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Großes Event mit großer Wirkung

Vom Bestand zur Zukunft: Wie die Landesgartenschau 2027 die Stadtentwicklung in Wittenberge nachhaltig prägt – und warum Partizipation dabei der Schlüssel zum Erfolg ist.

Mehrere Personen stehen und sitzen vor dem historischen Bahnhofsgebäude in Wittenberge auf einem neu gestalteten Vorplatz.
Vor dem Bahnhofsgebäude, das mit seinem neuen Gewand bereits auf das Großevent verweist: Oliver Hermann, Bärbel Kannenberg, Christian Kannenberg, Torsten Diehn, Martin Hahn, Andreas Rieger (v. l. n. r.).
© Maria Pegelow

Maria Pegelow vom Team für Öffentlichkeitsarbeit der Architektenkammer Brandenburg hat mit den Verantwortlichen der Landesgartenschau gesprochen: Bürgermeister Oliver Hermann, Bauamtsleiter und LAGA-Geschäftsführer Martin Hahn, den Architekt:innen Bärbel und Christian Kannenberg sowie WGW-Geschäftsführer Torsten Diehn. Der Präsident der Architektenkammer Brandenburg, Andreas Rieger, gesellte sich dazu. Maria Pegelow fasst die Positionen zum Großereignis zusammen.

Für Bürgermeister Dr. Oliver Hermann steht das Motto der Landesgartenschau „Wittenberge blüht auf“ für den Wandel der Stadt selbst. Die Landesgartenschau unterstütze den Transformationsprozess, den Wittenberge seit mehr als zwanzig Jahren verfolge, durch einen kräftigen Impuls. Entscheidend seien dabei nicht allein das Ereignis und seine Besucherinnen und Besucher, sondern vor allem die Investitionen und ihre Nachhaltigkeit. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was bleibt nach dem Event Landesgartenschau?

Ein Impuls für die Stadtentwicklung

Diese Haltung prägt die Projekte. Die Landesgartenschau bündelt Vorhaben, setzt Prioritäten und schafft einen verbindlichen Zeitrahmen. Hermann beschreibt diesen Mechanismus mit einem einfachen Bild: Etwa alle zehn Jahre brauche eine Stadt einen neuen Fokuspunkt. Nach dem Brandenburg-Tag 2018 übernehme nun die Landesgartenschau diese Funktion. Ein solches Ziel bündele Energien, schaffe Orientierung und bringe die Stadt voran. Zugleich dürfe sich eine Kommune organisatorisch und finanziell nicht überfordern. Eine Landesgartenschau müsse zum Entwicklungsstand der Stadt passen.

Die Landesgartenschau Wittenberge

Die Landesgartenschau versteht sich als Transformationskatalysator der Wittenberger Stadtlandschaft. Das Kerngebiet – Clara-Zetkin-Park, Stadtpark und das „Innovationsquartier" auf dem Külzberg – wird durch eine kohärente Grünflächenstrategie vernetzt. Charakteristisch sind fünf thematische Gärten im Clara-Zetkin-Park und das regionale „Prignitz-Beet als Ausdruck einer identitätsstiftenden Raumpraxis. Ein mutiges Konversionsbeispiel zeigt sich in der Transformation einer fensterlosen Garage zum atmosphärischen „Dunkelkonzept“-Pavillon. Die 187-tägige Veranstaltung operiert damit als urbaner Regenerationsmechanismus – mit dem Ziel nachhaltiger Wirkung für Stadt und Region. 

 

Daten:  21. April bis 24. Oktober 2027

www.laga-wittenberge.de/

Hermann verweist auf die Landesgartenschau 2013 in Prenzlau. Dort habe sich gezeigt, wie stark ein solches Ereignis das Stadtbild und das Selbstverständnis der Menschen verändern könne. Martin Hahn beschreibt den Wittenberger Ansatz als Transformation des Bestandes. Andere Landesgartenschauen entwickelten häufig neue Flächen am Stadtrand. Für Wittenberge passe dagegen ein Modell, das vorhandene Strukturen aufwerte. Die Vorbereitung habe den Blick besonders auf die bestehenden Grünflächen und Bauten wie zum Beispiel den Bahnhof, den Wasserturm mit beeindruckendem Ausblick oder die sogenannte Trinkhalle gelenkt. Qualitäten, die bereits vorhanden waren, seien dadurch neu erkannt worden. Wichtig war es auch, die Verbindungen zwischen diesen Bereichen zu schaffen beziehungsweise zu optimieren. 

