Lübecker Studierende denken das Parkcenter Neumünster weiter
Die Entwurfswerkstatt auf der Messe NordBau hat mittlerweile Tradition und leistet alljährlich einen Beitrag zu Ausbildung, Nachwuchsförderung und Baukulturvermittlung in Schleswig-Holstein.
Im Rahmen der NordBau 2025 fand die Entwurfswerkstatt der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein (AIK-SH) in Kooperation mit der Stadt Neumünster und der Technischen Hochschule Lübeck bereits zum dritten Mal statt. Ziel war die Entwicklung eines architektonischen Konzepts zur Reaktivierung des seit Jahren leer stehenden Parkcenters in Neumünster.
Im Mittelpunkt stand die Erarbeitung eines Mixed-Use-Konzepts, das die besonderen Qualitäten des Standorts – insbesondere die Nähe zur Innenstadt, zum Stadtpark und zu kulturellen Einrichtungen – aufgreift und in ein nachhaltiges, lebendiges Nutzungskonzept überführt. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf der Integration des Stadtparks, der Gestaltung attraktiver öffentlicher Räume mit hoher Aufenthaltsqualität sowie der Nutzung und Weiterentwicklung bestehender stadträumlicher Potenziale, um neue Impulse für die Innenstadtentwicklung zu setzen.
Methodik und Ablauf
Im Vorfeld der Messe erfolgten eine ausführliche Ortsanalyse sowie eine gemeinsame Begehung des Bestandsgebäudes mit Vertretern der Stadt und Fachplanern. Innerhalb von fünf Tagen erarbeiteten die Studierenden Entwurfsideen unter realen Bedingungen auf dem Messegelände, begleitet von Lehrenden der TH Lübeck und externen Praxispartnern. Die Entwürfe wurden in einem physischen Arbeitsmodell (M 1:100), Plandarstellungen sowie einer digitalen Präsentation aufbereitet und im Rahmen des Loungeabends der AIK-SH öffentlich vorgestellt.
Entwurfskonzept: Stadtbaustein mit durchlässiger Topografie
Der entwickelte Entwurf versteht das Parkcenter nicht mehr als monolithisches Einkaufszentrum, sondern als differenziertes, vertikal gegliedertes Stadtbaustein-Ensemble. Ausgangspunkt der Konzeption ist die Öffnung der Blockstruktur hin zu einer durchlässigen, topografisch nutzbaren Dachlandschaft, die Rencks Park und Anscharpark miteinander verknüpft. Großzügige, öffentlich zugängliche Treppenanlagen ermöglichen einen barrierearmen Übergang zwischen Stadt und Park. Durch gezielte Subtraktionen in der bestehenden Gebäudemasse entstehen Atrien, welche Tageslicht und Frischluft tief in die ehemals introvertierte Struktur führen. Gleichzeitig erzeugen diese Einschnitte eine Gliederung des Volumens und erlauben eine differenzierte funktionale Zonierung.
Nutzungsstruktur
Das Erdgeschoss wird neu strukturiert und erhält eine kleinteilige Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie, sozialen Einrichtungen (u. a. Sozialkaufhaus der Diakonie) sowie einer wiedereröffneten Hotelfunktion. Darüber angeordnet sind Bildungs- und Freizeitangebote wie die Volkshochschule, ein Fitnessbereich und öffentliche Aufenthaltsräume, die das Parkcenter als Third Place im Quartier etablieren sollen. Die oberen Geschosse sind der Wohnnutzung zugeordnet. Hier werden unterschiedliche Wohnungstypologien realisiert, ergänzt durch gemeinschaftliche Außenräume, Gärten und Balkone. Das ehemalige Polizeigebäude wird für dauerhaftes Wohnen adaptiert; das Hotelangebot bleibt als ergänzende Nutzung erhalten.
Architektur und Fassadengestaltung
Das Fassadenkonzept basiert auf der Skelettstruktur des Bestands und überführt diese in eine modulare, wirtschaftlich vorfabrizierbare Hülle. Durch eine hell gehaltene Materialität, ergänzt durch regionale Ziegel und filigrane Metallgeländer, entsteht ein einladender, offener Eindruck. Die Gestaltung der Sockelzone differenziert sich durch eine großzügige öffentliche Treppenanlage sowie erdgeschossige Aufenthaltszonen. Ein zentrales Element des Entwurfs ist die extensive Dachlandschaft, die als urbaner Freiraum mit vielfältigen Nutzungen konzipiert ist – von Spiel- und Sportbereichen bis hin zu gastronomischen Angeboten und Gärten. Sie bildet eine durchgehende grüne Achse und ermöglicht eine intensive Verzahnung von Landschaft und gebautem Raum.
Der Entwurf zeigt auf, wie durch eine intelligente Weiterentwicklung der bestehenden Struktur ein identitätsstiftender, resilienter und funktional durchmischter Ort entstehen kann. Die Arbeit reflektiert zentrale Themen aktueller Stadtentwicklung – Umnutzung, Ressourcenschonung, soziale Durchmischung und Klimaanpassung – und formuliert daraus ein konkretes architektonisches Szenario für die Transformation eines innerstädtischen Problemraums.
Die Entwurfswerkstatt 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im planerischen Diskurs und der kreativen Auseinandersetzung mit dem Bestand liegt. Die Ergebnisse verstehen sich nicht als fertiger Masterplan, sondern als qualifizierter Beitrag zum weiteren Transformationsprozess des Parkcenters Neumünster.
Während der Werkstatt hatten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, den Arbeitsprozess live mitzuerleben und mit den Teams ins Gespräch zu kommen. Ziel war es, Einblicke in die Arbeitsweise und die Herausforderungen planender Berufe zu geben – und zugleich das Bewusstsein für deren Bedeutung zu stärken. Die Studierenden sammelten wertvolle Erfahrungen im Werkstattformat und schärften ihre Entwurfs- und Stegreifkompetenzen.
Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Loungeabends der AIK-SH von den Studierenden selbst präsentiert und anschließend in offener Runde bei einem Imbiss diskutiert. Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten – insbesondere dem Team der TH Lübeck um Prof. Stephan Wehrig, Dustin Buddenberg und Sascha Brühl, dem Fachdienst Planen und Bauen der Stadt Neumünster mit Kathrin Teichert und Jonas Drews sowie unseren Kammermitgliedern Lena Koschinski und Felix Winter für ihr engagiertes Mitwirken. Ohne sie wäre dieses wunderbare Format nicht möglich!