Marktlage von Architekturbüros: Unsicherheit hält an
Selten waren die Geschäftsaussichten von Architekturbüros so unsicher wie heute. Auf der einen Seite geben eine schwindende Zahl von Ausschreibungen und die Auswirkungen der weltpolitischen Ereignisse Grund zu Pessimismus. Auf der anderen Seite deutet sich zumindest im Wohnungsbau ein Aufwärtstrend an.
Es sind schwierige Zeiten für die deutsche Wirtschaft. Die Auswirkungen des Iran-Kriegs, der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine, zeitweise massiv gestiegene Energiepreise und eine allgemeine Verunsicherung haben zur Folge, dass der Optimismus geschwunden ist. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei Architekturbüros: Die Konjunkturumfrage, die das Münchner ifo-Institut quartalsweise im Auftrag der Bundesarchitektenkammer (BAK) durchführt, zeigt seit Längerem ein wechselhaftes, aber insgesamt wenig hoffnungsvolles Bild.
Deutlich wird dies beispielsweise bei der Umsatzentwicklung. Zu Beginn des ersten Quartals dieses Jahres verschärfte sich der Umfrage zufolge der Umsatzrückgang, um sich im Februar und März dann leicht abzuschwächen. Während sich bei den Auftragsbeständen eine leichte Besserung andeutete, blieben die Erwartungen der Büros verhalten. Besonders im März trübten sich die Geschäftserwartungen wieder ein, was das ifo-Institut mit dem Iran-Krieg begründet. „Zum Quartalsende“, fasst das Institut die Entwicklung zusammen, „nahmen die pessimistischen Erwartungen spürbar zu.“
Langfristiger Rückgang
Diese Erkenntnisse der jüngsten Konjunkturumfrage reihen sich in eine Entwicklung ein, die zeigt, wie anspruchsvoll die wirtschaftliche Lage für viele Architekturbüros ist. Schon im Juli 2025 zeigte die gemeinsame Mitgliederbefragung mehrerer Verbände der planenden Berufe (darunter der BAK), dass knapp 40 % der rund 2.500 befragten Architektur- und Ingenieurbüros einen rückläufigen Auftragsbestand zu verzeichnen hatten. Nur 84 % der Büros erzielten einen Gewinn; ein Jahr zuvor waren es noch 97 % gewesen.
Ein weiteres Indiz für die wirtschaftlichen Herausforderungen ist die Entwicklung der Zahl öffentlicher Ausschreibungen, die die Plattform Competitionline ermittelt hat. Demnach ging die Zahl öffentlicher Planungsausschreibungen im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um gut 5 % zurück. Das hängt mit der desolaten Finanzlage vieler Kommunen zusammen. „Die Haushaltslage spitzt sich weiter zu“, sagt Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. Die Folge ist, dass die Kommunen kaum Geld für Investitionen haben.
Kein Wunder also, dass die Auftragslage vieler Architekturbüros unbefriedigend ist. Den zehnten Quartalsrückgang in Folge verzeichnete zum Ende des vierten Quartals 2025 das USP-Architekturbarometer, das die Auftragslage von Architekturbüros misst. Erhoben wird es in mehreren europäischen Ländern von der USP-Gruppe, zu der das Düsseldorfer Marktforschungsunternehmen BauInfoConsult gehört.
Bemerkenswert ist allerdings, dass die deutschen Architekturbüros ihre Aussichten als weniger schlecht einschätzen als die Büros etwa in Italien und dem Vereinigten Königreich. „Auch wenn die deutsche Bauwirtschaft weiter stockt, besticht die Lage im europäischen Vergleich durch eine gewisse Robustheit“, urteilt die USP-Gruppe. Sie erkennt bei den in ersten Wochen des Jahres 2026 befragten Architekturprofis sogar eine gewisse Zuversicht für das neue Jahr.
Impulse durch den Wohnungsbau
Besonders groß dürfte diese Zuversicht bei Büros sein, die Wohnungen planen. Denn der Einbruch des Wohnungsbaus, der durch den Anstieg der Zinsen bewirkt wurde, scheint ein Ende zu haben: Im Januar 2026 stieg laut Statistischem Bundesamt die Zahl der genehmigten Wohnungen um 8,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat, im Februar betrug das Plus sogar 24,1 %.
Wie der ifo-Geschäftsklimaindex zeigt, bleibt die Stimmung der Wohnungsbauunternehmen wankelmütig: Nachdem sich die Stimmung der Firmen, die Wohnungen bauen, im Februar aufgehellt hatte, trübte sie sich im März bereits wieder ein. „Die Sorge vor wieder steigenden Zinsen“, interpretiert dies Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, „belastet die Erwartungen im Wohnungsbau.“
Dennoch gebe die steigende Zahl der Baugenehmigungen Grund zur Hoffnung, dass auf Wohnungsbau spezialisierte Architekturbüros wieder bessere Zeiten erfahren würden, sagt Dr. Philip Steden, Leiter des Referats nationale und internationale Wirtschaftspolitik bei der BAK. „Allerdings“, gibt er zu bedenken, „bedeutet eine Baugenehmigung noch lange nicht, dass auch tatsächlich mit der Planung oder dem Bau begonnen wird.“ Entscheidend ist laut Steden deshalb, dass für Wohnungsbauinvestitionen die richtigen Rahmenbedingungen und Anreize gesetzt werden.
Sondervermögen weitgehend wirkungslos
Wenig euphorisch ist der BAK-Experte, was die Auswirkungen des mit 500 Milliarden Euro ausgestatteten Sondervermögens des Bundes für Infrastruktur und Klimaneutralität betrifft. „Von dem Sondervermögen geht nur ein kleiner Teil in den Bereich Bauen und Wohnen, das heißt in die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, energetische Sanierung und Infrastruktur zur Unterstützung der Stadtentwicklung“, stellt Steden fest. Daher erwartet er durch das Sondervermögen keine großen Impulse für Architekturbüros.
Angesichts der unterschiedlichen Einflussfaktoren fällt es Steden schwer, eine Prognose zur weiteren Entwicklung der Geschäftslage von Architekt:innen abzugeben. Damit dürfte weiterhin gelten, was BAK-Präsidentin Andrea Gebhard in einem Interview mit Competitionline gesagt hat: „Den Büros fällt es so schwer wie seit Beginn der Coronakrise nicht mehr, ihre Geschäftserwartung vorherzusagen.“
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