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KI-Kodex für die Planungsbranche: Ein Kompass für die Praxis

Die Planungsdisziplinen entwickeln einen Kompass für den KI-Einsatz. Was der KI-Kodex konkret vorschreibt und was das für Ihre Praxis bedeutet.

Dr. Gloria Gaviria
13.04.2026 6min
KI Berlin
„KI-Kodex: Ein Kompass für die Planungsbranche. Im Entwicklungsprozess wurden bisher zentrale Themen identifiziert.“ © Dr. Gloria Gaviria, Architektenkammer Berlin

KI-gestützte Werkzeuge sind in vielen Planungsbüros längst Teil des Arbeitsalltags: für Entwurf, Analyse, Kommunikation oder Dokumentation. Was bislang fehlte, sind klare, berufsständische Leitlinien dafür, wie dieser Einsatz fachlich und ethisch verantwortungsvoll gestaltet werden kann. Gefordert ist Orientierung im schnellen Wandel, der in allen Planungsdisziplinen zu beobachten ist. Genau hier setzt der KI-Kodex an. Er wird speziell für Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur und Stadtplanung entwickelt und gibt konkrete Orientierung zu Fragen des Datenschutzes und der Datenhoheit, der Urheberschaft, der digitalen Souveränität sowie der Nachvollziehbarkeit bei KI-gestützten Entscheidungen. Parallel dazu wird mit dem EU AI Act seit August 2024 ein europäisches Rechtsrahmenwerk schrittweise wirksam, das auch für Planende unmittelbar relevant wird. Entwickelt wird der Kodex von der Ad-hoc-Gruppe KI der Bundesarchitektenkammer, federführend durch die Architektenkammer Berlin seit 2020. Dieser Artikel erläutert, welche Themen der KI-Kodex betrifft und wie er entwickelt wird.

Kernthemen des KI-Kodex im Überblick

Im Entwicklungsprozess des KI-Kodex wurden bisher sieben Themen als zentral identifiziert:

Menschliche Verantwortung in der KI-Nutzung: Werkzeuge unterstützen, Menschen entscheiden 

KI kann Planungsprozesse beschleunigen und komplexe Analysen vereinfachen – die fachliche Beurteilung und die letzte Entscheidung verbleiben jedoch in jedem Fall bei den Planenden. Das Prinzip des Human-in-the-Loop (d. h. die verbindliche Einbindung menschlicher Prüfung in KI-gestützte Abläufe) stellt sicher, dass Zwischenschritte kritisch hinterfragt und Entscheidungswege nachvollziehbar dokumentiert werden. Dies stärkt nicht nur die Qualitätssicherung und das Vertrauen in die Ergebnisse, sondern gewährleistet auch, dass ethische und rechtliche Verantwortlichkeiten klar zugeordnet bleiben.

Zuverlässigkeit und Transparenz: Vertrauen durch nachvollziehbare KI-Systeme 

Planende müssen sich darauf verlassen können, dass die eingesetzten Tools fehlerfrei, manipulationssicher und nachvollziehbar arbeiten. Hohe Datenqualität und robuste Modelle sind dafür entscheidend, denn unvollständige oder ungenaue Daten können zu falschen Ergebnissen führen. Daher sind regelmäßige Überprüfungen, transparente Entscheidungswege und plausibilisierte Ergebnisse unverzichtbar.

Datenschutz, Datenhoheit und Urheberrecht: Grundlagen, die nicht verhandelbar sind

Planende arbeiten mit sensiblen Projektdaten, Kundendaten und eigenen Entwurfsleistungen – Informationen, die besonderen Schutz erfordern. KI-Systeme müssen datenschutzkonform konfiguriert sein, und die Kontrolle über projektbezogene Daten muss bei den Planenden verbleiben. Transparenz über Datenherkunft und Verwendungszweck ist dabei keine optionale Zusatzleistung, sondern rechtliche Anforderung. Beim Urheberrecht stellen sich im KI-Einsatz konkrete Fragen: Wer gilt als urheberrechtlich verantwortliche Person bei einem KI-gestützten Entwurf? Welche Rechte gelten, wenn KI-Systeme auf bestehende Werke als Trainings- oder Referenzmaterial zugreifen? Der Kodex soll hier Orientierung geben – zum Schutz der geistigen Leistungen der Planenden.

