Fließender Übergang – nicht ohne Tücken
Gelungene Nachfolge: Als langjährige Mitarbeiterinnen übernahmen Susanne Müller und Marina Wrogemann das Büro ihres früheren Chefs in Brandenburg an der Havel
Die großzügige Fabriketage, in der mich Susanne Müller und Marina Wrogemann begrüßen, hätte ich in Berlin erwartet, nicht aber in Brandenburg an der Havel. Die imposanten Ziegelbauten der ehemaligen Brennabor-Werke, die an die gründerzeitliche Industriekultur in der Hauptstadt erinnern, bieten heute idealen Raum für neue Unternehmen.
Neu ist das Architekturbüro von Susanne Müller und Marina Wrogemann dagegen nicht. Vor rund 15 Jahren fingen sie als Angestellte in dem 1993 von Uli Krieg gegründeten Büro an. Arbeitsschwerpunkt war der Wohnungsbau, so etwa die großflächige Sanierung von Plattenbauten in Rathenow. Die Auftragslage war gut, der Mitarbeiterstamm konstant, als Architekt Krieg Ende 2018 seinen langsamen Ausstieg ankündigte. „Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte, das Büro zu übernehmen“, erzählt Susanne Müller. Es folgten viele Gespräche und nach und nach die Einführung in Personal- und Managementthemen. Während einer vierwöchigen Kur ihres Chefs musste sie vorläufig das Ruder übernehmen. „Das war wahrscheinlich auch ein bisschen Taktik von ihm“, meint die Architektin. Es zeigte ihr, dass sie es kann.
Hineingewachsen in die neue Aufgabe
2019/20 stieg Susanne Müller in die Geschäftsführung des 15-Personen-Büros ein. Von Beginn an war klar, dass es eine Übergangszeit von drei bis vier Jahren an der Seite des Seniors geben wird, um für danach einen neuen Geschäftspartner zu suchen.
Die Übergangszeit war geprägt durch die Corona-Jahre, die den Einstieg erschwerten. Noch dazu hatte die anonym formulierte Stellenanzeige für einen Büropartner keinen Erfolg.
Marina Wrogemann blieben die Bemühungen nicht verborgen, weshalb sie sich zu Wort meldete. „Ich war bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Das sorgte für große Erleichterung bei Müller und Krieg, wenngleich der intensive Prozess des Übergangs noch einige Zeit dauern sollte. Seit Anfang 2024 firmiert die Partnerschaftsgesellschaft nun unter dem Namen muellerkrieg wrogemann.
Man sollte viel miteinander reden, ehrlich zueinander sein und auch aushalten können, dass manche Prozesse länger dauern, als man möchte.
Susanne Müller
ArchitektinUli Krieg ist komplett ausgeschieden. Loslassen konnte er gut, ist aber seinem alten Team weiterhin eng verbunden. Seine Expertise ist wiederholt gefragt und auch bei gemeinsamen Unternehmungen ist er dabei. Die Angestellten waren froh, dass das Büro als Arbeitgeber erhalten blieb. Einige seien schon länger im Boot als sie selbst, meint Susanne Müller. Man kenne sich bestens und arbeite vertrauensvoll zusammen. „Insofern war der Wechsel keine grundlegende Veränderung für alle.“ Das gute Büroklima, die Offenheit, flache Hierarchien und die Einbindung der Mitarbeiter:innen in Entscheidungsprozesse erleichterten es, die bisherigen Kolleginnen Müller und Wrogemann in ihren neuen Rollen zu akzeptieren.
Kontinuität bei Personal und Handschrift
Kontinuität gab es auch in der Haltung des Büros und bei der architektonischen Handschrift. Sie wurde zuvor schon maßgeblich von den Mitarbeiter:innen getragen. Sicher hätte jede Generation ihre eigenen Ideen, meinen die Architektinnen, Veränderungen kämen mit der Zeit von alleine.
Die übernommenen Projekte liefen bereits längere Zeit, sodass ohnehin kein scharfer Schnitt erfolgte. Auch wenn der Name Krieg bei der Akquise weiterhilft, verändert sich das Tätigkeitsfeld wegen des nachlassenden Wohnungsbaus vermehrt hin zu Bildungseinrichtungen und Gesundheitsbauten, für deren Vergabe eigene Regeln gelten.
Ob sie früher jemals daran gedacht hätten, sich selbstständig zu machen, frage ich die Architektinnen. Das verneinen beide, die nicht nur Mütter von zwei und drei schulpflichtigen Kindern sind, sondern deren Ehemänner ebenfalls in selbstständigen Berufen arbeiten.
Bereut haben die mutigen Frauen ihre Schritte nicht, sie seien genau dort, wo sie jetzt sein wollen. Ein bisschen wachsen dürfte das Büro schon, aber die familiäre Größe von 10 bis 15 Kolleg:innen möchten sie nicht überschreiten. Maßgeblich für ihre Zufriedenheit war der Büroumzug ins Brennabor-Gebäude. „Wir wollten etwas Neues – mehr als einen Tapetenwechsel“, sagt Marina Wrogemann. Die Ortsveränderung half, sich neu zu definieren, und gab dem Büroteam spürbaren Auftrieb.
Peter Neideck
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