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Lübecker Studierende denken das Parkcenter Neumünster weiter

Die Entwurfswerkstatt auf der Messe NordBau hat mittlerweile Tradition und leistet alljährlich einen Beitrag zu Ausbildung, Nachwuchsförderung und Baukulturvermittlung in Schleswig-Holstein.

LAK Schleswig-Holstein
16.01.2026 4min
Weiterbauen Studium Klimagerecht Schleswig-Holstein
Eine Gruppe junger Erwachsener steht dicht hinter mehreren detaillierten Architekturmodellen auf einem Ausstellungstisch und blickt gemeinsam in die Kamera, der Messestand ist von Fachbegriffen zu Architektur, Planung und Bauwesen umgeben, wodurch das Bild Teamarbeit, Ausbildung und gemeinsames Arbeiten an architektonischen Konzepten sichtbar macht und für kollektives Lernen und Nachwuchs im Bauwesen steht.
Sehr arbeitsintensive Tage liegen hinter den Akteuren der Entwurfswerkstatt – und die Mühe hat sich gelohnt! © SIXCONCEPT

Im Rahmen der NordBau 2025 fand die Entwurfswerkstatt der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein (AIK-SH) in Kooperation mit der Stadt Neumünster und der Technischen Hochschule Lübeck bereits zum dritten Mal statt. Ziel war die Entwicklung eines architektonischen Konzepts zur Reaktivierung des seit Jahren leer stehenden Parkcenters in Neumünster.

Im Mittelpunkt stand die Erarbeitung eines Mixed-Use-Konzepts, das die besonderen Qualitäten des Standorts – insbesondere die Nähe zur Innenstadt, zum Stadtpark und zu kulturellen Einrichtungen – aufgreift und in ein nachhaltiges, lebendiges Nutzungskonzept überführt. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf der Integration des Stadtparks, der Gestaltung attraktiver öffentlicher Räume mit hoher Aufenthaltsqualität sowie der Nutzung und Weiterentwicklung bestehender stadträumlicher Potenziale, um neue Impulse für die Innenstadtentwicklung zu setzen. 

Methodik und Ablauf

Im Vorfeld der Messe erfolgten eine ausführliche Ortsanalyse sowie eine gemeinsame Begehung des Bestandsgebäudes mit Vertretern der Stadt und Fachplanern. Innerhalb von fünf Tagen erarbeiteten die Studierenden Entwurfsideen unter realen Bedingungen auf dem Messegelände, begleitet von Lehrenden der TH Lübeck und externen Praxispartnern. Die Entwürfe wurden in einem physischen Arbeitsmodell (M 1:100), Plandarstellungen sowie einer digitalen Präsentation aufbereitet und im Rahmen des Loungeabends der AIK-SH öffentlich vorgestellt.

Entwurfskonzept: Stadtbaustein mit durchlässiger Topografie

Der entwickelte Entwurf versteht das Parkcenter nicht mehr als monolithisches Einkaufszentrum, sondern als differenziertes, vertikal gegliedertes Stadtbaustein-Ensemble. Ausgangspunkt der Konzeption ist die Öffnung der Blockstruktur hin zu einer durchlässigen, topografisch nutzbaren Dachlandschaft, die Rencks Park und Anscharpark miteinander verknüpft. Großzügige, öffentlich zugängliche Treppenanlagen ermöglichen einen barrierearmen Übergang zwischen Stadt und Park. Durch gezielte Subtraktionen in der bestehenden Gebäudemasse entstehen Atrien, welche Tageslicht und Frischluft tief in die ehemals introvertierte Struktur führen. Gleichzeitig erzeugen diese Einschnitte eine Gliederung des Volumens und erlauben eine differenzierte funktionale Zonierung.

Eine axonometrische Zeichnung zeigt ein größeres Gebäudeensemble mit mehreren Höfen, begrünten Dachflächen, Wegen und offenen Räumen, Menschen sind schematisch eingezeichnet, ein Fluss und Grünflächen grenzen an, wodurch das Bild ein städtebauliches Konzept erklärt und für nachhaltige Quartiersentwicklung, Freiraumqualität und soziale Vernetzung durch Architektur steht.
Die neue Durchlässigkeit ermöglicht einen barrierearmen Übergang zwischen Stadt und Park. © Werkstatt-Team
Eine schematische axonometrische Darstellung desselben Gebäudeensembles zeigt farbig markierte Volumen, Pfeile und gestrichelte Flächen zur Erklärung von Bauphasen, Nutzungen oder Eingriffen, wodurch das Bild planerische Prozesse, Transformation und funktionale Zusammenhänge verdeutlicht und für analytisches Entwerfen und strategische Weiterentwicklung von Bestandsstrukturen steht.
Gezielte Subtraktionen sorgen für Atrien, welche Tageslicht und Frischluft tief in die Struktur führen. © Werkstatt-Team

