Deutsches Architektenblatt Logodab-logo
Finden Sie genau die Themen,
die Sie interessieren

Die beliebtesten Themen:

Deutsches Architektenblatt Logodab-logo Deutsches Architektenblatt Logodab-logo-description

Innenarchitektur, made in Mannheim: Prophetinnen in der eigenen Stadt

Studiobesuch: Yordanka Rotta und Elena Laschewitsch gründeten ohne Auftrag – und zeigen heute mit Aboutlama, wie aus einer Nische ein eigenes Profil wird.

Barbara Hallmann
22.09.2026 3min
"Schwarzweiß-Porträtfoto zweier Frauen von hinten, überlagert in doppelter Belichtung. Beide haben schulterlange Haare mit Pony. Eine Frau schaut nach links, die andere nach rechts. Beide tragen dunkle Kleidung vor neutralem, hellem Hintergrund."
Die Gründerinnen von Aboutlama – Elena Laschewitsch und Yordanka Rotta (von links)
© Paul Meye

Der Schritt in die Selbstständigkeit beginnt mit einer Idee – und ziemlich schnell auch mit Fragen zu Steuern, Finanzen und Organisation. Yordanka Rotta und Elena Laschewitsch gründeten Aboutlama im Mai 2019 – und zwar ohne Auftrag. Zumindest für drei Monate. Aber die beiden waren keineswegs arbeitslos: Denn sie erstellten für den eigenen Betrieb Formulare und Strukturen, Philosophie und Markenbild. 

Zuvor hatten beide fünf Jahre gemeinsam bei blocher partners gearbeitet, in Stuttgart und Mannheim. Eine Zeit, in der sie sich kennengelernt haben – auch unter Druck. „Wir haben nicht aus einer reinen Freundschaft gegründet, sondern wir wussten beide, wer was gut kann“, sagt Elena Laschewitsch. Was den Standort angeht, stand da nie etwas zur Diskussion: Mannheim war ihre Heimatstadt – und eine Lücke. „Innenarchitektur ist hier noch eine echte Nische“, erläutert Yordanka Rotta.   

"Schwarzweiß-Porträtfoto zweier Frauen von hinten, überlagert in doppelter Belichtung. Beide haben schulterlange Haare mit Pony. Eine Frau schaut nach links, die andere nach rechts. Beide tragen dunkle Kleidung vor neutralem, hellem Hintergrund."
© Paul Meye
Die Personen

Elena Laschewitsch, Yordanka Rotta

Innenarchitektinnen 

Die beiden Absolventinnen der Hochschule Darmstadt gründeten Aboutlama 2019 in Mannheim. Vorher hatten sie bei Blocher Partners umfangreiche Erfahrung gesammelt – Laschewitsch zuletzt in Kreativdirektion und Teamleitung, Rotta als Projektleiterin mit Schwerpunkt Hotel, Retail und Großprojekte. Rotta ist zudem Vorsitzende der Kammergruppe Mannheim. 

"Moderner Einzelhandelsladen mit hohen Holzbalken an der Decke. Umfassend bestückte Regale mit weißen Produkten an beiden Wänden. Rustikale Backsteinelemente am Tresen links. Zentrale Treppe führt nach oben. Heller, offener Raum mit gemischtem rustikalem und modernem Design."
Nicht jedes, aber manches der Projekte von Aboutlama ist öffentlich zugänglich – so zum Beispiel das Feinkostgeschäft Elriko in Bad Saulgau, das 2023 einen German Design Award erhielt
© Christian Borth
Modernes, minimalistisches Büroinneres in Schwarzweiß. Der Raum zeigt eine offene Küche mit schwarzer Marmorarbeitsplatte und Wasserhahn auf der linken Seite, daneben ein dunkles Regalwandsystem. Im Hintergrund ein großer Konferenztisch mit sechs schwarzen Bürostühlen. Rechts des Raumes befinden sich raumhohe Fenster mit weißen Vorhängen, die den Blick auf kahle Bäume und eine Stadtlandschaft freigeben. Die Decke ist mit indirekter Beleuchtung und hängenden Metallelementen gestaltet. Der Boden ist ein glänzender grauer Estrich. Die Gesamtgestaltung wirkt sehr hell und luftig mit strengem, geometrischem Design.
Die meisten Projekte von Aboutlama werden sehr diskret behandelt – so wie die Innenarchitektur dieser hochwertigen Villa
© Christian Borth

Den Namen fanden sie in ihren eigenen Nachnamen: La für Laschewitsch, Ma für Malinova (den früheren Nachnamen von Rotta) – aus beidem wurde Lama, und aus Lama wurde Aboutlama. Trotz aller strukturell durchdachten Vorbereitung: Eine Website hatten sie erst drei Jahre nach der Gründung – weil das Tun am Anfang im Vordergrund stand, zumal sie nach drei Monaten direkt drei Aufträge auf dem Tisch liegen hatten. Dann kamen die Weiterempfehlungen. „Wenn jemand auf einen Hinweis von einem Bekannten zu uns kommt, spricht man ganz anders über das Projekt“, sagt Laschewitsch. „Da geht es nicht nur ums Honorar.“  

ANZEIGE
ANZEIGE

Kaltakquise haben sie bis heute kaum betrieben. Und das Thema Honorar haben sie früh ernst genommen: Wer von Anfang an nur günstig arbeitet, sagt Rotta, bleibt in dieser Schublade. Innenarchitektur, so stellen sie noch immer fest, sei in Mannheim eher ein blinder Fleck. Dabei sei die Stadt, sagt Rotta, architektonisch kontrovers und voller Kontraste – und noch nicht fertig gebaut. Genau das macht sie interessant.  

Sichtbarkeit schaffen

Aboutlama versteht sich als Gestalter tatsächlicher Lebendigkeit – ganzheitlich, von Leistungsphase 0 bis 8, vom Feinkostladen mit altern dürfenden Naturmaterialien bis zum 12.000-qm-Hotel. Sichtbarkeit schaffen sie durch Präsenz: in der Kammergruppe Mannheim, beim Bund Deutscher Innenarchitekten, in Fachpublikationen.  

Fünf Jahre dauerte es, bis sie feststellten: Jetzt nimmt man uns auch in Mannheim wahr. Das äußerte sich ganz konkret in einer Einladung zum Wettbewerb für den denkmalgeschützten Pavillon des Nationaltheaters – den sie gewannen. Ihr Fazit zur Selbstständigkeit fällt souverän aus. „Wirtschaftlich muss es sich lohnen, sonst macht man es nicht“, sagt Laschewitsch. „Aber was wir täglich lernen: Es liegt an einem selbst, das bewusst zu steuern.“ Die Freiheit, die eigene Architekturhaltung zu entwickeln, ohne dass sie von außen auferlegt wird – die rechnet keine der beiden in Euro auf.  


Zuerst erschienen in der Printversion des Deutschen Architekt:innenblatts Q3/2026.

Barbara Hallmann

DAB Redaktion

Nach ihrem Kulturwissenschaftsstudium in Lyon und Weimar ließ sich Barbara Hallmann in der ARD zur Radio- und Fernsehjournalistin ausbilden. Seit knapp 20 Jahren schreibt sie hauptsächlich über Architektur und Design. 

Person mit lockigem Haar hält ein großes Blatt mit technischen Zeichnungen oder Plänen vor sich.
Mann in blauem Hemd hält zwei Papprollen und steht in einem Büro mit Computer und Kleidung im Hintergrund.
Person mit weißem Schutzhelm und orangefarbener Warnweste hält ein Tablet in einer Baustellenumgebung mit Gerüst im Hintergrund.

Bauen Sie Ihre
Zukunft – jetzt
Stellen entdecken

Das könnte Sie auch interessieren

„Porträt zweier Männer, die nebeneinander stehen. Der linke Mann ist kahlköpfig mit Bart und trägt ein schwarzes Überhemd. Der rechte Mann hat zurückgebundene Haare, einen Schnäuzer und trägt einen schwarzen Pullover. Im Hintergrund sind Regale mit verschiedenen Materialmustern aus Stein und Holz zu sehen.“

Bauen, neu gedacht an Alster und Elbe – und zwar KOSMOlogisch

Studiobesuch: Das Büro KOSMO in Hamburg sieht sich eher als Architekturboutique denn als -supermarkt, in dem es alles gibt. So entstehen schöne Räume, die Menschen berühren.

Büropraxis Hamburg
10.09.2026
„Vier Personen begutachten und besprechen gemeinsam verschiedene Farb- und Materialmuster an einem großen Tisch in einem Kreativbüro.“

„Wir planen, bauen und gestalten immer für Menschen“

Was müssen angehende Innenarchitektinnen und -architekten heute lernen? Für Prof. Ingo Haerlin beginnt die Antwort nicht erst beim Entwerfen. Denn immer häufiger steht am Anfang keine klar definierte Aufgabe, sondern ein Ort, für den es eine Zukunft zu entwickeln gilt.

Nachwuchs Bundesweit, Hessen
17.09.2026
"Innenraum einer Holzhalle mit symmetrischer Dachkonstruktion aus hellem Holz. Das Dachgerüst zeigt Querbalken und Verbindungspunkte. Am Ende des Raums befindet sich ein großes Fenster mit Blick ins Grüne. Ein Foosball-Tisch und Stühle sind im Raum verteilt."

Zwischen Lehre und Praxis

Studiobesuch:  Der Fachbereich Architektur der RPTU Kaiserslautern-Landau setzt auf eine enge Verzahnung von Theorie, Entwurf und Baupraxis.

Nachwuchs Rheinland-Pfalz
16.07.2026
Mann mit dunklem Hemd und beiger Hose steht vor einer Glasfront mit Blick auf Garten und Bäume.
Geschwungene Holzstruktur mit parallelen Linien, die eine organische, fließende Form bilden.
Freitreppe mit grasbedeckten Seitenflächen vor einem modernen, geschwungenen Gebäude mit weißer Fassade und dunklem Unterbau.
Blick über eine große, gepflasterte Fläche auf ein modernes Gebäude mit schrägen Stützen und Glasfassade, im Hintergrund Stadtgebäude und Bäume.

Neues Wissen,
smarte Projekte und
inspirierende Ideen

Entdecken Sie die Welt der Architektur – 
jetzt im exklusiven DAB Update!

Bitte gültige E-Mail-Adresse eingeben. Bestätigung der Datenschutzerklärung ist erforderlich.