Baukultur und Kreativität: Gestalten bleibt menschliche Aufgabe

KI kann kreative Prozesse beschleunigen und erweitern, zum Beispiel durch die Generierung innovativer Materialkombinationen oder klimafreundlicher Gebäudelösungen. Die gestalterische Entscheidung verbleibt dabei in jedem Fall beim Menschen, da nur Planende kulturelle und soziale Kontexte angemessen beurteilen können. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Frage der Datengrundlagen: Modelle, die auf unausgewogenen Datensätzen trainiert wurden, können zu einer Vereinheitlichung von Stilen führen oder wenig repräsentierte gestalterische Traditionen systematisch benachteiligen. Eingesetzte Daten kritisch zu prüfen und Strategien zur Diversitätssicherung verbindlich zu verankern ist daher entscheidend.

Faire und inklusive KI-Nutzung: Chancengleichheit für alle Planenden

Die Planungsbranche ist geprägt von einer Vielfalt kleiner Büros, die oft über begrenzte Ressourcen verfügen. Eine inklusive Nutzung von KI erfordert daher, technologische Barrieren abzubauen. Dies gelingt durch Lösungen, die qualitativ überzeugen und kostengünstig zugänglich sind, sowie durch gezielte Schulungsangebote für alle Büros. Zudem müssen Algorithmen kulturelle Diversität wahren und Benachteiligungen durch voreingenommene Daten vermeiden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Anpassungsfähigkeit der Systeme, um regionale Besonderheiten und individuelle Bürostrukturen zu berücksichtigen.

Nachhaltigkeit: KI-Einsatz mit ökologischer Verantwortung

Angesichts der globalen Klimaziele kommt der KI eine Schlüsselrolle zu. KI-gestützte Werkzeuge können Planende bei der Integration von Nachhaltigkeitszielen konkret unterstützen: durch Optimierung des Materialeinsatzes, frühzeitige Berechnung von Lebenszykluskosten, Simulation klimarelevanter Szenarien und Analyse der Kreislauffähigkeit von Baumaterialien. Dabei ist Differenzierung geboten: KI-Systeme selbst verursachen erheblichen Energie- und Ressourcenverbrauch. Wer KI als Nachhaltigkeitswerkzeug einsetzt, sollte die Infrastruktur dahinter in die eigene Bilanz einbeziehen.

Berufsbild und Fortbildung: Kompetenzen für den KI-Einsatz entwickeln

Die Einführung von KI verändert Arbeitsabläufe grundlegend. Routineaufgaben werden automatisiert, während neue Kompetenzen gefragt sind, insbesondere im Umgang mit KI-Tools und der Interpretation algorithmischer Ergebnisse. Die Fortbildungswerke der Länderarchitektenkammern spielen dabei eine zentrale Rolle. Ebenso wichtig sind die Zusammenarbeit mit Hochschulen und betriebliche Schulungsprogramme. Nur durch kontinuierliche Weiterbildung lässt sich sicherstellen, dass Planende KI nicht nur nutzen, sondern auch kritisch hinterfragen und verantwortungsvoll einsetzen können.

Partizipativ und strukturiert: der Weg zum KI-Kodex 

Der KI-Kodex entsteht nicht am Schreibtisch, sondern aus der Praxis: In Digital Talks, regionalen Veranstaltungen und Umfragen im Berufsstand wurden die thematischen Grundlagen des Kodex diskutiert: Datenqualität, Datensicherheit, Urheberrecht, menschliche Verantwortung, Nachhaltigkeit, Baukultur und Kreativität sowie faire und inklusive KI-Systeme. Begleitend entstanden praktische Materialien, darunter der Leitfaden „KI in der Planung: 10 Fragen, 10 Antworten“

Der Kodex wird 2026 in einem zweistufigen, interdisziplinären Workshop-Prozess erarbeitet: Nach dem ersten Workshop im Mai folgt eine Online-Konsultation, bevor im Juni der zweite Workshop stattfindet. Beteiligt sind Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Recht sowie Mitglieder der Länderarchitektenkammern.

Ein Regelwerk aus der Praxis – für die Praxis 

Mit dem KI-Kodex gibt sich die Planungsbranche erstmals ein eigenes Regelwerk für den Umgang mit KI – entwickelt von Fachleuten, verankert in berufsständischen Strukturen und zugeschnitten auf die spezifischen Anforderungen von Architektur, Stadtplanung, Landschafts- und Innenarchitektur. Er ersetzt nicht das eigene Urteilsvermögen, gibt aber Orientierung dort, wo bislang keine klaren Leitlinien existierten. Die Fertigstellung ist für 2026 geplant.

Dr. Gloria Gaviria

Berufspolitische Referentin der Architektenkammer Berlin

Berufspolitische Referentin der Architektenkammer Berlin für die Themen Digitalisierung, Klima- und Ressourcenpolitik sowie gesetzliche und normative Rahmenbedingungen

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

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