Alle zehn Jahre braucht man so einen Fokuspunkt. Das bündelt Energien ohnegleichen.

Dr. Oliver Hermann

Bürgermeister der Stadt Wittenberge

Bestehende Qualitäten neu entdecken

Dazu gehören die verschiedenen Parkbereiche. Sie unterscheiden sich deutlich voneinander und bilden kein einheitliches Gefüge. Hahn sieht gerade darin eine Stärke: Besucherinnen und Besucher wechseln zwischen unterschiedlichen räumlichen Situationen und entdecken dabei immer neue Bereiche. Der Stadtpark, der Clara-Zetkin-Park, das Modellquartier, der Schwanenteich und weitere Bereiche bilden ein zusammenhängendes, aber abwechslungsreiches Freiraumsystem.

Der Stadtpark – das sind die „Weißen Berge“. Historische Sanddünen gaben dem Areal seinen Namen und prägen bis heute die bewegte Topografie des bewaldeten Geländes, so Hermann. Im Zuge der Landesgartenschau werden die Erschließung verbessert, Spiel- und Aufenthaltsbereiche ergänzt und die Geschichte des Ortes durch Informationstafeln vermittelt. Hermann beschreibt diesen Prozess als ein Wiederentdecken der eigenen Stadt. 

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Luftaufnahme eines Modellquartiers mit saniertem Wohngebäude, neu angelegten Wegen und Grünflächen.
Das Modellquartier im Bau
© Anastasija Zado

Wittenberge liegt an der Elbe. Und die Elbe gehört ebenfalls zum Konzept, ist aber nicht Teil des Kerngebiets. Geeignete Flächen fehlten, außerdem wären Bereiche mit ausreichendem Platz hochwassergefährdet gewesen. Hinzu kam die Frage, wo die Investitionen den größten Nutzen für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger entfalten. In den innerstädtischen Parkanlagen bestand ein größerer Handlungsbedarf als an der Elbe, wo bereits viel entwickelt worden war. Der Waldfriedhof ist dafür ein gutes Beispiel: Als bereits bestehende Grünanlage wird er in das Konzept der Landesgartenschau eingebunden und erfährt dadurch eine dauerhafte Aufwertung, die über das Veranstaltungsjahr hinaus wirkt.

Trotzdem soll die Elbe während der Landesgartenschau erreichbar und wahrnehmbar sein. Fußwege, ein Shuttle und Angebote an der Promenade schaffen den Brückenschlag zwischen Kerngebiet, Innenstadt und Fluss. Auf diese Weise verteilt sich das Ereignis über das Stadtgebiet, statt sich auf einen einzelnen Bereich zu beschränken.

Neu angelegte Treppen und Wege führen durch einen bewaldeten Bereich des Stadtparks.
Wegebau im Stadtpark
© Martin Ferch

Der Bahnhof als Tor zur Stadt

Die Fertigstellung des Bahnhofs bis 2027 hat eine besondere Bedeutung. Als Tor zur Stadt wird das imposante denkmalgeschützte Gebäude für viele Gäste der erste Eindruck von Wittenberge sein und den Weg in das Kerngebiet der Landesgartenschau eröffnen. Mit seinem Erwerb und der Sanierung verbindet die Stadt zugleich einen langfristigen Impuls für die Stadtentwicklung. Die beschlossene Rahmenplanung für das Bahnhofsumfeld unterstreicht, dass die Investitionen bewusst über das Veranstaltungsjahr hinaus wirken und weitere Entwicklungen anstoßen sollen.

Der Planungsprozess verdeutlicht zugleich, welche Anforderungen das Bauen im Bestand stellt. Das Büro Kannenberg untersuchte die historische Bausubstanz und arbeitete verborgene Potenziale heraus, die erst nach und nach wieder sichtbar wurden und die Grundlage der weiteren Planung bildeten. Bereits 2020 war der Bahnhof im Rahmen der Veranstaltung „Baukultur im Ort: Wittenberge“ der Baukulturinitiative Brandenburg in den Fokus gerückt und als Zukunftsbaustein der Stadtentwicklung diskutiert worden.

