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Circle – Hub für Urban Mining

Dass der Idee der Kreislaufwirtschaft im Baubereich die Zukunft gehört, besser gesagt, gehören sollte, dürfte bei den meisten Beteiligten common sense sein. Nicht das „Dass“, sondern das „Wie“ der Umsetzung ist die oft noch ungelöste Aufgabe.

Frank Maier-Solgk
25.02.2026 4min
Zirkuläres Bauen Ressourcen und Recycling Bundesweit
 Ausstellungstisch mit beschrifteten Tafeln und Materialproben: Ziegelstein, massiver Holzblock, Kachel‑ und Textilproben sowie ein Metallbeschlag; hinten Gläser mit Erdproben.
Ausstellung über Kreislaufwirtschaft im Circle Cube in Offenbach © Circle

Die Wege zu einer nachhaltigen effizienten, das heißt auch wirtschaftlich tragfähigen Kreislaufwirtschaft praxisnah zu gestalten, verspricht ein neues bundesweit aktives Projekt in Offenbach am Main, das sich als Plattform von verschiedenen, an der gesamten Wertschöpfungskette angesiedelten Akteuren versteht.

In engem Austausch miteinander will man innovative Lösungen auf den Weg und „Schwung in die Bauwende“ bringen. Physisch geschieht das in einem neu errichteten Büroensemble namens Rockywood im Offenbacher Hafen, das in Holzmodulbauweise errichtet auch als Gebäude das Prinzip Nachhaltigkeit zum Ausdruck bringt. Obwohl erst Anfang 2024 ins Leben gerufen, haben sich inzwischen (Stand Januar 2026) bereits rund 80 Partner aus der Bau- und Kreislaufwirtschaft diesem Circle Hub angeschlossen, darunter Rohstoff-Produzenten, Abfallentsorger, Garten- und Landschaftsbaufirmen, Architektur- und Ingenieurbüros, Baustofflabore und offizielle Einrichtungen wie die DGNB. 

Uferpromenade mit modernen Bürogebäuden am Flussbecken; Glasfassaden spiegeln sich im Wasser, sonniger Himmel.
Das Rockywood im Offenbacher Hafen ist Heimat von Circle Hub (Shared Office) und Circle Cube (Showroom für Kreislaufwirtschaft) © Circle

Vor Ort haben rund 30 Firmen Büroräume. Als Ziele formuliert der Hub an erster Stelle die Erhöhung der Recyclingquoten bei Bauabfällen; ein zweites Ziel ist die Verkürzung der Lkw-Transportwege von Bauabfällen durch regionale Wertstoffkreisläufe. Der Ansatz betrifft insofern weniger den Neubau, der in der Regel heute als Holzbau und mit grünen Fassaden medial im Fokus steht, als das vermeintliche Endprodukt, den Abfall, von dem in Deutschland bekanntlich nicht weniger als 60 % aus dem Baubereich kommen. Es geht um die gesamte Wertschöpfungskette, so der Initiator des Circle Daniel Imhäuser, Geschäftsführer der Blasius Schuster GmbH & Co. KG, ein Recyclinghersteller mit Sitz unter anderem in Frankfurt am Main, der jährlich Millionen Tonnen Sekundärbaustoffe bewegt.

Offener Bürobereich mit sichtbaren Holzbalken: drei Personen arbeiten an Laptops an einem Gemeinschaftstisch; Tageslicht und Pflanzenregal im Hintergrund.
„Hot Desks“ im Circle Hub – Arbeitsplätze für Partnerunternehmen © Circle

Das Rockywood ist vor allem ein Treffpunkt für den Austausch von Know-how und den Auftakt von Pilotprojekten; Fachgespräche, Fortbildungen und Workshops werden in wöchentlichen Abständen organisiert. Dem anwendungsorientierten Austausch dient ferner eine digitale Materialbörse, die installiert wurde, um Recyclingbedarfe bei anstehenden Projekten schneller miteinander zu verknüpfen. Es geht darum, so Imhäuser im Gespräch, dass mehr Innovation in die Kreislaufwirtschaft Bau kommt. Sowohl markterfahrene als auch junge Unternehmen würden interessante technologische Entwicklungen bieten, die über Circle vorangetrieben, schneller bekannt und schließlich auch verwendet werden könnten. „Zirkuläre Herstellung“, so Imhäuser, „ist generell mit hohem Abstimmungsaufwand verbunden.“ Die Suche nach umweltfreundlicheren Alternativen lohne sich nicht nur im Bereich von Garten- und Außenanlagen, sondern insbesondere im Infrastrukturbereich wie beim Bau von Straßen, Brücken, Kanälen, Deichen, Gleisanlagen und im Gebäudesektor. Umweltfreundlichere Materialien sind auch solche, die mit weniger Zement und weniger natürlichen Rohstoffen auskommen, zum Beispiel bei Betonpflastersteinen. „Ein neues Produkt“, so Imhäuser, „ist der von einem Circle-Partner entwickelte Klimastein, der überwiegend aus Recyclingmaterial besteht und statt Zement auch alternative Bindemittel enthält.“ Vor Kurzem hat sich das Circle Hub vor Ort sogar einen zusätzlichen neuen Baukörper geleistet, der von den Herstellern als Spezialort für Materialausstellungen genutzt wird. Um diesen Weg erfolgreich fortzusetzen, seien vor allem stärkere dezentrale Kooperationen wichtig. 

Reihe transparenter Glasboxen mit beschrifteten Proben aus Erde/Recycling-Schotter auf einer Holzablage vor dem Fenster.
Verschiedene Pflanzen-/Vegetationssubstrate mit Recyclinganteil, ausgestellt im Circle Cube © Circle
Ausstellung: weiße Tafeln mit schematischen Würfel‑Diagrammen an Betonwand; davor lange Tische mit Texten und Materialmustern.
Aus Alt wird Neu – Beton-Recycling mit Produktbeispielen, ausgestellt im Circle Cube. © Circle

Nahaufnahme: zwei rötliche, verwitterte Ziegelsteine liegen auf kleinem Bauschutt.
Früher Schule, heute Baum – ein rückgebauter Ziegel ersetzt Lava im Pflanzgranulat. © Circle

Auch im Landschafts- und Gartenbau kann der Circle Hub auf einen konkreten innovativen Ansatz verweisen. Den bei Dachbegrünungen oder zum Beispiel Carports bislang meist verwendeten Lavastein als Beigabe zum Pflanzengranulat hofft man bald flächendeckend ersetzen zu können. „Wir haben in eigener Rezeptur den Lavastein durch einen Ziegel ersetzt, der überall aus Rückbaumaterialien verfügbar ist, wodurch sich nicht zuletzt der emissionslastige Transport reduzieren lässt.“ 

Was die nächsten Schritte des Circle Hub betrifft, so werde man sich nach Imhäuser vor allem dem Thema BIM (Building Information Modeling) zuwenden, zu dem im Frühjahr eine große Fachveranstaltung stattfindet, zu der neben Vertretern des Baugewerbes und der Architektenschaft auch die der Politik erwartet werden. Nicht zuletzt auf sie wird es ankommen, denn die öffentliche Hand als Bauherr ist besonders „materialintensiv“.

© privat

Frank Maier-Solgk

Düsseldorf / München

Frank Maier-Solgk ist von der Gartenkunst auf die Architektur gekommen. Er hat Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philosophie in München und Heidelberg studiert und mit einer Arbeit über den Österreicher Robert Musil promoviert. Nach Tätigkeiten als Berater von Institutionen und Unternehmen im kulturellen Bereich schreibt er seit vielen Jahren für überregionale Tageszeitungen sowie für Kunst- und – natürlich und hauptsächlich für Architekturmagazine.

Für das DAB schreibt Frank Maier-Solgk sowohl überregional als auch für den NRW-Teil. Das Spektrum seiner Themen reicht von Städtebau über Landschaftsarchitektur bis zum zirkulären Bauen. Er hat ferner Lehraufträge über journalistisches Arbeiten in Berlin und Düsseldorf wahrgenommen.

Eigentlich hat sich Frank Maier-Solgks Interesse für Architektur aus einer Leidenschaft für die europäische Gartenkunst entwickelt. Mehrere Bücher zum Beispiel über englische Landschaftsgärten in Deutschland, Renaissancegärten in Italien und französische Gärten in und um Paris sind dazu erschienen. Seine jüngste Publikation behandelt Skulpturengärten und Kunst in grünen Umfeldern („Green Fields“). Er lebt und arbeitet in Düsseldorf sowie gelegentlich in München.

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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