lager finden sich besondere Einzelstücke oder ganze Posten gleicher Bauteile aus unterschiedlichen Baujahren.

Darum geht es in der Bauteilbörse: möglichst viele gebrauchte Bauteile, die bei Abbruch oder Umbau anfallen, weiterzuvermitteln und sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Damit wendet sich die Börse gleichermaßen an Privatleute, Handwerksbetriebe, Abrissunternehmen, Baugesellschaften, Planungsbüros und Behörden.  

Welche Bauteile werden gerettet?  

Wenn bei Umbau, Sanierung oder Abbruch Bauteile überzählig sind, wird im besten Fall die Bauteilbörse kontaktiert. Fotos vom Bauteil, die per E-Mail geschickt werden, vermitteln den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen ersten Eindruck. Lohnt sich der Ausbau eines Bauteils, weil es voraussichtlich Interessenten dafür gibt, übernimmt die Bauteilbörse Ausbau, Abtransport, Lagerung und Registrierung in einem Online-Bauteilkatalog.

Wir sind wie Tinder für Bauleute und Bauteile. Es muss einfach das passende ‚Match‘ gefunden werden.

Maina von Monkiewitsch

Geschäftsführerin der Bauteilbörse

Bezahlen kann die Bauteilbörse dafür nichts oder höchstens einen symbolischen Betrag, denn der ganze Prozess, bis das Bauteil eingelagert und im Online-Katalog registriert ist, ist aufwendig. Die Bauteile wären sonst für den Endkunden nicht mehr bezahlbar. „Der Aufwand ist groß, ohne Frage“, bestätigt Mitarbeiterin Susanne Meier, „aber er ist eben nötig, damit Bauleute und Bauteile passend zueinanderfinden.“ Und Maina von Monkiewitsch, Geschäftsführerin der Bauteilbörse, drückt es so aus: „Wir sind wie Tinder für Bauleute und Bauteile. Es muss einfach das passende ‚Match‘ gefunden werden... Also genau die Tür oder das Fenster mit dem passenden Maß und Aussehen, das für das Bauobjekt infrage kommt.“   

Online-Bauteilkatalog  

Menschen, die ihr Haus restaurieren, ihr Parzellenhäuschen oder ein Tiny House bauen wollen, können im Online-Bauteilkatalog schauen, ob geeignete Bauteile in den passenden Größen verfügbar sind. Aber auch vor Ort, in der Getreidestraße 16-18, kann man stöbern und sich beraten lassen und findet womöglich ein schönes Element für Umbau- oder Upcycling-Projekte.

Funktionstüchtige Bauteile gelangen auf diese Weise in die Wiederverwendung und landen nicht auf dem Müll. Das trägt zur Verminderung des Bauabfalls bei, Rohstoffe und Energie werden eingespart. Die Bauteilbörse arbeitet dabei Hand in Hand mit der Bremer Stadtreinigung und den Entsorgungsbetrieben: Jedes Bauteil, das einer Wiederverwendung zugeführt wird, ist eines weniger auf dem Müll, und dieser Umstand nützt allen.

Dass diese Bauteile ein neues Zuhause finden, wo sie gebraucht und geschätzt werden, dafür setzt sich die Bauteilbörse ein. Dafür braucht es ein akribisches Ausmessen und Aufnehmen der Bauteile in den Katalog, aber auch Fachwissen aus dem Tischler- und Zimmerergewerbe. Der große Erfahrungsschatz des Bauteilbörsen-Teams kann da weiterhelfen.   

Nachfrage ist vorhanden  

Die Nachfrage nach gebrauchten Bauteilen ist da. Teilweise kommen Menschen aus dem ganzen norddeutschen Raum, um Elemente für ihre Hausrenovierung zu kaufen. Die allermeisten Bauteile der Bauteilbörse finden in Bremen und Umgebung einen neuen Einsatzort. Gelegentlich schicken Kundinnen und Kunden ein Foto vom wiederverwerteten Bauteil oder von einem Upcycling-Projekt. „Das freut uns dann immer sehr“, lacht Maina von Monkiewitsch, „wenn wir sehen, was daraus geworden ist. Und dass sich der ganze Prozess von der Rettung des Bauteils über Lagerung und Registrierung bis zum Verkauf gelohnt hat.“

 Der Verein „Alt-Bauteile Bremen“

Der Verein „Alt-Bauteile Bremen“ ist als ein Zusammenschluss von Handwerksbetrieben und Büros aus dem Baubereich im Jahr 2002 gegründet worden. Er ist Initiator eines Netzwerkes, das die Wiederverwendung gebrauchter Bauteile in Bremen fördert. Der Verein ist der Träger der Bauteilbörse Bremen.  

Öffnungszeiten: 
Dienstag bis Donnerstag: 9 bis 17 Uhr  
Freitag und Samstag von 9 bis 15 Uhr  
Getreidestraße 16-18, 28217 Bremen  
Telefon: +49 (0)421 57 96 088  
Mail: info@bauteilboerse-bremen.de  

Der Bauteilkatalog und andere Informationen finden sich unter www.bauteilboerse-bremen.de.   

Sanne Meier

Verein „Alt-Bauteile Bremen“

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

Eine architektonische Visualisierung zeigt einen zentralen Platz mit einem massiven Neubau aus hellem Mauerwerk, der sich zwischen historische Gebäude mit Satteldächern einfügt, große Öffnungen und Einblicke lassen Nutzung und Aktivität erkennen, während Menschen den Platz durchqueren oder sich versammeln, wodurch das Bild die Schaffung eines neuen öffentlichen Zentrums verdeutlicht, das Bestand und Neubau verbindet und Raum für kulturelle, soziale und gemeinschaftliche Aktivitäten bietet.

Sanierung von Schloss Köthen: Architekturwettbewerb entschieden

Schloss Köthen in Sachsen-Anhalt soll zu einem zeitgemäßen Museums- und Kulturstandort weiterentwickelt werden. Ein Wettbewerbsverfahren liefert dafür architektonische und freiraumplanerische Impulse.

Meldungen Sachsen-Anhalt
27.01.2026
Halbnahes Porträt einer lächelnden erwachsenen Person mit kurzem braunem Haar, im dunkelblauen Blazer und hellblauen Hemd, draußen vor unscharfem, urbanem Hintergrund, Blick in die Kamera.

Vom Kreislauf-Ideal zur Realität und zurück?

Warum Deutschland bei Recycling und Reuse feststeckt – und welche Hebel sofort wirken würden.

Baukultur Bundesweit
02.02.2026
Foto einer Rückbau‑Baustelle: teilentkerntes Hochhaus, vorne Holzpaletten und Geräte; links und rechts große Haufen aus Schrottmetall und Ziegeln, Baggerarm sichtbar; sonniger Tag, vereinzelt Bewuchs am Rand.

Mehr als Material: Wie Kreislaufwirtschaft im Bau konkret wird

Kreislauffähiges Bauen braucht mehr als recyclinggerechte Materialien. Forschungsprojekte zeigen, wie Bewertung, Logistik, Bauteilwiederverwendung und Planung zusammenspielen müssen, damit der Kreislauf funktioniert.

Bautechnik Bundesweit
17.02.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven Newsletter!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.