Vom Abbruch in die Zukunft: Bauteilbörse in der Überseestadt
Seit 23 Jahren gibt es im Bremer Westen die Bauteilbörse. Hier werden gebrauchte Bauteile gerettet und eingelagert – und zum Kauf angeboten. Sanne Meier, Mitarbeiterin im Projekt, stellt die Börse vor.
Eine Lagerhalle im Hafengebiet in der Bremer Überseestadt: Hier stapeln sich Zementfliesen mit ornamentalen Mustern neben alten Wesersandsteinplatten. Schmiedeeiserne Zaunelemente, wahlweise schlicht oder verschnörkelt, lehnen aneinander. Im Innenbereich sind Zimmertüren aufgereiht, nummeriert und mit Maßen beschriftet, daneben alte Haustüren mit Glaseinsatz, verschiedenste Lampen hängen von den Decken. Badablagen in unterschiedlichen Farben lagern in den Regalen, Heizkörper lang, schmal oder mit breiten Rippen warten auf neue Besitzer. Türdrückergarnituren aus verschiedenen Epochen – mit Ornamenten oder im schlichten Bauhaus-Stil, aus Bakelit oder Messing – hängen in mehreren Reihen übereinander und erzählen ihre eigene Geschichte des Designs. Es gibt Spiegel mit Goldrahmen oder Bleiglasfenster mit maritimen Motiven, ausgebaute Treppen und Handläufe. Weniger spektakulär muten dagegen Balkontüren oder Kunststofffenster an, die auf die Wiederverwendung in einer Gartenlaube oder einem Bauwagen warten. In dem gut sortierten Lager finden sich besondere Einzelstücke oder ganze Posten gleicher Bauteile aus unterschiedlichen Baujahren.
Darum geht es in der Bauteilbörse: möglichst viele gebrauchte Bauteile, die bei Abbruch oder Umbau anfallen, weiterzuvermitteln und sie einer neuen Nutzung zuzuführen. Damit wendet sich die Börse gleichermaßen an Privatleute, Handwerksbetriebe, Abrissunternehmen, Baugesellschaften, Planungsbüros und Behörden.
Welche Bauteile werden gerettet?
Wenn bei Umbau, Sanierung oder Abbruch Bauteile überzählig sind, wird im besten Fall die Bauteilbörse kontaktiert. Fotos vom Bauteil, die per E-Mail geschickt werden, vermitteln den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen ersten Eindruck. Lohnt sich der Ausbau eines Bauteils, weil es voraussichtlich Interessenten dafür gibt, übernimmt die Bauteilbörse Ausbau, Abtransport, Lagerung und Registrierung in einem Online-Bauteilkatalog.
Wir sind wie Tinder für Bauleute und Bauteile. Es muss einfach das passende ‚Match‘ gefunden werden.
Maina von Monkiewitsch
Bezahlen kann die Bauteilbörse dafür nichts oder höchstens einen symbolischen Betrag, denn der ganze Prozess, bis das Bauteil eingelagert und im Online-Katalog registriert ist, ist aufwendig. Die Bauteile wären sonst für den Endkunden nicht mehr bezahlbar. „Der Aufwand ist groß, ohne Frage“, bestätigt Mitarbeiterin Susanne Meier, „aber er ist eben nötig, damit Bauleute und Bauteile passend zueinanderfinden.“ Und Maina von Monkiewitsch, Geschäftsführerin der Bauteilbörse, drückt es so aus: „Wir sind wie Tinder für Bauleute und Bauteile. Es muss einfach das passende ‚Match‘ gefunden werden... Also genau die Tür oder das Fenster mit dem passenden Maß und Aussehen, das für das Bauobjekt infrage kommt.“
Online-Bauteilkatalog
Menschen, die ihr Haus restaurieren, ihr Parzellenhäuschen oder ein Tiny House bauen wollen, können im Online-Bauteilkatalog schauen, ob geeignete Bauteile in den passenden Größen verfügbar sind. Aber auch vor Ort, in der Getreidestraße 16-18, kann man stöbern und sich beraten lassen und findet womöglich ein schönes Element für Umbau- oder Upcycling-Projekte.
Funktionstüchtige Bauteile gelangen auf diese Weise in die Wiederverwendung und landen nicht auf dem Müll. Das trägt zur Verminderung des Bauabfalls bei, Rohstoffe und Energie werden eingespart. Die Bauteilbörse arbeitet dabei Hand in Hand mit der Bremer Stadtreinigung und den Entsorgungsbetrieben: Jedes Bauteil, das einer Wiederverwendung zugeführt wird, ist eines weniger auf dem Müll, und dieser Umstand nützt allen.
Dass diese Bauteile ein neues Zuhause finden, wo sie gebraucht und geschätzt werden, dafür setzt sich die Bauteilbörse ein. Dafür braucht es ein akribisches Ausmessen und Aufnehmen der Bauteile in den Katalog, aber auch Fachwissen aus dem Tischler- und Zimmerergewerbe. Der große Erfahrungsschatz des Bauteilbörsen-Teams kann da weiterhelfen.
Nachfrage ist vorhanden
Die Nachfrage nach gebrauchten Bauteilen ist da. Teilweise kommen Menschen aus dem ganzen norddeutschen Raum, um Elemente für ihre Hausrenovierung zu kaufen. Die allermeisten Bauteile der Bauteilbörse finden in Bremen und Umgebung einen neuen Einsatzort. Gelegentlich schicken Kundinnen und Kunden ein Foto vom wiederverwerteten Bauteil oder von einem Upcycling-Projekt. „Das freut uns dann immer sehr“, lacht Maina von Monkiewitsch, „wenn wir sehen, was daraus geworden ist. Und dass sich der ganze Prozess von der Rettung des Bauteils über Lagerung und Registrierung bis zum Verkauf gelohnt hat.“
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