Digital Mondays – Wie KI und digitale Methoden das Planen verändern
Die siebte Staffel der Digital Mondays der Architektenkammer NRW zeigte eindrücklich, wie stark digitale Technologien die Architektur- und Planungswelt verändern.
Rund 1.500 Teilnehmende zum Auftakt und ähnlich hohe Zahlen in den folgenden Terminen machten deutlich: Die Branche sucht Orientierung und praktische Antworten darauf, wie sie KI & Co. sinnvoll in den Berufsalltag integrieren kann. Drei Abende, die vielfältige Perspektiven auf das digitale Planen und Bauen zeigten.
Digitale Stadtplanung
Zum Auftakt stand der Einsatz von digitalen Tools in der Stadtentwicklung im Fokus. Mirko Mühlpfort, Teamleiter „Digitale Infrastrukturen“, Stadt Leipzig, demonstrierte mit dem Projekt „Connected Urban Twins“, wie digitale Zwillinge gesamte Städte in ein datenbasiertes Update ihrer realen Gegenstücke verwandeln können. Aus Geodaten, Fachdatensystemen und mithilfe von Analyse- und KI-Komponenten entstehen Modelle, die Planungsprozesse nicht nur beschleunigen, sondern auch transparenter machen.
Besonders anschaulich wurde es im Studio: Ein KI‑basiertes Modell von Johannes Schwutke (vizz.build) zeigte, wie sich städtebauliche Varianten in Echtzeit visualisieren lassen – durch das Bewegen analoger Bausteine im physischen Modell. Die Botschaft: Digitale Tools können Planung für Fachwelt wie Öffentlichkeit verständlicher machen und Partizipation auf ein neues Niveau heben.
Parametrik vs. generatives Design
Der zweite Digital Monday widmete sich dem parametrischen Entwerfen – und der Frage, wie sich klassische Entwurfsmethodik und KI‑gestützte Prozesse zueinander verhalten.
Jacqueline Peter (Universität Duisburg-Essen) ordnete ein: Parametrische Systeme funktionieren deterministisch und beruhen auf klaren Regeln und nachvollziehbaren Parametern, während generatives Design probabilistisch arbeitet und Varianten auf Basis von Zielvorgaben erzeugt. Damit ist der Entscheidungsweg von generativer KI nicht vollständig transparent – nicht zuletzt deshalb dürfe man der KI niemals blind vertrauen.
Wie Büropraxis mit KI aussieht, zeigte Leo Stuckardt (MVRDV, Rotterdam) am Projekt „The Valley“ in Amsterdam: Tausende computergenerierte Varianten standen am Ende erstaunlich nah an einer ursprünglichen intuitiven Entwurfsidee. Parametrik wird so zum Analyse- und Bewertungstool – gerade auch mit Blick auf Themen wie CO₂‑Bilanzierung. Die gestalterische Handschrift muss aber menschlich bleiben.
KI in der Planungspraxis
Im dritten und letzten Termin ging es vollumfänglich um Künstliche Intelligenz. Eine Live-Umfrage zeigte ein heterogenes Bild: Knapp 40 % nutzen KI zumindest gelegentlich, ein Fünftel sogar regelmäßig – während ein ebenso großer Anteil bislang ganz darauf verzichtet.
Im Eröffnungstalk machten AKNW‑Vorstandsmitglied Matthias Pfeifer und Dr. Dietmar Köring (Arphenotype, Köln) deutlich: KI verändert Prozesse, aber nicht die Verantwortung der Architekt*innen. Schulung, Austausch und ein gemeinsamer „KI‑Kodex“ wurden als zentrale Bausteine genannt.
Christina Gresser und Philipp Eichstädt zeigten konkrete methodische Ansätze für die Arbeit mit KI im Planungsalltag – vom Rapid Prototyping über Bildgeneratoren bis hin zu KI‑gestützten Checklisten in Genehmigungsprozessen. Ihr Fazit: KI kann keine Architektur, aber sie kann helfen, besser zu planen.
Wolfram Putz (Graft, Berlin) ordnete die KI‑Debatte in große Transformationsentwicklungen ein und zeigte Experimente seines Büros – inklusive der eigenen KI „EDDI“. Neben Kreativitätspotenzial verwies er auf Risiken: Datenschutz, Datenhoheit und eine mögliche Verwässerung der Baukultur, wenn „jeder zum Autor werden“ könne.
Fazit: Mehr Zeit für das Wesentliche – wenn wir die Systeme verstehen
Die drei Digital Mondays machten deutlich: KI und digitale Methoden finden zunehmend Eingang in den Arbeitsalltag von Architekt:innen. Durch KI lassen sich Routinen automatisieren, Entwurfsvarianten schneller vergleichen sowie komplexe Zusammenhänge verständlicher machen und vermitteln. Damit einher geht ein Zeitgewinn im Büroalltag, der neue kreative Potenziale freisetzen kann – auch in Zusammenarbeit mit Künstlicher Intelligenz. Entscheidend bleibt dabei der Mensch: als Systemführer*in, der genau wissen muss, wie die Tools einzusetzen sind. Eine präzise und strenge Überwachung der KI ist dabei unabdingbar. Denn am Ende steht immer der Mensch in der Verantwortung für sein Werk.
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