Eine Person spricht an einem Rednerpult vor einem Messestand, im Vordergrund sind Architekturmodelle und Pläne ausgestellt, im Hintergrund stehen mehrere junge Erwachsene und hören zu, große Banner mit Begriffen rund um Planen, Bauen und Nachhaltigkeit rahmen die Szene, wodurch das Bild eine Präsentation oder Projektvorstellung zeigt und für Wissensvermittlung, Nachwuchsförderung und den öffentlichen Austausch über zeitgenössische Baukultur steht.
Die Akteure präsentierten ihre überzeugenden Ideen und Konzepte im Rahmen des Loungeabends der AIK-SH. © AIK-SH

Nutzungsstruktur

Das Erdgeschoss wird neu strukturiert und erhält eine kleinteilige Mischung aus Einzelhandel, Gastronomie, sozialen Einrichtungen (u. a. Sozialkaufhaus der Diakonie) sowie einer wiedereröffneten Hotelfunktion. Darüber angeordnet sind Bildungs- und Freizeitangebote wie die Volkshochschule, ein Fitnessbereich und öffentliche Aufenthaltsräume, die das Parkcenter als Third Place im Quartier etablieren sollen. Die oberen Geschosse sind der Wohnnutzung zugeordnet. Hier werden unterschiedliche Wohnungstypologien realisiert, ergänzt durch gemeinschaftliche Außenräume, Gärten und Balkone. Das ehemalige Polizeigebäude wird für dauerhaftes Wohnen adaptiert; das Hotelangebot bleibt als ergänzende Nutzung erhalten.

Architektur und Fassadengestaltung

Das Fassadenkonzept basiert auf der Skelettstruktur des Bestands und überführt diese in eine modulare, wirtschaftlich vorfabrizierbare Hülle. Durch eine hell gehaltene Materialität, ergänzt durch regionale Ziegel und filigrane Metallgeländer, entsteht ein einladender, offener Eindruck. Die Gestaltung der Sockelzone differenziert sich durch eine großzügige öffentliche Treppenanlage sowie erdgeschossige Aufenthaltszonen. Ein zentrales Element des Entwurfs ist die extensive Dachlandschaft, die als urbaner Freiraum mit vielfältigen Nutzungen konzipiert ist – von Spiel- und Sportbereichen bis hin zu gastronomischen Angeboten und Gärten. Sie bildet eine durchgehende grüne Achse und ermöglicht eine intensive Verzahnung von Landschaft und gebautem Raum.

Der Entwurf zeigt auf, wie durch eine intelligente Weiterentwicklung der bestehenden Struktur ein identitätsstiftender, resilienter und funktional durchmischter Ort entstehen kann. Die Arbeit reflektiert zentrale Themen aktueller Stadtentwicklung – Umnutzung, Ressourcenschonung, soziale Durchmischung und Klimaanpassung – und formuliert daraus ein konkretes architektonisches Szenario für die Transformation eines innerstädtischen Problemraums.

Die Entwurfswerkstatt 2025 hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im planerischen Diskurs und der kreativen Auseinandersetzung mit dem Bestand liegt. Die Ergebnisse verstehen sich nicht als fertiger Masterplan, sondern als qualifizierter Beitrag zum weiteren Transformationsprozess des Parkcenters Neumünster.

Während der Werkstatt hatten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, den Arbeitsprozess live mitzuerleben und mit den Teams ins Gespräch zu kommen. Ziel war es, Einblicke in die Arbeitsweise und die Herausforderungen planender Berufe zu geben – und zugleich das Bewusstsein für deren Bedeutung zu stärken. Die Studierenden sammelten wertvolle Erfahrungen im Werkstattformat und schärften ihre Entwurfs- und Stegreifkompetenzen. 

Die Ergebnisse wurden im Rahmen des Loungeabends der AIK-SH von den Studierenden selbst präsentiert und anschließend in offener Runde bei einem Imbiss diskutiert. Ein herzlicher Dank gilt allen Beteiligten – insbesondere dem Team der TH Lübeck um Prof. Stephan Wehrig, Dustin Buddenberg und Sascha Brühl, dem Fachdienst Planen und Bauen der Stadt Neumünster mit Kathrin Teichert und Jonas Drews sowie unseren Kammermitgliedern Lena Koschinski und Felix Winter für ihr engagiertes Mitwirken. Ohne sie wäre dieses wunderbare Format nicht möglich! 

LAK Schleswig-Holstein

Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit