Innenarchitektur, made in Mannheim: Prophetinnen in der eigenen Stadt
Studiobesuch: Yordanka Rotta und Elena Laschewitsch gründeten ohne Auftrag – und zeigen heute mit Aboutlama, wie aus einer Nische ein eigenes Profil wird.
Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt mit einer Idee – und ziemlich schnell auch mit Fragen zu Steuern, Finanzen und Organisation. Yordanka Rotta und Elena Laschewitsch gründeten Aboutlama im Mai 2019 – und zwar ohne Auftrag. Zumindest für drei Monate. Aber die beiden waren keineswegs arbeitslos: Denn sie erstellten für den eigenen Betrieb Formulare und Strukturen, Philosophie und Markenbild.
Zuvor hatten beide fünf Jahre gemeinsam bei blocher partners gearbeitet, in Stuttgart und Mannheim. Eine Zeit, in der sie sich kennengelernt haben – auch unter Druck. „Wir haben nicht aus einer reinen Freundschaft gegründet, sondern wir wussten beide, wer was gut kann“, sagt Elena Laschewitsch. Was den Standort angeht, stand da nie etwas zur Diskussion: Mannheim war ihre Heimatstadt – und eine Lücke. „Innenarchitektur ist hier noch eine echte Nische“, erläutert Yordanka Rotta.
Den Namen fanden sie in ihren eigenen Nachnamen: La für Laschewitsch, Ma für Malinova (den früheren Nachnamen von Rotta) – aus beidem wurde Lama, und aus Lama wurde Aboutlama. Trotz aller strukturell durchdachten Vorbereitung: Eine Website hatten sie erst drei Jahre nach der Gründung – weil das Tun am Anfang im Vordergrund stand, zumal sie nach drei Monaten direkt drei Aufträge auf dem Tisch liegen hatten. Dann kamen die Weiterempfehlungen. „Wenn jemand auf einen Hinweis von einem Bekannten zu uns kommt, spricht man ganz anders über das Projekt“, sagt Laschewitsch. „Da geht es nicht nur ums Honorar.“
Kaltakquise haben sie bis heute kaum betrieben. Und das Thema Honorar haben sie früh ernst genommen: Wer von Anfang an nur günstig arbeitet, sagt Rotta, bleibt in dieser Schublade. Innenarchitektur, so stellen sie noch immer fest, sei in Mannheim eher ein blinder Fleck. Dabei sei die Stadt, sagt Rotta, architektonisch kontrovers und voller Kontraste – und noch nicht fertig gebaut. Genau das macht sie interessant.
Sichtbarkeit schaffen
Aboutlama versteht sich als Gestalter tatsächlicher Lebendigkeit – ganzheitlich, von Leistungsphase 0 bis 8, vom Feinkostladen mit altern dürfenden Naturmaterialien bis zum 12.000-qm-Hotel. Sichtbarkeit schaffen sie durch Präsenz: in der Kammergruppe Mannheim, beim Bund Deutscher Innenarchitekten, in Fachpublikationen.
Fünf Jahre dauerte es, bis sie feststellten: Jetzt nimmt man uns auch in Mannheim wahr. Das äußerte sich ganz konkret in einer Einladung zum Wettbewerb für den denkmalgeschützten Pavillon des Nationaltheaters – den sie gewannen. Ihr Fazit zur Selbstständigkeit fällt souverän aus. „Wirtschaftlich muss es sich lohnen, sonst macht man es nicht“, sagt Laschewitsch. „Aber was wir täglich lernen: Es liegt an einem selbst, das bewusst zu steuern.“ Die Freiheit, die eigene Architekturhaltung zu entwickeln, ohne dass sie von außen auferlegt wird – die rechnet keine der beiden in Euro auf.
Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts Q3/2026.
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