Auch die Wahl des Verfahrens müsse zur Aufgabe passen. Planungswettbewerbe seien ein bewährtes Instrument, um Qualität im Planen und Bauen zu sichern. Beim Bauen im Bestand müsse ihnen jedoch häufig eine intensive Auseinandersetzung mit der vorhandenen Substanz vorausgehen. Erst wenn Potenziale und Anforderungen geklärt seien, könne das geeignete Verfahren seine Wirkung entfalten. Die intensive Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Planenden und Architektenkammer habe gezeigt, wie wichtig eine frühzeitige Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen für das Gelingen solcher Projekte seien. Diese Erfahrungen könnten auch über Wittenberge hinaus Impulse für zukünftige Stadtentwicklungsprojekte geben. Die Landesgartenschau wirke dabei als Katalysator weit über das eigentliche Veranstaltungsjahr hinaus. 

Das zeigt eigentlich, was Baukultur leisten kann: diese Aktivierung.

Andreas Rieger

Präsident der Brandenburgischen Architektenkammer
Großes Werbebanner für die Landesgartenschau Wittenberge 2027 mit der Aufschrift „Wittenberge blüht auf“ auf einer Grünfläche vor Bäumen und Wohnhäusern
Die Landesgartenschau macht bereits jetzt überall in Wittenberge auf sich aufmerksam.
© Maria Pegelow

Was bleibt nach der Landesgartenschau? Und wie geht es weiter?

Hermann verbindet mit dem Instrument Landesgartenschau dennoch grundsätzliche Fragen. In Brandenburg liege ein großer Teil der Verantwortung bei der ausrichtenden Stadt. Jede Kommune beginne organisatorisch weitgehend von vorn. Erfahrungen und Strukturen würden nicht systematisch an die nächste Stadt weitergegeben. Angesichts angespannter Haushalte und veränderter Förderbedingungen werde es deshalb schwieriger, Kommunen für künftige Landesgartenschauen zu gewinnen.

Das Land – hier zuständig das MLEUV – sollte sich fragen, wie es mit dem Instrument umgehen wolle. Für Hermann steht dessen Wirkung außer Frage: Jede Landesgartenschau-Stadt habe einen wesentlichen Entwicklungsimpuls erhalten. Damit dieser Nutzen auch künftig entstehen könne, müssten Organisation, Finanzierung und Verantwortlichkeiten überprüft werden.

Einer künftigen Ausrichterstadt rät Hermann deshalb, genau zu prüfen, ob Zeitpunkt, Ressourcen und Entwicklungsstand zusammenpassen. Der Impuls müsse mit der Stadtentwicklung verbunden sein – mit der Wahrnehmung nach außen ebenso wie mit einem konkreten Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger. Notwendig seien außerdem der Rückhalt der Stadtverordnetenversammlung und eine breite Zustimmung in der Bevölkerung. Denn die Bauarbeiten, Einschränkungen und zeitweise gesperrten Bereiche gehörten ebenfalls zu einer Landesgartenschau.

Wittenberge setzt deshalb stark auf Information und Rückmeldung. Öffentlichkeitsarbeit sei heute ein Teil des Erfolgs, sagt Hermann. Es reiche nicht, Entscheidungen nur mitzuteilen. Die Stadt müsse erklären, was geplant sei, und zugleich Reaktionen aus der Bevölkerung aufnehmen. 

Die Landesgartenschau 2027 ist damit Großereignis und Stadtentwicklungsprojekt zugleich. Sie bringt Gäste nach Wittenberge, schafft einen festen Termin für die Umsetzung und lenkt Aufmerksamkeit auf bestehende Qualitäten. Ihre nachhaltige Wirkung wird sich daran messen lassen, wie der Bahnhof, die Weißen Berge, das Modellquartier und die weiteren öffentlichen Räume nach dem Veranstaltungsjahr genutzt werden. 

Maria Pegelow

DAB Redaktion Brandenburg
Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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